Der moderne Höhlenmensch: Clevere Ernährungsstrategie der Steinzeitmenschen

Die Steinzeitmenschen mussten für Ihre Nahrung noch richtig schwitzen
Während man sich in der Steinzeit noch mächtig anstrengen musste um etwas Essbares zu ergattern, reicht heute ein Mausklick um sich Essen bequem nach Hause zu bestellen

Der typische Höhlenmann war topfit. Das lag vor allem an Mammut-Steaks, Pilzen und Beeren. Folgen Sie uns zum Ursprung gesunder Ernährung und lesen Sie, was Sie sich bei der Steinzeit-Ernährung abschauen können

BEUTEZUG BRINGT FITNESS

Ohne Fleiß kein Preis – und ohne Bewegung kein Essen. Nach diesem Grundsatz lief das Leben unserer Vorfahren ab. Wer ein blutiges Mammut-Steak wollte, der musste vorher ein ordentliches Training absolvieren. Die Steinzeitmenschen trugen Ausrüstung und Beutetiere über Strecken von bis zu 15 Kilometern pro Tag. Nicht nur bei der Jagd konnten sie ihre Fitness unter Beweis stellen. „Sie mussten Baumstämme schleppen, Werkzeuge bauen, Wasser heranschaffen“, erläutert Dr. Florian Westphal, Archäologe und Geschäftsführer des Paläon, des neuen Forschungs- und Erlebniszentrums in Schöningen bei Braunschweig (www.palaeon.de). Und nicht zu vergessen: die Flucht vor hungrigen Raubtieren. „Unsere Ahnen waren körperlich aktiver als die meisten modernen Menschen.“ Was wir als strammes Outdoor-Training bezeichnen, war für unsere Vorfahren Alltag – und sicherte ihr Überleben. Die positiven Nebeneffekte dieses Steinzeit-Lebensstils: starke Muskeln und fitte Körper.

GENERATION SUPERMARKTJÄGER

Und heute? Sitzzeit statt Steinzeit! Manche Männer hocken stundenlang am Schreibtisch und bewegen sich wenig. „Die evolutionäre Einheit von Bewegung und Essen existiert nicht mehr“, so der Münchener Ökotrophologe Dr. Nicolai Worm. Für einen Burger halten wir kurz an einem Drive-in-Schalter, für die Pizza reichen ein Mausklick und 5 Schritte bis zur Haustür. Wenn der Steinzeitmensch bei der Jagd 1000 Kalorien verbrannte, dann bekam er genau die fehlende Energie durch seinen Fang zurück. Der Supermarktjäger verbraucht bei seinem Beutezug höchstens 100 Kalorien, geht aber mit 5000 in Einkaufstüten wieder hinaus. Mordlüsterne Säbelzahntiger lauern ihm bei Aldi zwar nicht auf, doch Süßigkeiten, Chips und Fertiggerichte sind nicht weniger gefährlich. „Die meisten Menschen nehmen zu viele Kalorien zu sich und bewegen sich zu wenig“, sagt Worm. „Als Folge kommt es oft zu Übergewicht und zu einer Stoffwechselstörung, der Insulinresistenz. Diese zieht einen erhöhten Insulinspiegel, erhöhte Blutfett- und Blut-zuckerwerte sowie Bluthochdruck nach sich.“ Dem Berliner Robert-Koch-Institut zufolge sind zwei Drittel aller deutschen Männer zu dick.

SNACKS LIEFERT DIE NATUR

Während wir uns vor kalorienreichen Snacks kaum retten können, befanden sich unsere Vorfahren immer auf der Suche nach etwas zu knabbern. „Die Steinzeitmenschen aßen das, was die Umgebung ihnen bot“, so Archäologe Westphal. Von Pilzen, Nüssen, Wurzeln und Wildgetreide bis hin zu Früchten und wilden Pflanzen aßen sie sich durch die Flora. Eines haben all diese Steinzeit-Snacks gemeinsam: Sie sind echte Nährstoffbomben. „Pflanzliche Nahrung wie Gemüse und Hülsenfrüchte hat eine hohe Nährstoffdichte – bei gleichzeitig geringer Kaloriendichte“, so Ökotrophologin Birgit Schramm aus Hamburg. So liefern etwa Pilze bei nur 20 Kalorien pro 100 Gramm eine Menge hochwertiges Eiweiß, Vitamin D und Magnesium – Sportler-Nährstoffe für starke Muskeln, harte Knochen und stabile Nerven.

Manche Nahrungsmittel, wie etwa wildes Getreide, wurden von den Steinzeitmenschen verarbeitet. „Funde spezieller Mahlwerkzeuge zeigen, dass Menschen schon in der Altsteinzeit Körner und Samen zerkleinert haben“, sagt Westphal. Das versorgte die Menschen nicht nur mit Vitaminen und Mineralstoffen, es lieferte auch jede Menge essenzielle Fettsäuren. Neben fettem Fisch sind Walnüsse und auch Leinsamen die Top-Lieferanten für Omega-3-Fettsäuren. „Da unser Körper diese Fettsäuren nicht selbst produzieren kann, müssen wir sie mit der Nahrung zu uns nehmen“, erläutert   Schramm. „Sie halten das Gehirn fit und hemmen Entzündungsprozesse in den Zellen.“

DICKER FANG ERLAUBT FAULENZEN

Während der Caveman gesunde Beeren oder Nüsse naschte, stillen wir unseren Hunger zwischendurch ganz nebenbei mit Kalorienbomben: auf dem Arbeitsweg einen Muffin, am Laptop Schokolade und abends vor dem Fernseher eine Tüte Chips. Auch unsere Getränke haben es in sich: Mit einer Dose Cola kippen wir 140 Kalorien in uns hinein, und 2 Bierchen am Feierabend punkten mit 260 Kalorien. Kein Problem, solange Sport oder andere körperliche Aktivität alles wieder verbrennt. Wer jedoch mehr futtert, als er braucht, legt Reserven in Form von Fettpolstern an. „Zu Zeiten knapper Nahrung war es für Menschen ein Überlebensvorteil, überschüssige Energie in den Fettdepots zu speichern“, sagt Worm. Zeiten knapper Nahrung gibt es bei uns nicht. Das Fett bleibt. Was wir heute um jeden Preis verhindern wollen, rettete unseren Vorfahren das Leben. Wenn die Steinzeitjäger besonders große Tiere erlegten, aßen sie so viel, wie sie konnten; der Rest wurde konserviert, um sich für die nächste Hungersnot zu wappnen.

Nach einer anstrengenden Jagd waren die Menschen erst einmal versorgt und erholten sich eine Weile. Solche Ruhephasen sind bei der heutigen Lebensweise oft nicht möglich. Dabei ist Ruhe zum Beispiel nach einer harten Trainingseinheit wichtig für die Regeneration des Körpers. „Erholung bestimmt – neben einer abwechslungsreichen, ausgewogenen Ernährung sowie ausreichend Bewegung – die Gesundheit in hohem Maße“, erläutert Worm.

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