Paralympics Weitsprung: Große Sprünge mit Markus Rehm

Interview mit Paralympics-Weitspringer Markus Rehm
Videointerview mit Weitspringer Markus Rehm

Markus Rehm springt mit Unterschenkelprothese. Trotzdem steht er mit beiden Beinen im Leben. Seine Erfolgsstory, inklusive Videointerview

Markus Rehm 23 Jahre alt, 1,85 Meter groß, 75 Kilo schwer

Disziplinen: Weitsprung, 100-Meter-Sprint

Größte Erfolge: mehrmaliger Weltmeister und Junioren-Weltmeister im Weitsprung zwischen 2009 und 2011

Bestleistungen: Weitsprung: 7,09 Meter (Weltrekord), 100-Meter-Sprint: 11,69 Sekunden

Handicap: Rehm wurde im Alter von 14 Jahren nach einem Unfall der rechte Unterschenkel amputiert

Homepage:www.markus-rehm-88.de

Erfolgsmotto: »Aufgeben ist keine Option!«

Markus Rehm springt mit Unterschenkelprothese
Markus Rehm springt schon am Anfang seiner Karriere rekordverdächtige Weiten und schließlich als Erster mit Amputation über 7 Meter

Die Karriere des Weitspringers Markus Rehm beginnt mit einem missglückten Sprung. 12 Tage vor seinem 15. Geburtstag verpasst der leidenschaftliche Wakeboarder eine Welle, als er auf dem Main unterwegs ist. Er lässt die Zugleine los, die ihn mit dem Motorboot seines Vaters verbindet, und wird von einem nachfolgenden Boot überfahren.

Die Ärzte versuchen zunächst, sein von der Schiffsschraube zerfetztes rechtes Bein zu retten – vergeblich. „3 Tage später wurde es unterhalb des Knies amputiert“, berichtet  Rehm. Doch schon kurze Zeit danach steht er wieder mit beiden Beinen im Leben. Denn er hat an jenem 10. August 2003 zwar seinen Unterschenkel verloren, nicht aber seine positive Lebenseinstellung – und schon gar nicht die Leidenschaft fürs Wakeboarden: „Im Sommer 2004 bekam ich eine wasserfeste Prothese. Ich musste dann aber erst noch an der passenden Bindung für das Board basteln.“ Sprünge übte er an Land, auf dem Trampolin. Ein Jahr später war es so weit: Markus Rehm wurde Deutscher Vize-Jugendmeister im Wakeboarden.

Die eigentliche Erfolgsstory folgt aber erst im Jahr 2008. Rehm wird von einem Sportler angesprochen, geht zum Leichtathletik-Probetraining, bekommt dort eine jener rund 2500 Euro teuren Prothesen-Federn zur Verfügung gestellt, springt auf Anhieb rekordverdächtige Weiten und schließlich als Erster mit Amputation über 7 Meter. Zudem ist schnell klar, dass Rehm ein exzellenter Sprinter ist – seine Bestzeit über 100 Meter: 11,69 Sekunden.

In beiden Disziplinen, 100-Meter-Lauf und Weitsprung, wird Rehm in London antreten. Dafür trainiert er 6- bis 9-mal pro Woche, aber  nur in 2 Einheiten springt er. „Ich trainiere oft einzelne Elemente des Weitsprungs, etwa Absprung und Landung. Sehr wichtig ist auch die Anlaufgeschwindigkeit, denn je schneller ich vom ersten Schritt an am Absprungbalken bin, desto weiter kann ich hinten raus springen. Deswegen mache ich viel Sprinttraining, nicht nur für den 100-Meter-Lauf.“ Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Schrittfolge, damit er  am Ende das Absprungbrett sauber erwischt. Er springt mit der Feder ab, trainiert auch das gezielt, denn: „Es ist nur ein sehr kleiner Punkt an meiner Prothese, mit dem ich aufkommen darf. Kleinste Fehler werden sofort bestraft, und dann geht die Energie komplett in eine andere Richtung. Ich habe eben kein Sprunggelenk, das dort noch ausgleichend arbeiten könnte.“ Der Absprung ist für jeden Athleten entscheidend – ob mit oder ohne Prothese. „Der Trick dabei ist, zwischen Höhe machen und Tempo halten einen Mittelweg zu finden.“

Auch außerhalb der Disziplin beherrscht Rehm die Technik – er bastelt an Prothesen. „Nach meinem Unfall kam ich mit ihnen ja im wahrsten Sinne des Wortes in Berührung. Wie sie funktionieren, hat mich von Anfang an interessiert“, sagt Rehm. Deshalb absolvierte er  eine Lehre zum Orthopädiemechaniker – seit Februar dieses Jahres ist er Meister. Seit Jahren schon baut er sich seine Prothesen selbst. Mit einer solchen wird er auch bei den Paralympics in London antreten – auf dem Weg zum vielleicht größten Sprung seiner jungen Karriere.

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