Interview mit Kilian Fischhuber: Fragen rund um Urban Bouldern

Profi im Urban Bouldern: Kilian Fischhuber
Kletterexperte Kilian Fischhuber in Action beim Urban Bouldern

Beim Urban Bouldern mutieren Bauwerke zu Felsen. Profi-Kletterer und Boulder-Europameister Kilian Fischhuber erklärt uns den neuen Großstadt-Trendsport

Bouldern ist Klettern ohne Sicherung in Absprunghöhe. Was ist Urban Bouldern?

Im Grunde das Gleiche. Der Unterschied ist, dass hier nicht an einer künstlichen Wand mit vorgegebenen Routen oder in der Natur gebouldert wird. Kletter-Spots sind Gebäude oder Objekte in der Stadt, die nicht in erster Linie fürs Klettern erbaut wurden. Das bringt den Spirit des Felskletterns in die Stadt.

Ist das überhaupt erlaubt?

Fremde Privatgrundstücke sind da natürlich tabu. Ansonsten achten wir darauf, nichts zu beschädigen und niemanden zu stören. Massive Gebilde wie Mauern, Torbögen oder Brücken sind deshalb am besten geeignet.

Sie klettern jedes Mal ohne Sicherung. Ist das nicht ziemlich riskant?

Überhaupt nicht. Da wir nie besonders hoch klettern, schützt uns eine Matte auf dem Boden – nicht vorm Sturz, aber davor, dass wir hart aufschlagen. Oder es ist Wasser da, das uns auffängt.

Was müssen Einsteiger beachten?

Kletterkenntnisse sind die Grundlage und die beste Vorbereitung. Unerfahrene sollten in einer Kletterhalle – beim Klettern oder beim Bouldern – das Steigen, gegenseitiges Sichern und richtiges Fallen trainieren. 

Und dann geht’s schon die Wände hoch?

Ja. Wer einigermaßen sicher ist, kann mit Kletterschuhen, Magnesium und Crashpad-Matte losziehen und coole Urban-Boulder-Spots erkunden – am besten mit Freunden, die sichern und auch bei Problemen helfen.

Was kostet am meisten Kraft beim Bouldern?

Vor allem, wenn man nicht die richtige Lösung findet, kann Klettern sehr anstrengend werden. Meistens sind es kleine Griffe, die Kraft kosten, oder wenn die Haltemöglichkeiten weit auseinander sind.

Welche Körperteile sind am meisten beansprucht und welche Übung machen Sie um fit zu sein?

Ich trainiere vor allem spezifisch, also an der Kletterwand oder am Fels. Ich mache aber auch Kraftübungen an einem Leistenbrett (Campus Board) und mache spezielle Programme an der Wand, die einem Training im Fitness Studio sehr nahe kommen. Am meisten beansprucht werden die Finger mit den Beugern am Unterarm, der Bizeps und die Schultern.

Probieren Sie beim Klettern mit Sicherung riskantere Aktionen, weil Sie wissen, dass Sie gesichert sind?

In der Halle kann man voll an sein Limit gehen, da die Matten die wildesten Stürze abfangen. Man muss es aber nicht übertreiben.

Wo sind die coolsten Boulder-Spots in Deutschland, Europa und der Welt?

Wenn wir vom Felsbouldern sprechen, dann Fontainebleau, in Frankreich, die Rocklands in Südafrika, Hueco Tanks in Texas und die Grampians in Australien.

Was steht für Sie als nächstes an?

Ich fliege zu Weltcups in Kanada und den USA. Danach möchte ich nach Südafrika reisen. Natürlich zum Felsklettern.

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