Filmtipp "Exterm laut und unglaublich nah": Heilsame Schnitzeljagd durch New York

Ein Junge streift durch New York, um einen Hinweis seines an 9/11 verstorbenen Vaters zu entschlüsseln. Und Sie sollten dabei sein

Es gibt erstaunlich wenige Filme über den 11.September 2001. Nach einer klassischen Heldenstory (World Trade Center, 2006) und einem Drama über einen trauernden Familienvater (Die Liebe in mir, 2007) kommt jetzt  Extrem laut und unglaublich nah in die Kinos. Die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Jonathan Safran Foer zeigt 9/11 aus der Sicht eines Kindes. Und zwar, ohne auf politische oder historische Zusammenhänge der Terroranschläge einzugehen. Der 11jährige Oskar begibt sich auf eine ungewöhnliche Schnitzeljagd durch New York, um sein persönliches Trauma zu besiegen und den Tod seine Vaters am „schlimmsten Tag" zu verkraften. Ja, das ist alles sehr emotional und bewegend, aber auch wegen der unkonventionellen Story und Sichtweise sehr sehenswert –  und teilweise sogar witzig.

Zusammen mit dem schweigenden Untermieter (Max von Sydow) seiner Großmutter geht Oskar (Thomas Horn) auf Entdeckungsreise durch New York
Zusammen mit dem schweigenden Untermieter (Max von Sydow) seiner Großmutter geht Oskar (Thomas Horn) auf Entdeckungsreise durch die 5 Bezirke New Yorks

Darum geht’s: Am Morgen des 11. September 2001 hat Thomas Schell (Tom Hanks) einen Termin im World Trade Center. Nach dem Einschlag der Flugzeuge telefoniert er noch mehrmals mit seiner Frau (Sandra Bullock) und spricht auf den Anrufbeantworter zu Hause. Unfähig den Hörer abzunehmen, hört dort sein Sohn Oskar (Thomas Horn) die Stimme seines Vaters. Bis die Türme einstürzen. Ein Jahr später findet der traumatisierte und leicht autistische Junge in den Sachen seines Vaters einen Schlüssel. Oskar macht sich auf die Suche nach dem passenden Schloss, hinter dem er die Antworten auf alle seine Fragen vermutet. Erst allein, später zusammen mit dem frisch eingezogenen, ebenfalls traumatisierten, schweigenden Untermieter (Max von Sydow) seiner Großmutter geht Oskar auf Entdeckungsreise durch die Bezirke New Yorks, um den Besitzer des mysteriösen Schlosses zu finden.

Oskar (Thomas Horn) und sein Vater (Tom Hanks) vor dem 11. September 2001
„Extrem laut und unglaublich nah“ ist ein sehr sehenswerter und rührender Coming-of-Age-Film

Der Weg ist das Ziel
Regisseur Stephen Daldry (Billy Elliot, 2000), der große Passgagen von Foers Romans beispielsweise über die Vergangenheit der Großeltern weglässt, hat eine unkonventionell inszenierte, aber typische Geschichte vom Erwachsenwerden geschaffen. Wie so häufig ist der Weg das Ziel: Wichtiger als die Suche nach Antworten sind die Menschen, die Oskar trifft – die ihm zeigen, dass die Welt nach dem 11. September nicht zum Stillstand gekommen ist. Herausragend sind vor allem die Leistungen von Thomas Horn, der den autistischen Oskar unfassbar gut spielt. Großartig ist auch Max von Sydow als schrulliger Alter, der alles ohne eine einziges Wort zu sagen vermag – nur mit Gesten, Mimik und kleinen Zetteln.

Fazit: „Extrem laut und unglaublich nah“ ist ein sehr sehenswerter und rührender Coming-of-Age-Film, der gegen Ende leider etwas zu sehr auf die Tränendrüse drückt.

Extrem laut und unglaublich nah (USA  2011)
Regie: Stephen Daldry
Drehbuch: Eric Roth, Jonathan Safran Foer (Romanvorlage)
Darsteller: Thomas Horn, Tom Hanks, Sandra Bullock, Max von Sydow
Länge: 129 Minuten
Start: 16. Februar

Seite 37 von 68

Sponsored SectionAnzeige