Geschriebene Erotik: Ewig guter Sex

Wenn die sexuelle Anziehung stimmt, die Leidenschaft, sollten wir nicht zögern, ans Limit zu gehen
Wenn die sexuelle Anziehung stimmt, die Leidenschaft, sollten wir nicht zögern, ans Limit zu gehen

Alle, die an die ewige Liebe glauben, träumen auch vom ewigen Sex. Und viele, bei denen der Sex nicht ewig ist, verlieren ihre Liebe

Bei mir im Altstadtviertel, in dem ich aufwuchs, kannte jeder den alten Schienenkratz. Er hieß so, weil er früher mal die Straßenbahnschienen sauber gehalten hatte. Inzwischen war er knapp achtzig, seine Frau wenig jünger, und man erzählte sich, dass sie es fast täglich miteinander trieben. Im Sommer standen die Fenster beim Schienenkratz offen, und man konnte hören, dass es stimmt. Es gibt sie also tatsächlich: Paare, bei denen der Sex jahrzehntelang lebendig bleibt. Voraussetzung ist sicher eine große gegenseitige Liebe. Beide müssen tatsächlich wissen, was sie an dem anderen schätzen. Aber leider reicht das nicht aus.

Im Grunde genommen ist das permanente Zusammensein von Frau und Mann dem erotischen Begehren abträglich. Uns allen ist das bewusst, auch wenn wir es vor unseren Frauen nicht zugeben, und sie geben es vor uns erst recht nicht zu. Alltag, Zusammenleben, Tag und Nacht alles voneinander sehen – und gleichzeitig guter Sex: Das ist fast die Quadratur des Kreises, wenn es gelingt. An diesem Unternehmen muss mit Klugheit und Schönheitssinn gearbeitet werden. Wir müssen größer als das Leben sein.

Okay, was ist zu tun?
Erstes und wichtigstes Gebot: Vergessen wir nie, dass Erotik ein Spiel aus Nähe und Ferne ist! Das ewige Aufeinanderhängen, ewige Zweisamkeit, eine falsch verstandene, absolute Offenheit und die Gleichschaltung der Interessen-Sphären – das murkst Begehren ab. Nicht von ungefähr ist der Partner-Look ein komisches Sinnbild für die spießige Langeweile einer erotisch abgestorbenen Partnerbeziehung. Unterscheiden wir uns voneinander! Pflegen wir die unterschiedlichen Interessen und ebnen sie nicht ein! Wir müssen nicht dieselbe Sportart betreiben, und schon gar nicht gemeinsam. Wir müssen nicht einmal zusammen tanzen. Schaffen wir öfter einmal Distanz, auch körperliche, damit wir sie lustvoll überwinden können! Die dabei gelegentlich aufkommende Eifersucht gehört dazu. Denn totale Sicherheit in einer Beziehung ist das Ende der Leidenschaft.

Zweitens: Wir haben die Pflicht, für den anderen attraktiv zu sein. Fragen wir uns also: Bin ich mit meiner Körperpflege und mit meiner Kleidung nachlässiger als am Anfang? Und falls ja, warum? Bilde ich mir ein, es läuft auch so? Und wie sieht es bei ihr aus? Will sie immer noch für mich schön sein? Und wie fühlen wir beide uns dabei, wenn wir glauben, dass unser nachlässiges Aussehen für den anderen reicht? Es reicht eben nicht, es ist ein Zeichen von Respekt- und Lieblosigkeit. Respekt bedeutet: Bei aller Liebe sich stets darüber klar sein, dass wir den anderen nicht abonniert haben.

Und drittens: Legen wir ein Wunschbüchlein an! Da hinein schreibe ich meine Wünsche an sie – und sie schreibt ihre an mich. Schon nach kurzer Zeit, wenn Beschwerden über mein Zeitungslesen beim Frühstück und ihre ausgebeulte Jogginghose abgearbeitet sind, werden die ersten sexuellen Wünsche geäußert. Was sie noch nie gemocht hat und was sie immer schon wollte. Und ich frage, ob sie sich vielleicht mal anders­rum auf mich setzen könnte. Vielleicht mit so einem Netz­body, eventuell? Ginge das?

Wenn die sexuelle Anziehung stimmt, die Leidenschaft, sollten wir nicht zögern, ans Limit zu gehen. Mit Respekt, distanziert und nah zugleich, gepflegt und doch gehörig verschweint! So halten wir die Beziehung in Schwung, den Sex frisch. Vielleicht wird er sogar besser, als er mal war. Ich weiß nicht, wie Herr und Frau Schienenkratz füreinander attraktiv geblieben sind. Wer weiß? Vielleicht führten sie ein Wunschbüchlein.

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