Woche 5: Einen Monat rauchfrei!

Ein Bild aus früheren Zeiten: Habe ich wirklich so kaputt ausgesehen? Was Zigaretten so alles anrichten können

Das Nichtrauchen funktioniert gut. Dennoch soll nichts unversucht bleiben, meine Sucht endgültig zu überwinden. Mein nächster Schritt: Ich lasse mich hypnotisieren

Tag 29

Es ist momentan nicht auszuhalten. Der Artikel, an dem ich gerade arbeite, macht mich noch verrückt. Ständig passt eine Formulierung nicht oder eine wissenschaftliche Studie ist zu unkonkret. An der einen Stelle ist der Text zu kurz, an einer anderen wieder zu lang. Ich werde noch kirre dabei!

So eine kleine Denkerpause mit Kippe wäre eigentlich ganz schön, das Rumdrücken an meinen Dauernadeln bringt nicht mehr viel. Es ist ein wenig so, als ob man vergeblich versucht, den letzten Rest Zahnpasta aus der Tube zu quetschen. Und dann ernüchtert aufgibt und man sich nur mit dem winzigen Restfitzelchen und sehr viel Spucke die Beißerchen putzt.

Eigentlich sollte ich nicht so furchtbar mürrisch sein. Heute habe ich doch mein einmonatiges Nichtraucher-Jubiläum.

Tag 30

Es ist Freitag! Es ist Freitag! Freihahaheitag! Auch wenn mir mein Artikel mit den achso unkonkreten Studien und deren Formulierungen so langsam den letzten Nerv raubt. Auch wenn die kleinen Reißzweckenpflasterchen nicht mehr richtig funktionieren, weil sich meine Ohren schon zu sehr an den Dauerreiz gewöhnt haben.

Auch wenn ich deswegen wieder vermehrtes Rachverlangen habe. Heute fängt das Wochenende an! Und das heißt, dass es abends wieder – wie jeden Freitag – Spaghetti Bolognese gibt. DAS ist mein eigentlicher Grund zur Freude.

Tag 31

Heute war’s besonders spannend. Schon länger habe ich mich darauf gefreut am heutigen Tage endlich all mein Rauchverlangen mit einem Streich ausgelöscht zu bekommen. Heute nehme ich an einem Seminar zur Rauchentwöhnung teil. Das aufregendste daran ist die Hypnose, mit der ich hoffentlich auf einen Schlag komplett rauchfrei werde.

Elf arme Würstchen, die sich nichts seeliger wünschen als endlich mit dem Quarzen aufzuhören, treffen sich also im Gästehaus der Uni Hamburg in der Rothenbaumchaussee. Ich bin erst einmal perplex, tatsächlich auf Leute zu treffen, die keinen anderen Ausweg aus Zigaretten-Abhängigkeit wissen als sich für 160 Euro hypnotisieren zu lassen.

Mehr dazu erzähle ich im Laufe der Woche. Dranbleiben!

Tag 32

Der Sonntag ist endlich mal wieder einigermaßen so, wie ich mir einen Sonntag eben so vorstelle. Er beginnt ruhig, vor allem mit Ausschlafen und einem ordentlichen Frühstück mit gekochtem Ei (weich natürlich!) und Orangensaft samt Kaffee.

Einfach mal ein wenig rumzugammeln tut richtig gut. Klar, ich hätte auch irgendwo hinfahren können, irgendetwas unternehmen. Aber ich bin zu faul. Tatsächlich überkommt mich während des Tages in meiner ganzen Faulheit das Verlangen zu rauchen.

Kommt das etwa von der Ritual-Letzten-Zigarette, die ich gestern mit den anderen Verzweifelten geraucht habe, da beim Hypnose-Seminar? Ich bin beunruhigt.

Tag 33

Morgens mal wieder Party am Elbtunnel, wenn der gesamte Montagmorgenpendelverkehr sich von den Aufgaben Reißverschlussverfahren und Mit-normaler-Geschwindigkeit-durch-den-Tunnel-fahren überfordert sieht.

Eine Quälerei ist das jedes Mal, mühsam durch den dahinrotzenden Verkehr muss man sich mit dem Motorrad durchschlängeln.

Wer Nichtraucher ist und sich jeden Morgen dieses masochistische Spiel antut, hat einen guten Grund mit dem Qualmen anzufangen. Anders ist die motorisierte Zirkus-Akrobatik der rollenden Bürgerkäfige kaum zu ertragen.

Tag 34

Karotten sind was Feines. Und mal ehrlich: Sooo übel schmecken die carotin-reichen Stänglein nicht. Natürlich ist das Knabbern einer Karotte nicht mit dem lässigen Anzünden einer Zigarette vergleichbar. Und zum Kaffee oder einem Bier würde ich mir auch keine Karotte gönnen. Ebensowenig gibt es eine Feierabend-Karotte.

So eine Karotte zwingt einen zum Organisieren, zur Struktur. Will ich jetzt Kaffee trinken? Oder ein Möhrchen knabbern? Abends ein Bier auf der Geburtstagsparty vom besten Kumpel – da geht definitiv keine Karotte.

Obwohl: Das wäre doch eigentlich was. So als neuer Gesundheits-Trend in der Öko-Szene – lecker Bio-Bier, dazu eine Zikarotte.

Tag 35

Das ist mal wieder einer dieser Tage, die sich so ewig ziehen. Man kann hochkonzentriert arbeiten oder bummelig, sich hier und da ablenken lassen. Egal, was man macht: Die Uhrzeiger scheinen stillzustehen.

Und was habe ich früher an solchen Tagen gemacht? Na klar: Gequalmt. Mal hier eine, mal da eine. Später dann noch eine. Und so konnte man den Tag zeitlich mit kleinen Raucheinheiten strukturieren und schon kam er einem nicht mehr so unendlich lang vor.

Mein Fazit: Dafür brauche ich jetzt wohl etwas anderes. Was, weiß ich allerdings noch nicht.

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