Exklusiv: Fettes Brot in coolen Anzügen

Die drei Rapper in ihrem aktuellen Video
"Die Uniformen stammen von einem Zug in Kapstadt, wo wir gedreht haben"

Die drei Hip-Hopper in 60er-Jahre-Outfits. Extra: Das große Interview über Musiker-Uniformen und Gangster-Mode

Habt Ihr gar keinen Stil?
Dr. Renz: Äh, wieso?
In dem Stück „Falsche Entscheidung“ auf Eurer neuen CD heißt es: „Alles begann damals im Kreißsaal / Ich kam zur Welt ohne ein’ Lifestyle / das ist im Nachhinein großer Scheiß weil / ohne den Style gibt’s leider kein’ Beifall.“
König Boris: So ist das nicht gemeint. Es geht um diesen Lifestyle-Faschismus. Die Beballerung damit, wie man zur Zeit auszusehen hat und was man gerade Trendiges tun muss. Erstaunlicherweise gibt es viele Leute, die sich danach richten. Das ist vollkommen langweilig. Ich unterliege selbstverständlich auch manchem Mode-Trend, das lässt sich gar nicht vermeiden. Aber man muss nun wirklich nicht alles mitmachen.
Björn Beton: Das soll aber nicht heißen, dass ich meine Zeit nicht gern damit verbringe, Klamotten zu kaufen. Mir geht es überhaupt nicht darum, ob ich die Sachen vorher schon einmal gesehen habe, sondern darum, mir Lieblingskleidung auszuwählen.
König Boris: Es geht in unserem Songtext auch nicht nur um Kleidung, sondern außerdem um langweilige, überteuerte In-Bars, wo man sich mit innerlich hässlichen Menschen an einen Tresen setzen muss. Oder um diesen ganzen Schönheitswahn, wo man sich die Füße vergrößern lassen muss oder die Ohren verkleinern.

Zum typischen Rapper-Image gehört auch eine bestimmte Art des Auftretens. Könnt Ihr Euch vorstellen, im kompletten Fubu-Outfit aufzutreten? Die Sportswear-Marke gilt In Eurer Szene ja geradezu als Uniform.
König Boris: Nein, das wäre nur eine Verkleidung. Das ist nicht mein Geschmack.
Dr. Renz: Es gibt Popsängerinnen, die ihren kompletten Tross so einkleiden. Die wollen dann Coolness-Punkte damit sammeln, dass sie aussehen wie eine Hip-Hop-Gang.
König Boris: Sich zu verkleiden ist eine Sache, das finde ich unter Umständen sogar total in Ordnung. Es ist auch okay, sich auf der Bühne anders anzuziehen als im Privatleben. Das kann absolut dazu gehören. Aber Hip-Hop-Klamotten repräsentieren nicht mehr das, was die Leute denken, sind also nicht mehr so ein Underdog-Kleidungsstil. Das waren sie vielleicht vor zehn Jahren mal.
Björn Beton: Die revolutionäre Kraft ist verschwunden. Hip-Hop ist in den Lifestyle integriert und normal geworden.
König Boris: Diese Hip-Hop-Uniform hat mittlerweile etwas sehr Konservatives, weil wirklich alle damit herumlaufen. Auch Leute, die mit Hip-Hop gar nichts zu tun haben, ziehen sich so an. Und sogar deren Mütter.

Apropos Uniform: Im Video zu Eurem Song „Emanuela“ sieht man Euch in Uniformen. Ist das Euer neues Bühnen-Outfit?
Dr. Renz: Nein, bloß nicht! Wir wollten für das Video ein Outfit, das den Marsch-Rhythmus der Musik unterstreicht. Und da kam uns die Idee: Spielmannszug. Die Uniformen stammen von einem Zug in Kapstadt, wo wir gedreht haben. Diese Orden, die wir auf den Mode-Fotos tragen, wären schon eher was für die Bühne.

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