Homosexualität: Machen die Gene schwul?

Die kontroverse Theorie, die sexuelle Neigung habe einen biologischen Ursprung, scheint durch eine Studie mit schwulen Schafböcken neues Futter bekommen zu haben.

Ist Schwulsein doch genetisch bedingt? Amerikanische Forscher untersuchten schwule Schafe und fanden dabei heraus, dass deren einziger Unterschied zu ihren heterosexuell orientierten Artgenossen in der Größe eines Hirnbereichs im Hypothalamus besteht.

Kay Larkin von der Universität in Oregon stellte fest, dass homosexuelle Böcke einen viel kleineren "Präoptischen Kern", einer Drüse im Zwischenhirn, hatten, als Heterotiere. Deren Kerne waren nur so groß wie die von weiblichen Schafen. Die von reinen Heteromännchen sind doppelt so groß.

Larkin stellte seine Ergebnisse auf einem Treffen der Gesellschaft für Neurowissenschaften in Orlando vor und theoretisierte, dass diese Entdeckung vielleicht auch etwas über die sexuellen Neigungen anderer Säuger aussage – bis hin zum Menschen.

Mit dem Hypothalamus reguliert das Gehirns die vegetativen Funktionen des Körpers – der Nahrungsaufnahme, der Wasseraufnahme, der Körpertemperatur, des Kreislaufs, der Sexualität und des Schlafes.

Alte Untersuchungen belegt?
Larkin vermutet nach seiner Untersuchung einen genetischen Auslöser für das Schwulsein. Immerhin liefert seine Untersuchung neues Futter für die kontroverse Diskussion über den genetischen Ursprung der sexuellen Präferenzen. Seine Resultate untermauern nämlich die umstrittenen Ergebnisse, die der Neurobiologe Simon LeVay bei der Untersuchung von Gehirnen von schwulen Menschen gemacht hatte.

Dem werfen Kritiker nämlich vor, man nicht einwandfrei den Zusammenhang zwischen der Hypothalamusgröße und der sexuellen Präferenz ziehen kann, da die Hirne alle von Patienten stammten, die an der Immunschwäche AIDS gestorben waren. Also hätte auch die Krankheit diese Hirnregionen verändern können.

Schwule Wollknäuel
Sie fragen sich vielleicht, warum der Hirnforscher ausgerechnet Schafe zu solchen Studien herangezogen hat. Sie sind außer dem Menschen die einzigen Säugetiere, bei denen Männchen eine eindeutig homosexuelle Vorliebe zeigen können. Statistisch gesehen ist jeder zehnte Bock schwul.

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