Schwimm-Workout: Fit wie Paul Biedermann

Workout-Tipps von Doppel-Weltmeister und Schwimm-Weltrekordler Paul Biedermann
Wer mit Paul Biedermann schwimmt, der fühlt sich wie eine Sardine, die neben einem Orca zappelt

Doppel-Weltmeister Paul Biedermann zeigt Ihnen, wie Sie Ihre Rücken- und Bauchmuskulatur in Bestform bringen

Wer mit Paul Biedermann schwimmt, der fühlt sich wie eine Sardine, die neben einem Orca zappelt. 1,94 Meter groß ist der 95 Kilo schwere Hüne aus Halle an der Saale, sein massiver Oberkörper hat die perfekte V-Form. "Für einen Schwimmer ist es enorm wichtig, dass Schultern und Rücken optimal trainiert sind. Denn die Kraft bei den Armzügen kommt hauptsächlich aus dem Oberkörper", sagt Pauls Trainer Frank Embacher. Das spiegelt sich auch in Pauls Brustumfang wider – stolze 110 Zentimeter. Zusätzlich zum Schwimmtraining verbringt er 2,5 Stunden pro Woche im Kraftraum. Hier zeigen wir Ihnen seine besten Übungen für ein breites Kreuz und einen starken Rumpf.

"Paul hat eine außergewöhnlich gute Wasserlage“, erklärt der Schwimm-Experte und Buchautor Michael Hahn („Besser schwimmen in allen Stilarten", BLV-Verlag, um 17 Euro). „Seine Bewegungen sind extrem rund und flüssig. Verglichen mit seinem größten Kontrahenten Michael Phelps absolviert er zudem mehr Armzüge pro Bahn. Dadurch sinkt er kaum ein und kann mehr Energie in die Vorwärtsbewegung stecken. Allerdings braucht er dafür auch eine höhere Kraftausdauer.“ Paul trainiert diese einmal in der Woche mithilfe eines Power-Racks. Das ist ein massiver Seilzugturm, der am Beckenrand steht und mit dem er per Hüftgurt verbunden ist. Gegen den Widerstand des Geräts schwimmt er unermüdlich an, bis ihm die Kraft ausgeht.

Paul beobachtet seine Gegner genau
Paul beobachtet seine Gegner akribisch, ehe er sich auf einen Wettkampf einlässt. Mit seinem Trainer bespricht er regelmäßig Videoanalysen von nationalen und internationalen Rennen, die jeden Schwimmer aus diversen Blickwinkeln zeigen, auch unter Wasser. "So konnten wir zum Beispiel sehen, dass Michael Phelps in den Tauchphasen der Wenden im Schnitt 0,4 Sekunden schneller ist als Paul", erzählt Embacher. Die Wenden sind Pauls kleine Schwachstelle, was auch an seinen verhältnismäßig kurzen Füßen liegt – er hat Schuhgröße 44, Phelps 48,5. "Das klare Ziel für die WM in Rom war also: vor der letzten Wende 0,4 Sekunden in Führung zu liegen. Im Finale waren es exakt 0,41 Sekunden – alles hat gepasst. Und auf der letzten Bahn ist Paul regelrecht explodiert."

So ein Plan geht aber nur auf, wenn zwischen den Wenden keine technischen Fehler passieren. Im Training legt der Coach daher größten Wert auf Qualität. Seine Devise: lieber weniger, und das richtig, als mehr und viel davon falsch. „Der Standard bei 200- und 400-Meter-Profis liegt zwischen 2400 und 2800 Kilometern pro Jahr, da liegen wir auf jeden Fall drunter“, sagt er. Dennoch trainiert Paul täglich ganze vier Stunden im Becken, verteilt auf eine Einheit morgens und eine nachmittags. Jede startet und endet mit Übungen, die das Wassergefühl verbessern. Eines seiner anspruchsvollsten Manöver: rückwärts schwimmen. Allerdings nicht in Rücken-, sondern in Bauchlage – und indem man jede Armbewegung verkehrt herum ausführt.

Schwimm-Star-Interview: Auf 100 Metern bis zu eine Sekunde schneller

Die besten Bilder vom Paul Biedermann-Shooting
Die besten Bilder vom Paul Biedermann-Shooting 13 Bilder

Weltrekordler Paul Biedermann verrät Ihnen sein Erfolgsgeheimnis und sagt, was er von Ganzkörper-Overalls hält

Leistungsschwimmer wie Paul rasieren sich vor Wettkmp;auml;mpfen von Kopf bis Fuß, um an ihrer Stromlinienform zu feilen. "Das bringt auf 100 Metern bis zu eine Sekunde Zeitersparnis", erklärt Schwimm-Experte Hahn. Ein Problem ist allerdings die Beschaffenheit der menschlichen Haut. "Im Vergleich zu Fischen ist sie wabbelig. Überall dort, wo beim Schwimmen kleine Falten entstehen, bilden sich winzige Verwirbelungen. Zusammen genommen erzeugen sie einen Wirbelwiderstand, der eine große Bremskraft hat."

Nur mit Kiemen wäre Paul Biedermann noch schneller
Ein Mann wie Fisch: Nur mit Kiemen wäre Paul Biedermann noch schneller

Die Wissenschaft tüftelt daher schon seit geraumer Zeit an Materialien für Schwimmanzüge, die den Fischhäuten nachempfunden sind. Seit den Olympischen Spielen von Sydney im Jahr 2000 zwängen sich immer mehr Leistungsschwimmer in die eng anliegenden Ganzkörper-Overalls, mit deren Hilfe sie sich einen Weltrekord nach dem anderen angeln. Wie Paul bei der Schwimm-WM in Rom. Embacher beziffert den Effekt des Hightech-Materials im 200-Meter-Finale auf eineinhalb Sekunden. "Es reduziert nicht nur den Wasserwiderstand, sondern sorgt auch für einen besseren Auftrieb", erklärt er. Der Weltmeister selbst ist dennoch dafür, die Kunststoff-Anzüge so schnell es geht aus den Wettkampfbecken zu ziehen. "Im Moment muss jeder einen tragen, um vorn mitschwimmen zu können", erzählt er. "Aber unterm Strich ist es ein viel zu großes Hilfsmittel. Ich vergleiche das gerne mit Hochspringern: Was, wenn die anfangen würden, Sprungfedern unter ihre Schuhe zu schnallen – und niemand sagt etwas dagegen?"

Nach zähen Diskussionen hat das nun auch der Schwimmweltverband FINA eingesehen: Ab 1. Januar 2010 sind die Schwimmhäute verboten. Dann sollen Athleten wieder in Badehosen ins Wasser springen. Paul ist sich sicher: Seine Weltrekord-Zeiten wird er auch ohne Anzug erreichen können – auch wenn es noch eine ganze Weile dauern kann.

Pauls Erfolgsgeheimnis ist der Killerinstinkt
Paul scheut sich auch nicht vor großen Persönlichkeiten. "Sein Erfolgsgeheimnis ist der Killerinstinkt", sagt der Trainer. "Er hat keine Angst vor großen Namen. Im Gegenteil: Es motiviert ihn wahnsinnig, diese herauszufordern." Wer Paul abseits der Wettkämpfe begegnet, spürt von seinem außergewöhnlichen Biss ebenfalls wenig. Selbst nachdem er Phelps in Rom regelrecht versenkte, wirkte er vor den Fernsehkameras ganz gelassen. Kaum zu glauben, dass dieser Mann eine Leidenschaft für schwere Heavy-Metal-Musik hat! Doch sie hilft ihm auch, auf Knopfdruck eine breite Brust zu zeigen: "Schnelle Gitarren pushen mich ungemein", erzählt er. Oft setzt er seine Kopfhörer erst wenige Minuten vorm Startsprung ab. Dann ist er bereit für den Kampf.

Making-of-Video zum Shooting mit Schwimmstar Paul Biedermann
Making-of-Video zum Shooting mit Schwimmstar Paul Biedermann

Paul Biedermann in Zahlen
Alter 23 Größe 1,94 Meter Gewicht 95 Kilo
Disziplin Freistil Wohnort Halle/Saale
Websitewww.paul-biedermann.de

Größte Erfolge

  • Weltmeister über 200 und 400 Meter (2009),
  • Europameister über 200 Meter, 5. Platz bei Olympia über 200 Meter (2008)

Bestleistungen

  • 1:40,83 Minuten auf 200 Meter (Weltrekord)
  • 3:40,07 Minuten auf 400 Meter (Weltrekord)

Nächste Wettkämpfe

  • 14.–15.11. Kurzbahn-Weltcup, Berlin
  • 26.–29.11. Deutsche Kurzbahn-Meisterschaft, Essen
  • 10.–13.12. Kurzbahn-Europameisterschaft, Istanbul

Mit sechs Jahren begann Pauls Karriere beim SV Halle. "Beim ersten Mal bin ich zwar noch durch die Seepferdchen-Prüfung gefallen, danach habe ich aber richtig geübt", erzählt er. Mit Erfolg: 1996 wurde er ins Sportgymnasium Halle aufgenommen, 1999 übernahm Frank Embacher sein Training. Die ersten internationalen Erfolge hatte er 2004, als er Junioren-Europameister über 200, 400 und 1500 Meter wurde. Den Durchbruch schaffte er im Jahr 2008: Gold über 200 Meter bei der EM. Bei der diesjährigen WM in Rom kam es dann zu der Sensation: Zuerst brach er den sieben Jahre bestehenden Rekord des Australiers Ian Thorpe über 400 Meter und zwei Tage später schlug er in einem spektakulären Rennen über 200 Meter den 14-fachen Olympiasieger Michael Phelps.

Seite 1 von 1

Sponsored SectionAnzeige