Es summt und brummt: Hypnotisierender Computer

Aus Langeweile zur Hypnose
Es ist, als würde der Computer einen hypnotisieren

Computerspiele haben Mirko fast das ganze Leben begleitet, ohne Probleme

Zum Süchtigen wird er erst mit 31 Jahren, als die virtuelle Welt zu einer Zuflucht vor der Wirklichkeit wird. "Nach dem Abitur habe ich Biologie studiert und später sogar an meiner Doktorarbeit geschrieben", erzählt er mit monotoner und ruhiger Stimme. Er hat einen Dreitagebart und trägt einen grauen Pullover mit V-Ausschnitt, aus dem am Kragen das darunter liegende T-Shirt herausschaut. In seinem kurzen, ungekämmten Haar und auf seiner Stirn zeichnen sich Druckstellen der Baseballmütze ab, die er neben sich gelegt hat.

Bei seiner Doktorarbeit kommt der Biologe immer wieder zu dem Ergebnis, dass es kein Ergebnis gibt. Alle seine Bemühungen laufen ins Leere. Er kann mit dieser Niederlage nicht umgehen, kriegt Depressionen und kann sich nicht mehr konzentrieren. "Ich las eine Seite und konnte kurz darauf nicht mehr sagen, was da stand. Da fühlt man sich doof. Das war brutal und hat mich immer weiter runtergezogen." Im Institut häufen sich die Fehlzeiten, und nach drei Jahren harter Arbeit bricht er die Doktorarbeit ab. Der Biologe bewirbt sich immer wieder bei Firmen, immer wieder vergeblich. Dazu die Termine beim Arbeitsamt bei dem Beamten mit dem Zweifingersuchsystem. Nach einer Weile findet der zwar die Buchstaben, einen Job für den Biologen aber nicht.

Mirko sitzt zu Hause. Allein. Gelangweilt. Er greift sich eine der vielen CD-ROMs, die mit der Aufschrift "World of Warcraft", legt sie ins Laufwerk und loggt sich ins Internet ein. Es summt und brummt, als wolle der Rechner Mirko hypnotisieren. Es vergehen Tage, bevor er wieder vor die Tür geht.

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