Abgefahren: Freerider Felix Wiemers im Action-Video

Freeriden ist der Wintersport für Action-Fans. Wir zeigen die waghalsigsten Sprünge von Profi Felix Wiemers im Video und verraten, was ihn antreibt
Freerider Felix Wiemers im Action-Video, Film-Credit: Michael Bernshausen / midiafilm

Freeriden ist der Wintersport für Action-Fans. Wir zeigen die waghalsigsten Sprünge von Felix Wiemers im Video und verraten, was den Profi antreibt

Herr Wiemers, Sie stürzen sich abseits der präparierten Skipisten möglichst spektakulär unberührtes Terrain hinab. Hals- und Beinbruch?

Ja und nein. Es stimmt schon, dass beim Freeriden der Hang nicht vorher testgefahren wird. Dennoch versuchen wir, das Risiko weitestgehend zu minimieren. Aus diesem Grund schauen wir uns vorab bei der sogenannten Face Inspection den Berg vom Gegenhang ganz genau an. Ich plane dann im Voraus, welche Linie ich abfahren werde, indem ich mir markante Punkte, wie zum Beispiel Bäume, einpräge.

Ein Restrisiko bleibt. Reizt Sie das?

Das macht zumindest den Kitzel aus. Der wirkliche Reiz liegt für mich in der Abgeschiedenheit der Natur und der Ruhe. Die findet man auf den überfüllten Skipisten aber auch sonst im Alltag selten. Hinzu kommt die Möglichkeit, sich durch das Auswählen der eigenen Linie und den persönlichen Fahrstil sehr gut ausdrücken zu können. Freeriden bietet, was das betrifft, viele Freiheiten.

Freeriden gleich Freestyle – stimmt das oder finden sich in dem Sport doch eine gewisse Struktur und Richtlinien?

Würde ich so nicht unterschreiben. Die Abläufe werden vorher genau durchgeplant und es gibt bestimmte Richtlinien, auf welche die Jury im Wettkampf später Wert legt: die Flüssigkeit des Runs, die Linienwahl, die Skitechnik und die Kontrolle beim Fahren. Dazu kommen die Sprünge selber, die durch den Trick aber auch eine saubere Landung überzeugen müssen. Ein stimmiges Gesamtpaket ist entscheidend. Man kann aber festhalten, dass alle anwesenden Freerider sehr gute Skifahrer sind, die ihr Handwerk beherrschen. Die wissen genau, was sie tun, wenn sie sich den Abhang runterstürzen. Wie die Kür dann letztendlich aussieht, bleibt einem aber selbst überlassen. Das entspricht dann tatsächlich dem Freestyle-Prinzip.

Wie bereiten Sie sich im Training optimal auf die körperlichen Anforderungen vor?

Entscheidend ist, über den Sommer fit zu bleiben und sich eine gestählte Beinmuskulatur zu erhalten. Das erreiche ich zum einen durch 6-mal die Woche Mountainbiken. Dabei wird auch mein Reaktionsvermögen perfekt geschult, da sich mir, wie beim Freeriden auch, natürliche Hindernisse in den Weg stellen, die ich überwinden muss. Zum anderen bin ich seit meiner frühesten Kindheit aktiver Kunstturner. So erhalte ich mir das ganze Jahr über eine sehr gute Grundlagenausdauer und Fitness. Davon profitiere ich dann den ganzen Winter.

Folgen Sie einer bestimmten Trainingsroutine?

Im Sommer trainiere ich grundsätzlich eher nachmittags und gehe dann in die Turnhalle an den Barren. Damit bin ich etwa zwei Stunden beschäftigt. Anschließend steige ich noch für zwei Stunden auf mein Mountainbike und komme somit auf ungefähr vier Stunden Sport pro Tag. 3-Mal die Woche baue ich eine Krafteinheit à 45 Minuten ein. Diese besteht aus Eigengewichtsübungen am Barren, Reck und auf dem Boden. Im Winter versuche ich, so oft wie möglich zu Freeriden. Dazu dehne ich mich regelmäßg, was gerade für meine Sprunggelenke sehr wichtig ist und meine Muskulatur locker hält. Feste Trainingsdogmen setze ich mir allerdings nicht und ins Fitnessstudio gehe ich auch nicht. Der Spaß ist mir unterm Strich am wichtigsten.

Was sind Ihre Lieblingsübungen?

Prinzipiell Training am Barren, da man daran hochintensive und komplexe Ganzkörperübungen absolvieren kann. Gleichzeitig schont dieses Workout die Handgelenke. Mein Favorit: der Schweizer Handstand.

Und wie funktioniert der?

Man stützt sich am Barren im 90-Grad-Winkel mit den Armen ab und drückt sich dann, alleine durch Körperkraft, in den Handstand. Davon mache ich 2 Sätze à 5 bis 7 Wiederholungen – trainiert die gesamte Körperspannung. Davon wiederum profitiere ich beim Freeriden. 

Sind Sie beim Thema Ernährung genauso entspannt wie beim Training oder folgen Sie einer strikten Diät?

Keine Diät, aber ich lege schon Wert auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung. Ich versuche, mich 3-mal am Tag satt zu essen. Dazu esse ich bewusst kohlenhydratreich, um genug Energie fürs Freeriden zu erhalten. Eine Schwäche habe ich aber: Gummibärchen. Deswegen verzichte ich gerade in der Wettkampfphase weitestgehend auf Süßigkeiten. Einen Abend vor dem Wettkampf gönne ich mir ein Bier. Danach schlafe ich besser.

Gönnen Sie sich denn auch Regenerationstage?

Ich kann nicht schlafen, wenn ich den Tag über nichts gemacht habe – da werde ich wahnsinnig. Andererseits funktioniert es auch nicht, immer nur Vollgas zu geben. Ich setze bewusst auf aktive Regeneration und fahre an einem trainingsfreien Tag ganz locker eine Stunde Fahrrad. Im Winter freeride ich entspannt. Bei Krankheit pausiere ich jedoch immer.

Und wie gehen Sie mit einem Motivationstief um?

Zum Freeriden braucht man mich nicht zu motivieren. Wenn mich erst mal das Adrenalin durchströmt, euphorisiert mich das genug. Klar, wenn mal ein Run nicht so gelaufen ist, wie ich mir das vorgestellt habe, dann ärgere ich mich ein paar Tage. Aber ich fokussiere mich dann auch schnell wieder und schließe mit dem Misserfolg ab. Meine Maxime lautet, aus Fehlern zu lernen. Beim nächsten Mal gebe ich dann erst recht Gas!

Was sind Ihre sportlichen Ziele für die Zukunft?

Die zwölf besten Fahrer der Freeride World Tour fahren ins Finale nach Verbier in der Schweiz. Dort den Hang runterfahren zu dürfen, ist mein großes Ziel. Das hat letztes Jahr leider noch nicht geklappt. Umso mehr setze ich alles daran, es dieses Jahr zu schaffen. Und einmal in Alaska freeriden – das wäre klasse.

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