Erwachsenwerden in knapp 3 Stunden: Unser Filmtipp "Boyhood"

Trailer zum Film
Trailer zum Film "Boyhood"

"Boyhood" zeigt das Heranwachsen eines Jungen. Gedreht in 12 Jahren mit immer den gleichen Schauspielern. Klingt nach langweiliger Doku? Von wegen: eher der beste Film des Jahres

Wenn in Kinofilmen verschiedene Lebensabschnitte von Helden wie etwa Batman oder Indiana Jones gezeigt werden, arbeiten Regisseure immer mit mehreren Schauspielern für eine Rolle – schließlich kann man nicht so lange warten, bis diese mitaltern. Das sieht Regisseur Richard Linklater (bekannt für seine Film-Trilogie Before Sunrise, Before Sunset und Before Midnight) zum Glück anders. Für sein Projekt Boyhood drehte er über zwölf Jahre hinweg mit den immer gleichen Darstellern, jedes Jahr für ein paar Tage. Das Ergebnis ist ein Film über die gesamte Kindheit und Jugend eines Jungen – von 6 bis 18 Jahren. Erwachsenwerden in knapp 3 Stunden. Wir sehen dem kleinen Mason beim Aufwachsen zu, wie er seine Persönlichkeit formt und schließlich zum Mann wird. Das klingt erst einmal unspektakulär. Dennoch schafft es Linklater, mit einer faszinierenden Mischung aus Alltagsszenen, großen Lebensfragen und viel Humor den wahrscheinlich besten Film des Jahres abzuliefern.

"Boyhood" ist ein faszinierender Film über das Erwachsenwerden eines Jungen

Darum geht’s in Boyhood: Mason (Ellar Coltrane) ist 6 und lebt mit seiner älteren Schwester Samantha (Lorelei Linklater) und seiner Mutter Olivia (Patricia Arquette) in Texas. Als die Familie in die Großstadt Houston zieht, damit Olivia ihren College-Abschluss  nachholen kann, taucht Vater Mason Sr. (Ethan Hawke) plötzlich wieder auf. Sehr zum Misfallen von Olivia, die bereits jemand anderen kennengelernt hat. Mason wird in den folgenden Jahren miterleben, wie seine Mutter immer an die falschen Männer gerät und sein zunächst rastloser Vater langsam erwachsen wird. Nebenbei muss er entscheiden, was er aus seinem eigenen Leben machen will.

Erwachsenwerden in knapp 3 Stunden: Wir sehen dem kleinen Mason beim Aufwachsen zu
Erwachsenwerden in knapp 3 Stunden: Wir sehen dem kleinen Mason (Ellar Coltrane) beim Aufwachsen zu

Kein typischer Coming-of-Age-Film
Der größte Pluspunkt von Boyhood: Drehbuch und Story hat Linklater im Laufe der Zeit entwickelt. Das heißt, der Film kommt ohne vorher festgelegte Spannungsbögen, dramaturgische Schlüsselszenen und ein alles übertreffendes Finale aus. Damit umschifft Linklater nicht nur die typischen Konventionen und den Kitsch von Coming-of-Age-Filmen, er macht Boyhood damit vor allem glaubwürdig und überraschend. Ganz nach dem Motto: Das Leben läuft ja auch nicht in vorherbestimmten Bahnen. Boyhood ist trotzdem spannend, witzig und vor allem überzeugend. Weiterer Kniff: Linklater erspart dem Zuschauer die Einblendung von Jahreszahlen. Die Zeit verstreicht stattdessen durch den coolen Soundtrack des Films –  vom 2001er-Hit „Yellow" von Coldplay bis hin zum aktuellen Daft-Punk-Kracher „Get Lucky“.

Fazit: Die Geduld hat sich gelohnt. Boyhood ist ein kleines Meisterwerk, ein faszinierender Film über das Erwachsenwerden eines Jungen. Und damit auch ein richtiger Männerfilm, dem man die Länge von knapp 3 Stunden überhaupt nicht anmerkt. Eher umgekehrt: Am Ende waren wir enttäuscht, dass es so schnell vorbei war. Bitte alsbald „Adulthood“ drehen!

Boyhood (USA 2014)
Regie: Richard Linklater
Buch: Richard Linklater
Darsteller: Patricia Arquette, Ellar Coltrane, Ethan Hawke, Lorelei Linklater
Länge: 163 Minuten
Start: 5. Juni 2014

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