Gesund reisen: Fit aus dem Flieger steigen

Nach dem Flug drohen vielen Menschen Erkältungen
Nach langen Flügen sollten Sie niesende Menschen besonders meiden

Lange Flüge sind Stress pur für das Immunsystem. Die besten Tipps, wie man trotzdem gesund bleibt

Mit diesen Tipps von Umweltmediziner Dr. Dirk-Matthias Rose bleiben Sie nach Langstreckenflüge nicht nur gesund – Sie fühlen sich auch so.

Men's Health:Nach Flügen fühlt man sich oft vergrippt. Hat man sich bei Mitreisenden infiziert?
Dr. Dirk-Matthias Rose: Nein, die Infektionsgefahr an Bord ist nicht erhöht. Durch moderne Filtersysteme in Flugzeugen können selbst so kleine Partikel wie Viren und Bakterien aus der Atemluft gefiltert werden. Es gibt — vom Operationssaal abgesehen — kaum einen keimfreieren Ort als das Flugzeug.

Warum vermiesen einem dann so häufig Husten, Schnupfen und Heiserkeit ausgerechnet die ersten Urlaubstage?
Bei einem Flug in zehn bis 14 Kilometern Höhe herrscht in der Kabine ein Luftdruck wie auf einem 2000 Meter hohen Berg. Dadurch steigen Puls- und Atemfrequenz, es gelangt zu wenig Sauerstoff in den Organismus. Hinzu kommen noch andere belastende Faktoren, zum Beispiel die Neutronenstrahlung bei Lufttrockenheit, der erhöhte Ozonspiegel (gerade bei Billigfliegern, die ihre Jets nicht mit Filtern ausrüsten) oder das Versprühen von Pestiziden in der Kabine.

Wir wirkt dieses Klima auf den Körper?
Er empfindet es als Stress und regt über bestimmte hormonelle Reaktionen (Ausschüttung vor allem von Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol) das körpereigene Immunsystem an, vermehrt Abwehrzellen zu bilden.

Wenn aber das Flugzeug doch ein fast keimfreier Ort ist ...
... haben die neu gebildeten Abwehrzellen eigentlich gar nichts zu tun. Deswegen sterben die soeben vom Immunsystem ausgeschütteten weißen Blutkörperchen und die vorsorglich aktivierten Lymphozyten nach einiger Zeit wieder ab. Sie begehen sozusagen den programmierten Selbstmord, denn im Organismus sind ja überhaupt keine Krankheitserreger vorhanden, die sie dort bekämpfen könnten.

Und das passiert ausgerechnet dann, wenn man gerade gelandet ist?
Ganz genau. Durch dieses Immun-Tief sind die körpereigenen Abwehrkräfte ungefähr zwölf bis 24 Stunden nach einem Langstreckenflug geschwächt. Wenn man in dieser Phase tatsächlich mit Keimen konfrontiert wird, kann das Immunsystem nicht so schnell reagieren, die Wahrscheinlichkeit einer Infektion steigt. Besonders, wenn die Keime am fernen Urlaubsort dem körpereigenen Abwehrsystem total unbekannt sind und es nicht auf gespeicherte Waffen aus der letzten Schlacht zurückgreifen kann.

Wie können sich Flugreisende denn in dieser Situation schützen?
Eine sinnvolle Vorbeugung schon im Flugzeug ist derzeit nicht bekannt – mal abgesehen von den gängigen Ratschlägen (z. B. viel trinken). Die Ansteckung nach einer Landung geschieht meist über Tröpfcheninfektionen. Daher kann man durch vorbeugende Hygienemaßnahmen das Infektionsrisiko am Urlaubsort zumindest verringern. So ist es beispielsweise sinnvoll, in den ersten 24 Stunden Menschenansammlungen zu meiden, nichts "Riskantes" zu essen bzw. zu trinken und sich viel Ruhe zu gönnen, um den Viren und Bakterien keine Chance zu geben.

Mehr Infos zu den häufigsten Reisekrankheiten lesen Sie hier. Dazu haben wir auch Tipps, wie Sie ohne Grippe durch den Winter kommen, und - falls es Sie doch erwischt hat, - wie Sie Infektionen stoppen können.

Sponsored SectionAnzeige