Herrenduft-Trends: Ein Parfümeur erklärt Herrendüfte

Klassische Männerparfums enthalten Duftnoten von Hölzern und Gewürzen
Klassische Männerparfums enthalten Duftnoten von Hölzern und Gewürzen

Mark Buxton, Parfümeur für namhafte Marken wie Jil Sander, Comme des Garçons und Cartier, hat ein Näschen für Trends. Er verrät, warum auch Männer nach Rosen duften dürfen

Woher weiß man als Parfümeur, welcher Duft ankommt? Gibt es Trends?
Die großen Dufthäuser richten sich oftmals  nach Trends und produzieren ähnliche Düfte. Bei den kleineren Marken sind die Parfüms im Normalfall individueller und spezieller. 

Ein Duft muss sich letztendlich verkaufen. Was gehört hinein, damit er gefällt?
Auch das richtet sich nach Trends. Oft sind es orientalische und frische Noten. Aus den USA kommt der Trend, dass Düfte einfach sauber riechen sollen. Die werden dann mit neuen Blumenaromen kombiniert und aufgefrischt.

Veranstaltet man Messen, auf denen sich Parfümeure über Rohstoffe informieren können und diese vorgestellt bekommen?
Nein, vieles ergibt sich per Zufall, wenn ich auf der Suche nach etwas Neuem bin. Große Firmen betreiben meist eigene Forschungen, suchen ständig neue Moleküle. Manche sind auf Naturprodukte spezialisiert und versuchen, alles Mögliche zu destillieren. Die Neuheiten präsentieren sie dann, wie die Magnoliablüte vor einigen Jahren. Die gab es bis dahin noch nicht und wird nun sehr häufig verwendet.

Gibt es denn Richtlinien für Männerdüfte?
Richtlinien unterliegen die Herrendüfte nicht.  Aber man sagt von Männern, sie seien eingefahrener  als Frauen. Sie liebten das Klassische, seien nicht so wild auf Neues und eher zurück-haltend. Zurzeit aber werden eher weibliche Männerparfüms entwickelt, die nach Blumen, besonders nach Rosen, duften. Diese Zutaten werden mit klassischen Herren-Duftnoten, etwa Hölzern und Gewürzen, abgemischt.

Daher der Unisex-Trend bei Düften?
Ja, ­allerdings mag ich den Begriff Unisex nicht. Der wirkt so geschlechtslos. Ein Duft muss zu einer Person passen, und wenn es passt, ist es doch kein Problem, wenn ein Mann beispielsweise nach Maiglöckchen oder Rosen riecht.

Wie lange dauert es in der Regel von der ersten Idee bis zu einem fertigen Duft?
Zirka 3 Monate bis etwa 3 Jahre, das hängt ganz vom Projekt ab. Bei größeren Firmen dauert es in vielen Fällen länger, da dort immer wieder neu getestet und beraten wird. Bei kleineren Herstellern sind die Wege kürzer, dort werden die Entscheidungen einfach schneller gefällt.

Mark Buxton
Als Parfümeur hat er schon für viele der ganz Großen gearbeitet, etwa LVMH, Coty, L’Oreal oder P&G. Seit Ende 2011 konzentriert er sich auf sein eigenes Duftprojekt. Mehr Infos unter www.perfarium.com

Ist es spannender, einen Duft über Jahre zu entwickeln oder zu einem bestehenden Flakon und Image einen Duft zu kreieren?
Es ist sehr hilfreich für die Entwicklung eines Duftes, wenn es klare Vorgaben gibt. Das macht meist mehr Spaß, und das Produkt entspricht dann auch vielmehr den aktuellen Trends.

Ein Parfüm besteht aus Kopf-, Herz- und Basisnote. Aber was ist das ganz genau? Was kann ich aus den Angaben ableiten?
Die einzelnen Noten des Duftes kann man zu bestimmten Zeitpunkten wahrnehmen. Die Kopfnote, oft frische oder fruchtige Essenzen, registriert man in den ersten 10 bis 15 Minuten. Dann kommt die Herznote, meist mit Holzakkorden oder mit Blumen, die sich nach etwa 10 Minuten zeigt und bis zu 4 Stunden bleibt. Die Basisnote, oft natürliche Inhaltsstoffe wie Eichenmoos oder Tonkabohne, gilt als Fixateur und bleibt bis zu 20 Stunden auf Ihrer Haut. 

Das heißt, ich sollte den Duft mindestens 10 Stunden an der Haut wirken lassen, um wirklich sagen zu können, ob ich ihn mag?
Genau. Beim Kauf eines neuen Duftes sollten Sie immer etwas Zeit verstreichen lassen, um später keine böse Überraschung zu erleben. 

Woran liegt es, dass ich meinen Lieblingsduft irgendwann nicht mehr wahrnehme?
Ihr Geruchssinn kennt die Duftmoleküle und ist davon übersättigt. Die Nase interessiert sich nun einmal eher für neue Düfte und Aromen.

Würden Sie einen Duft, den sie entwickelt haben, an einem Fremden erkennen?
Ich denke ja. Auch wenn er sich auf jeder Haut anders entwickelt – Stichworte: ­Körperwärme, pH-Wert –, den Hauptakkord erkenne ich doch.

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