Wissen, was zu tun ist: Erste Hilfe in der Wildnis

Nicht immer ist sofort eine Ambulanz zur Stelle
Nicht immer ist sofort eine Ambulanz zur Stelle

Sie sind oft in der Natur unterwegs? Seien Sie immer für einen Notfall gewappnet – wir haben die besten Tipps für eine erste Hilfe in der Wildnis

Bewahren Sie Ruhe. Es hilft Ihrem verwundeten Kumpel nichts, wenn Sie sich auch noch vor Panik verletzen!

Stabile Seitenlage: Diese Position kennen Sie noch aus dem Führerschein-Kurs. Sie sorgt dafür, dass der Verletzte frei atmen kann und nicht erstickt. Stellen Sie sich an seine Seite. Schieben Sie denjenigen seiner Arme, der zu Ihnen zeigt, gestreckt unter seinen Körper – und zwar so weit wie möglich. Winkeln Sie sein Bein auf der gleichen Seite an.
Dann fassen Sie den Verletzten an der Schulter und der Hüfte der anderen Seite und ziehen ihn vorsichtig zu sich herüber. Den Arm, der sich jetzt unter dem Körper befindet, ziehen Sie am Ellenbogen vorsichtig ein Stück nach hinten. Jetzt überstrecken Sie den Kopf in den Nacken und drehen das Gesicht etwas zum Boden. Die Hand des Armes, der oben ist, schieben Sie unter seine Wange.

Atemstillstand: Neigen Sie den Kopf des Bewusstlosen zur Seite und machen Sie die Atemwege von Fremdkörpern (Erbrochenem, Erde) frei. Überstrecken Sie seinen Kopf nach hinten. Nach diesen ersten Hilfsmaßnahmen beginnen 80 Prozent der Bewusstlosen wieder zu atmen.
Ansonsten atmen Sie ein, dichten Sie mit Ihrem Mund seinen ab und atmen aus. Halten Sie dabei seine Nase zu, sonst entweicht Ihre Atemluft, und seine Lunge geht leer aus. Nach dem Ausatmen heben Sie Ihren Mund ab.

Die beste Frequenz für eine Beatmung liegt bei vier Sekunden, also 16 bis 18 Gaben pro Minute. Ihre Beatmung ist korrekt ausgeführt, wenn die Luft mit mäßigem Druck und geräuschlos in den Bewusstlosen strömt und sich sein Brustkorb sichtbar hebt. Sicherer und leichter auszuführen als die Mund-zu-Mund- ist die Mund-zu-Nase-Beatmung: Dabei atmen Sie in die Nase des Bewusstlosen ein und halten gleichzeitig seinen Mund zu.

Herz-Kreislauf-Stillstand: Wenn Sie bei dem Verletzten keinen Puls mehr fühlen können, müssen Sie ihn zunächst beatmen. Schlagen Sie außerdem mit der Faust aus etwa 30 cm Höhe auf die Mitte des Brustbeines. Wenn der Herzstillstand erst vor kurzem eintrat, kann der kräftige Schlag das Herz wieder zum Pochen bringen. Wenn auch das nicht hilft, beginnen Sie mit der Herzdruckmassage.
Den richtigen Druckpunkt finden Sie so: Suchen Sie mit einem Finger das Ende des Brustbeines. Dann legen Sie zwei Finger Ihrer anderen Hand in Richtung Kopf über den ersten. Direkt über diesen Fingern wiederum, in Richtung Kopf, setzen Sie jetzt Ihren Handballen auf. Den Handballen Ihrer freien Hand legen Sie auf den Handrücken der ersten. Drücken Sie kräftig einmal pro Sekunde. Jeweils nach 15 Stößen zwei Beatmungen. Wenn alles glatt ging, bringen Sie den Verletzten in die stabile Seitelage. Regelmäßig Puls und Atem kontrollieren!

Wunden: Bei stark blutenden Wunden halten Sie das blutende Körperteil hoch. Drücken Sie zuführende große Adern ab, und die Wundränder zusammen. So legen Sie einen Druckverband an: Als Wundauflage können Sie unter anderem ein Taschentuch oder Textilien verwenden – Hauptsache sauber. Diese Auflage fixieren Sie mit einer Binde, auf die Sie ein Druckpolster (Verbandspäckchen, Stein) legen. Fest anwickeln!

Wenn selbst der Druckverband nicht ausreicht, um die Blutung zu stillen, hilft nur noch Abbinden: Verwenden Sie dazu breites Material (zum Beispiel einen Gürtel). Nie direkt an den Gelenken abbinden; nur am Oberarm bzw. -schenkel! Ziehen Sie den Gürtel an, bis die Blutung aufhört. Alle 15 Minuten lockern, sonst stirbt das abgebundene Körperglied ab.

Brüche: Am besten schienen Sie den Bruch, nachdem Sie ihn gut gepolstert haben, und bringen den Verletzten zu einem Arzt. Wenn das nicht möglich ist – und wirklich nur dann! – können Sie versuchen, den Bruch einzurichten. Gehen Sie dabei jedoch vorsichtig vor, sonst beschädigen Sie die Nerven! Halten Sie den Verletzten und das betroffene Körperteil fest. Langsam und stetig ziehen, bis der Knochen vorsichtig wieder in Normalposition ist. Das verletzte Glied Polstern, schienen und mit einem Tuch ruhig stellen.
Bei offenen Brüchen besteht zusätzlich die Gefahr von Infektionen. Sie sollten die Wunde daher immer sofort möglichst steril abdecken. Einen hervorstehenden Knochen sollten Sie, genau wie beim geschlossenen Bruch, sofort einrenken. Ansonsten ist die Behandlung gleich wie bei geschlossenen Brüchen.

Durchfall: Essen Sie mindestens 24 Stunden lang nichts. Trinken dürfen Sie dagegen, soviel Sie wollen. Und zwar am besten so, dass Sie Salz und Zucker abbekommen (Brühe, gezuckerte Lösungen). Wenn Sie sehr viel Flüssigkeit verlieren, lösen Sie einen Teelöffel Salz und zwei Teelöffel Zucker in 1 l Wasser und trinken die Mischung.
Am zweiten Tag können Sie sich an schonende Kost wagen; ab dem vierten Tag vorsichtig auf normales Essen umstellen. Medikamente gegen Durchfall sollten Sie nur einnehmen, wenn es gar nicht anders geht: Durch sie werden Keime und Gifte langsamer ausgeschieden.

Erfrierungen: Zuerst feuchte oder engsitzende Kleidung vorsichtig ausziehen. Dann die tiefgekühlte Stelle mit der anderen Hand, unter der Achsel oder zwischen den Beinen vorsichtig anwärmen. Auf keinen Fall versuchen, das frostige Körperteil mit Schnee „warm zu massieren“!
Wenn die erfrorene Stelle trotzdem keine Farbe zurück erlangt: in lauwarmes Wasser tauchen und auf diese Art langsam, aber sicher auftauen lassen. Die Entfrostung dauert ungefähr zwanzig bis vierzig Minuten. Die Stelle darf auf keinen Fall noch mal einfrieren. Deshalb das Körperteil warm halten, zum Beispiel mit einem Schal. Ein leichter Verband darunter schützt vor Verletzungen und Infektionen.

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