Krankmacher: Glutamat versteckt sich überall

Glutamat schädigt das Gehirn
Wenn die Blut-Hirn-Schranke versagt, werden Hirnzellen zerstört

Einer der am meisten kritisierten Einzelstoffe ist Glutamat, das bei allen degenerativen Gehirnerkrankungen beteiligt ist

Es kommt auch von Natur aus in Lebensmitteln vor, so in Käse. Die weitaus größten Mengen nimmt man allerdings mit industriell hergestellten Produkten auf, die damit gewürzt sind. Ob Gemüsebrühe, Fertigsoße oder Panade – was herzhaft schmeckt, enthält fast immer Glutamat. Sein Einsatz wird allerdings gern verschleiert, indem man auf der Zutatenliste die E-Nummern 620 bis 625 aufführt oder aber Bezeichnungen wie Geschmacksverstärker, Würze, Aroma, Hefe-Extrakt, Weizenprotein oder fermentierter Weizen vorzieht.

Folgen von Glutamat
Glutamat ist eigentlich einer der wichtigsten Nervenbotenstoffe. Ist jedoch zwischen Nervenzellen zu viel davon vorhanden, wird zunächst die Reizweiterleitung gestört. Bei weiterhin hohem Glutamatspiegel stirbt die Zelle. Dabei wird noch mehr Glutamat freigesetzt, so dass auch benachbarte Zellen in Mitleidenschaft gezogen werden. Da viel genutzte Zellen weniger empfindlich sind, gleicht dieser Vorgang dem Aufräumen einer Rumpelkammer. Bei Alzheimer und Parkinson ist dieser Prozess jedoch aus dem Ruder gelaufen. Könnte die übermäßige Glutamat-Zufuhr in der Nahrung eine Ursache oder zumindest ein Verstärker sein? Bis jetzt weiß das niemand.

Eigentlich sollte die Blut-Hirn-Schranke dafür sorgen, dass Glutamat draußen bleibt. „Sie kann aber aus verschiedensten Gründen durchlässig sein“, sagt Beyreuther. Und im Zwischenhirn, einer wichtigen Schaltzentrale, die viele Körperfunktionen steuert, ist sie gar nicht vorhanden. „Da überwacht das Hirn, was im Blut vor sich geht, und greift unter Umständen regulierend ein“, erklärt Michael Hermanussen, Professor für Kinderheilkunde aus Kiel.

Testergebnisse
Er hat herausgefunden, dass Glutamat im Futter bei Ratten Zellen im Zwischenhirn zerstört – bei einer Dosis, die kaum über dem liegt, was Menschen erreichen. Weil dabei auch Zellen zerstört werden, die Appetit und Sättigung regulieren, erkennt man die Schädigung daran, dass diese Ratten extrem gefräßig und fett werden.

Der Wirkstoff Memantin, der Glutamat-Rezeptoren blockiert, kann diese Fresslust bremsen. Hermanussen testete ihn auch an stark übergewichtigen Frauen. Ergebnis: Schon Stunden nach der ersten Dosis waren ihnen ihre sonst üblichen Portionen zu groß. Sie aßen einfach weniger, verloren so Gewicht. Zugelassen ist Memantin zur Linderung von weit fortgeschrittenem Alzheimer. Obwohl der Zusammenhang noch nicht bis ins Letzte geklärt ist und Glutamat offiziell als unbedenklich gilt, ist für Hermanussen klar: „Für mich ist das Rattengift.“

Weitere Erkenntnisse, Turbos fürs Gehirn und die Erfolgsgeschichte von Michael Wertebach finden Sie in der April-2007-Ausgabe von Men's Health

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