Health Bulletin

Neues aus der Gesundheitsforschung im Juni 2000.

Sport senkt vom ersten Tag an den Blutdruck
Elf übergewichtige, inaktive Männer mit leicht erhöhtem Blutdruck unterzogen sich im Rahmen einer US-Studie einer 45-minütigen Session auf dem Laufband. Bereits die allererste Trainingseinheit führte danach zu einer Blutdrucksenkung über einen Zeitraum von 24 Stunden. Gerade für Männer mittleren Alters sehen die Wissenschaftler realistische Chancen, schnell zu spürbaren Ergebnissen zu kommen – ein entscheidender Faktor für die Motivation.

Homosexuelle Männer sind männlicher
Wer im Mutterleib einer hohen Dosis männlicher Hormone (Androgene) ausgesetzt ist, neigt später zur Homosexualität. Indikator für den Hormonpegel ist die Länge des Zeigefingers – ist er deutlich kürzer als der Ringfinger, waren viele Androgene im Spiel. US-Forscher untersuchten 720 Erwachsene auf Straßenfesten in San Francisco. Am häufigsten betroffen sind Männer mit älteren Brüdern, denn mit jeder Schwangerschaft steigt der Hormonspiegel der Mutter. Auch lesbische Frauen haben im Durchschnitt kürzere Zeigefinger als heterosexuelle. Der Hormonspiegel ist allerdings nur einer von zahlreichen Faktoren für sexuelle Vorlieben, auch soziale und psychologische Aspekte sind dabei von Bedeutung.

Medikament gegen Sodbrennen verschwindet vom US-Markt
Propulsin – ein Mittel, das schwere Nebenwirkungen wie Herzrhythmusstörungen auslösen kann – wird ab Mitte Juli vom amerikanischen Markt zurückgezogen. In sieben Jahren gab es insgesamt 80 Todesfälle im Zusammenhang mit dem Wirkstoff Cisaprid. In Deutschland wird das Medikament gegen Sodbrennen vorerst weiterhin erhältlich sein.

Routinierte Taxifahrer erkennt man am Gehirn
Wer im Großstadtdschungel als Droschkenfahrer bestehen will, benötigt außergewöhnliche mentale Qualitäten. Dies beweist eine Studie unter 16 Londoner Chauffeuren. Alle untersuchten Personen verfügten über einen besonders ausgeprägten Hippocampus – das ist jenes Gehirnareal, welches mitentscheidend für den Orientierungssinn ist. Je mehr Dienstjahre ein Taxifahrer auf dem Buckel hat, desto größer ist sein Hippocampus. Die Hirnmasse insgesamt sei von normaler Größe, lediglich die Verteilung sei anders als sonst, stellten die britischen Neurologen fest.

Viagra wirkt noch effizienter durch die Nase
Pharma-Hersteller Pfizer testet eine inhalierbare Variante des Potenzmittels Viagra. Vorteil der Nasen-Methode ist eine schnellere Wirkung und damit kürzere Wartezeit vor dem Verkehr. Tests mit Hunden und Menschen sind noch im Gange. Fast marktreif ist hingegen das Konkurrenzmittel Uprima von TAP Pharmaceuticals. Ein US-Expertenkomitee hat die Zulassung empfohlen. Uprima zergeht unter der Zunge und entfaltet seine Wirkung über Nervenbahnen.

Ranzige Pommes machen Kinderwunsch zunichte
Vor Altfetten in Imbissbuden und Restaurants warnt die Lebensmittelchemische Gesellschaft. In Versuchen mit Ratten führte ranziges Fett zu Fortpflanzungsproblemen. Eine neues Testverfahren der Universität Münster analysiert wenige Milliliter Friteusenfett und soll künftig stichprobenartig bundesweit zum Einsatz kommen.

Wer im Bett Leistung bringt, läuft schneller durchs Ziel
Eine Befragung unter 2000 Teilnehmern des London-Marathons ergab, dass 20 Prozent der Männer und 16 Prozent der Frauen in der Nacht vor dem Lauf Sex hatten. Wer glaubt, der Sex zehre an ihrer Leistungsfähigkeit, täuscht sich. Denn wie sich herausstellte, kamen die konkurrierenden Abstinenzler im Schnitt fünf Minuten später ins Ziel.

Haselnüsse enthalten Wirkstoff gegen Krebs
Nur aus den Blättern einer pazifischen Eiben-Art konnte die pharmazeutische Industrie bislang den für die Krebsbekämpfung wichtigen Wirkstoff Paclitaxel gewinnen, der in dem Medikament Taxol enthalten ist. Eine Forscherin der University of Portland ist nun in Zweigen, Nüssen und Schalen von Haselnussbäumen auf die chemische Substanz gestoßen, deren synthetische Produktion extrem teuer ist. Haselnüsse pur zu essen bringt jedoch nach Ansicht von Experten höchstwahrscheinlich nichts.

Sport beeinflusst Fettzellen nicht in jedem Fall
Minischweine mussten für einen Versuch der University of New Hamshire herhalten. Nach einem ausgiebigen Fitness-Training in einer Art Tretmühle nahm eine Schweinegruppe große Mengen Futter zu sich, während die andere maßvoll aß. Der Test zeigt, dass ein Sport-Effekt auf Fettzellen nur dann greift, wenn keine übermäßige Nahrungsaufnahme folgt. Menschen, die nach dem Sport viel essen, besitzen Zellen mit mehr Rezeptoren für das Hormon Adenosin. Die Folge ist, dass die Fettzellen dazu tendieren, ihren Fettanteil beizubehalten. Wenn es weniger Futter gibt, verschwinden viele Rezeptoren, und dadurch ist die Fähigkeit zum Fettabbau grundsätzlich verbessert.

Schwacher Strom bringt starken Erfolg bei Schuppenflechte
Mit einer aufwendigen und oft wenig erfolgreichen Therapie mussten sich an Schuppenflechte erkrankte Menschen bislang abfinden. Eine klinische Studie des Forschungszentrums Karlsruhe zeigt nun, dass 90 Prozent der Patienten mit Interferenzstromtherapie zu helfen ist. Es genügen einige Minuten täglich in einem Wasserbad. Außer einem leichten Kribbeln gibt es keinerlei Nebenwirkungen.

Herpes-Viren verbreiten sich ohne Symptome
Ärzte gingen bisher davon aus, dass Herpes nur dann übertragen werden kann, wenn ein Geschlechtspartner zum Zeitpunkt des Verkehrs Symptome wie Bläschen im Mundwinkeloder an den Genitalien zeigt. Einer US-Studie zufolge kann der Erreger jedoch zu jeder Zeit in Körperflüssigkeiten auftauchen. Sicherheit bringt also nur ein Kondom oder völlige Sex-Abstinenz.

Moderne Diagnose-Methoden gegen Darmkrebs
Zur besseren Früherkennung von Tumoren im Dick- und Enddarm gibt es zwei neue Ansätze. Per Computertomografie lassen sich in US-Tests 80 Prozent der Erkrankungen diagnostizieren. Durch Gen-Untersuchung des Stuhls spürt die Berliner Firma Invitek 13 verschiedene Tumor-Varianten auf. Unter 500 normalen Zellen ist es möglich, eine einzelne Krebszelle zu erkennen. Beide Methoden befinden sich noch in der klinischen Erprobung. Mit einer flächendeckenden Verfügbarkeit ist erst in den kommenden Jahren zu rechnen.

FAKT: 99,5 Prozent der Bundeswehrsoldaten haben Zahnbelag, fast alle leiden unter Parodontose.

FAKT: Frauen besuchen 150-mal häufiger einen Arzt als Männer.

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