Gentleman-Look: Fein-Tuning für Ihr Outfit

Auf den ersten Blick sieht Ihr Outfit super aus. Aber stimmen auch die Details? Denn die sind wichtig für den Gesamteindruck. Bernhard Roetzel nennt die größten Stolpersteine auf dem Weg zur Perfektion. Und wie man sie umgeht.

Kaschmir statt Seide: Krawatten-Kennerschaft zeigt sich nicht nur an der Art und Weise, wie der Binder zum Knoten geschlungen wird. Fast genauso wichtig ist der Stoff, aus dem die Mannes-Zier genäht wurde. Neben Seide gibt es auch noch andere edle Naturfasern: 

Kaschmir, Wolle, Leinen oder Baumwolle, ganz zu schweigen von den diversen Mixturen. Sie alle finden sich im Schrank des Feintuners, Primus inter Pares ist aber Kaschmir, das edle Ziegenhaar aus der Mongolei. Es ist leicht, weich und wirkt mit seiner matten Oberfläche immer eine Spur dezenter als schimmernde Seide. Kaschmirkrawatten sind beim Binden zwar etwas sperriger, dafür fällt der Knoten voller aus und lockert sich auch nicht ständig, anders als bei bedruckter Seide. 

Ungefüttert im Winter: Zwischen Mai und September gehen mittlerweile viele "innen ohne", aber nur Kenner ordern den herbstlichen Anthrazit-Zweiteiler aus Kammgarnflanell in der Version ohne Futter. Warum? 

 Feintuner sind Stofffreaks, sie wollen nichts zwischen sich und ihren Super-180er kommen lassen. Das mag man spinnert finden, der Anzug ohne Innenverkleidung hat aber auch praktische Vorteile:

 Ohne Futter sind die etwas schwereren Winterstoffe eine ganze Ecke kühler, das Dilemma der kalten Jahreszeit wird entschärft. 

Wasserpolierte Schuhe: Sind Sie Schuhfreak? Dann gehören Sie zu einer elitären Minderheit, denn edle Schlappen zählen leider immer noch nicht bei jedermann zur Grundausstattung. Mit drei bis zehn Paar Rahmengenähten im Schrank haben Sie die höchste Stufe der Schuh-Weisheit allerdings noch nicht erreicht, es kommt darauf an, wie Sie die ledernen Schätzchen putzen. Wenn Sie eine normale Wachspaste nehmen, machen Sie nichts verkehrt. Den Olymp der Kennerschaft erklimmen Sie aber erst mit einer Terpentin-Wachspaste und einer gekonnten Wasserpolitur. 

Und so funktioniert es: Terpentin-Wachspaste kaufen (z. B. "Paade Gloss" von Kiwi), Dose öffnen, in den Deckel etwas Wasser geben. Mit einem Lappen die Paste dünn auf den ersten Schuh auftragen. Nun denselben Lappen leicht ins Wasser stippen und kreisend polieren, bis der Glanz kommt. Wenn der erste Schuh funkelt, nehmen Sie sich den zweiten vor. Am Ende noch mal mit der Pferdehaarbürste nachwienern, und der Schuh glänzt wie ein antikes Möbelstück. 

Kein Blazer im Business: Ganz oben auf der Liste der populären Modeirrtümer rangiert die Vorstellung, dass der dunkelblaue Blazer (zweireihig, mit Goldknöpfen) zur Business-Garderobe gehört. Natürlich sieht der dunkelblaue Stoff auch wirklich schmuck aus, zumal er was von Flugkapitän oder Marineoffizier an sich hat – dennoch gehört er nicht ins Büro. 

Der Blick auf den Stammbaum des Blazers belegt das ganz eindeutig. Einer seiner Vorfahren war das zweireihige "Reefer-Jacket" der Royal Navy, ein anderer das bunt gestreifte Club-Sakko englischer Rudervereine. Keiner der beiden Urahnen hat auch nur entfernt etwas mit Bürokleidung zu tun, deshalb hat der Blazer im Job nichts zu suchen. 

Brusttasche, nein danke: Button-down-Kragen und Doppelmanschetten passen nicht zusammen. Das ist klar. Nur wenigen ist aber bekannt, dass zum Business-Anzug nur Hemden ohne Brusttasche getragen werden. 

 Warum? 

  • Erstens zählte das Hemd bis ins 18. Jahrhundert zur Unterbekleidung und die hat bekanntlich keine Taschen. 
  • Zweitens trug der Gentleman bis in die fünfziger Jahre Anzüge mit Weste, und da der Dreiteiler genügend Stauraum für Visitenkarten, Füllfederhalter, Zigarrenabschneider und anderen Kleinkram bietet, war das Hemd mit Brusttasche überflüssig. 

Die Weste ist zwar aus der Mode gekommen, das Hemd mit der glatten Brust blieb.

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