Sportswear, die nicht stinkt: Funktionsshirts aus Merinowolle

Hightecstoff aus der Natur: Merinowolle
Icebreaker GT 200 LS Chase Zip ist aus dem leistungsstärksten Sortiment des Merinospezialisten

Icebreaker produziert Sportbekleidung aus Schafswolle. Wir testeten die Vor- und Nachteile der Naturfaser gegenüber anderen Funktionsstoffen

Testobjekt: mittelwarmes Longsleeve
Produkt: GT 200 LS Chase Zip
Hersteller: Icebreaker
www.icebreaker.com
Preis: um 85 Euro

Beim Sport kommt der Kreislauf, anschließend die Waschmaschine auf Touren. Ein gutes Funktionsshirt ist atmungsaktiv. Es soll mich also warm halten – aber nur, bis mir zu warm ist. Plus: Feuchtigkeit vom Körper ableiten. Klingt gut, sagt aber nur, dass man beim Sport schwitzt. Und Schweiß stinkt, so dass besonders Funktionssachen nach dem Tragen sofort in der Wäsche landen.

Der Hersteller Icebreaker verspricht hingegen, dass dessen Funktionswäsche durch die Verwendung von Merinowolle dies eben nicht tut. Merinowolle, die von Schafen aus den Neuseeländischen Alpen stammt, sei atmungsaktiv, schnell trocknend, stinke und kratze nicht.

Icebreaker legt zudem großen Wert auf Nachhaltigkeit, ökonomische Produktion und Tierschutz. Darum gibt es seit August 2008 den Icebreaker "Baacode". Jedes Produkt ist mit einem individuellen Code gekennzeichnet. Gibt man diesen auf der Icebreaker-Website ein, erhält man Informationen zu den Lebensbedingungen der Schafe, den Merinozüchtern und dem Herstellungsprozess.

Soviel Hightech und Idealismus muss getestet werden, neugierig ziehe ich mir das langarmige schwarze Icebreaker_GT 200 LS Chase Zip über den Kopf.

Merinoschaf
Lieferte dieses Schaf die Wolle für mein Shirt? Der Baacode verrät's

Die Shirts sehen aus wie übliche Funktionsklamotten, leider fühle ich mich nach dem Anziehen in meine Kindheit zurückversetzt: "Mama, der Pullover kratzt!" "Das kann nicht sein, mein Kind." "DOCH!" Vermutlich habe ich eine besonders empfindliche Haut.

Ein zweiter Tester bestärkt meinen Eindruck, fand das Kratzen jedoch nicht störend. Ich hingegen fühle mich so, als ob ich Juckpulver (das Innere von reifen Hagebutten, ein weiteres Kindheitstrauma) ins Shirt gestopft bekommen hätte. Tapfer halte ich zwei Sporteinheiten durch. Mit der Zeit geht es, aber glücklich bin ich damit nicht geworden.

Die enge Passform wirkt sehr sportlich. Nach dem Waschen sieht das Longsleeve nicht mehr so schick aus (Knitter), das gibt sich aber, sobald ich hereinschlüpfe. Zudem handelt es sich um ein so genanntes Baselayer, man soll also etwas darüber ziehen.

Der Tragekomfort ist hoch, das Shirt wärmt zu Sportbeginn, und wenn man so richtig auf Touren ist, schwitzt man dennoch nicht übermäßig. Wie bei der guten alten Lederhose scheint sich das Longsleeve als Naturprodukt den jeweiligen Gegebenheiten anzupassen.

Im Geruchstest brilliert das Icebreaker-Shirt, es riecht nach zwei Wochen und fünf Trainingeinheiten mit zwei Trägern immer noch nicht! Direkt nach dem Ausziehen ist lediglich ein leichter Hauch meines Deos wahrzunehmen. Faszinierend.

Testerin skatet im Wollshirt
Stinken: nein, Kratzen: doch! Die Testerin zieht ein gemischtes Fazit

Ökolabel: Der Baacode ist etwas für Spielkinder. Man kann durchs Netz surfen und virtuell die Farmen besichtigen, auf denen die Schafe leben, die sich fürs eigene Kleidungsstück scheren lassen mussten. Das ist so nett gemacht, dass ich das Gefühl habe, dem Schaf dankend den Huf schütteln zu können, das seine Wolle für mein Longsleeve ließ. Die nachhaltige Produktion gefällt mir, wenn die Angaben so stimmen.

Ein Fazit ist bei diesem Test sehr schwer zu ziehen. Die No-Stink-Funktion hat mich sehr beeindruckt. Vermutlich war die Kratz-Attacke bei mir eine Art Einzelfall, machte mir aber das Tragen so unangenehm, dass ich nicht bereit bin, für ein Kleidungsstück so viel Geld auszugeben. Den Nachhaltigkeitsaspekt bei der Herstellung finde ich wiederum zeitgemäß, und er sollte auch entsprechend vergütet werden. Mein Tipp: selbst ausprobieren.

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