Alles fest im Griff

Wenn wieder alles an Ihnen hängt, sollten Sie was von Handarbeit verstehen. Mit diesen lebenswichtigen Griffen schaffen Sie jede Herausforderung mit links (wahlweise mit rechts).

Echte Kerle müssen zupacken können. Auf den folgenden Seiten verraten wir, wie und wann. Drei Dinge sollten Sie aber beachten, bevor Sie handgreiflich werden:

Der Schwierigkeitsgrad der hier erklärten Handgriffe steigt von vorn (Anfängertechniken) nach hinten (Könnergriffe) an.

Etwas üben müssen Sie schon, ohne Fingerschweiß kein Preis.

Wir sind für Ihre Neider nicht verantwortlich. Wohl aber für die Sie bewundernden Mädels.

Finger in den Hals stecken
„Wenn Sie sich den Finger richtig in den Hals stecken, können Sie Brechreiz auslösen“, sagt Dr. Martin Ebel aus München. Stehen oder knien Sie leicht vornüber gebeugt, nach dem Motto: Vorbeugen ist besser als auf die Schuhe kotzen. Führen Sie dann den rechten Zeigefinger in den Mund, der Fingernagel zeigt dabei nach oben. Mit der Fingerspitze reizen Sie Ihren Rachen, bis der Würgereflex einsetzt. Je näher am Zäpfchen Sie den Finger einsetzen, desto stärker ist der Brechreiz. Mehrmals wiederholen, falls der Finger im Hals nicht sofort zum Erfolg führt.

Stein aufditschen lassen
„Die Ausrüstung entscheidet“, meint der Münchner Pfadfinder Thomas Brandl . „Man braucht einen flachen Stein, möglichst gleichmäßig geformt.“ Halten Sie ihn zwischen Daumen und Zeigefinger parallel zur Wasseroberfläche und werfen Sie ihn locker aus dem Handgelenk mit einer leichten Drehung Richtung Wasser. So flach wie der Stein ist auch Ihr Wurf. Kommt der Stein zu steil auf, geht er sofort unter.

Ball auf dem Finger drehen
Auch wenn es zum Basketball-Profi nicht reicht, Ihre Freunde beeindrucken Sie damit allemal. Nehmen Sie einen Ball in eine Hand und holen Sie Schwung, indem Sie das Handgelenk um 90 Grad zum Körper drehen. Werfen Sie den Ball gleichzeitig ungefähr zehn Zentimeter hoch. „Der Ball darf nicht eiern“, sagt der Münchner Artistik-Profi Jörg Treiber, „er muss sich ruhig um eine senkrechte Achse drehen!“ Dann folgt der entscheidende zweite Schritt: Ihr Zeigefinger muss den Ball an seiner untersten Stelle, dem „Südpol“, treffen. Dabei fangen Zeigefinger und Arm den Fall sanft ab. Der Ball kann auf der ganzen Kuppe oder nur auf dem Fingernagel balanciert werden. Behalten Sie den oberen Teil des Balls stets im Blick und gleichen Sie durch Korrekturbewegungen aus.

Streichholz mit einer Hand entflammen
Um einhändig Feuer zu geben, bedarf es echter Fingerfertigkeit. Mit dem kleinen Finger und dem Daumenballen fixieren Sie die Streichholzschachtel auf dem Tisch, Zeigefinger und Daumen halten das Streichholz und ratschen drüber, es brennt! Für den Schummler: Mit einem Zündholz-Briefchen geht’s einfacher.

Fisch fangen ohne Angel
Ein gekonnter Griff in den Gebirgsbach, und eine fangfrische Forelle zappelt in Ihrer Hand. Aber Fische sind ja bekanntlich nass und glitschig und flutschen schnell wieder weg. Der Survival-Experte Rüdiger Nehberg empfiehlt deshalb, zumindest einen angespitzten Ast als Behelfsspeer zu nutzen: „Beim Zustechen ist die Wasserbrechung zu berücksichtigen. Man sticht daher tiefer, als der Fisch einem erscheint. Nur bei einem senkrechten Stich entfällt die Strahlenbrechung.“ Die Regel gilt auch, wenn Sie mit bloßer Hand zugreifen wollen.

Eine Schlange so halten, dass sie nicht beißen kann
Erfahrene Züchter wie Jürgen Hergert vom Nordharzer Schlangenparadies Schladen kennen diesen Griff: Der Kopf der Giftschlange wird mit drei Fingern fixiert. Auf der linken Seite hält der Daumen, rechts der Mittelfinger. Der Zeigefinger drückt den Kopf nieder. In dieser Stellung kann die Schlange gemolken werden und spritzt Ihr Gift auf einen Glasteller. Allerdings: „Wenn ein Tier sehr lange Giftzähne hat, kann es trotzdem zubeißen“, warnt Jürgen Hergert, Weltrekordhalter im Schlangen-Sit-in (war mit den Tieren am längsten in einem Raum). Denn der Unterkiefer ist sehr beweglich, die Schlange kann ihn aushängen und seitlich verschieben.

Erste Hilfe beim Ersticken
Der Heimlich-Handgriff (so benannt nach dem US-Arzt Henry Heimlich) hilft, wenn Ersticken durch einen Fremdkörper in der Luftröhre droht. Sitzt oder steht der Patient, umarmen Sie ihn von hinten. Beide Hände werden in Magenhöhe übereinander gelegt. Anschließend drücken Sie den Bauch zwischen Nabel und unterem Brustbeinende ruckartig in Richtung Zwerchfell zusammen. Durch den entstehenden Druck wird der verklemmte Fremdkörper rausgeschleudert. Das Ganze eventuell mehrmals wiederholen.

Respektabler Händedruck
Schon bei dem Händeschütteln stellen Sie klar, wer der Chef ist. Druck auf die richtigen Stellen lässt Ihrem Gegenüber das Grinsen im Gesicht gefrieren. Zielen Sie mit dem Daumen auf den He-Gu-Punkt, in der Akupressur auch „Verbindendes Tal“ genannt. „Er liegt zwischen Daumen und Zeigefinger in der Daumenbeuge“, sagt der New Yorker Kampfsportler Hank Kraft. Mit Zeige- oder Mittelfinger drücken Sie zugleich den Hou-Xi-Punkt (er liegt auf der Handkante, wo die Falte der Handinnenfläche endet). Drücken Sie kräftig zu, sonst tut es nicht weh und hilft im besten Fall gegen Verdauungsstörungen.

G-Punkt finden
Zum G-Punkt gelangen Sie nur mit Landkarte. Oder besser noch Navigationssystem, denn die Existenz des Ernst-Gräfenberg-Punktes ist nicht wissenschaftlich bewiesen. Dennoch schwören viele Frauen auf die Stelle, die in der Praxis die Lust zum Explodieren bringt. So kommen Sie zum Punkt: Ihre Liebste liegt auf dem Bauch, Sie legen Ihre Hand zwischen ihre Beine, die Handfläche nach unten gerichtet. Der Sexualberater Siegfried Schnabl weist den weiteren Weg: „Dringen Sie mit dem Zeigefinger ein. Fündig werden Sie etwa drei Zentimeter oberhalb der Scheidenöffnung an der Innenwand, in der Richtung, wo der Nabel sitzt. Massieren Sie dort mit der Fingerkuppe.“ Auf den Entdecker wartet schließlich ein G-niales Naturschauspiel.

Retten am Überhang
Sie stürzen (aus dem 131. Stock oder von der steilen Klippe) und können sich gerade noch an der Kante festhalten. Nur wie lange. Oder besser: wie möglichst lange? Thomas Günther, Kletterspezialist aus Bad Wildungen, weiß Rat: „Die Hauptkraft entwickeln der Zeige- und der Mittelfinger, den Daumen können Sie vergessen. Wenn die Griffmöglichkeit sehr schlecht ist, müssen Sie die Fingerkuppen aufstellen.“ Das geht allerdings nur, wenn Ihre Fingernägel ganz kurz gekappt sind. Was dann kommt, wird Sie Kraft kosten, Ihnen aber das Leben retten: Ziehen Sie sich per Klimmzug hoch. Einfacher ist es, wenn Sie die Füße benutzen können.

Fliege fangen
Ein gutes Auge und eine flinke Rechte brauchen Sie schon, um eine Fliege zu erwischen. Ihre Hand sollte sich oberhalb des Insekts bewegen – der einzige Bereich, wo die Rundsicht der Facettenaugen versagt. Zoologe Alain Kern, Lübeck: „Der direkte Zugriff würde scheitern. Peilen Sie eine Stelle an, die ein Stückchen vor der Fliege liegt, das erhöht Ihre Chancen.“ Also, die Flugbahn des Insekts beobachten und dann schnell zugreifen.

Kuh besamen
Hat Ihre Kuh einen fruchtbaren Tag und ist gerade kein Tierarzt in der Nähe, greifen Sie selbst zur Besamungspistole. Eine Hand greift in den After (große Plastiktüte empfehlenswert). Durch den Darm ertasten Sie die Gebärmutter des Viehs, das ruhig da steht (Duldungsreflex). Dann führen Sie die Pistole ganz vorsichtig durch die Scheide ein und drücken eine Mini-Menge Bullensamen in die Kuh.

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