Medizin für Sie & Ihn: Individuelle Medikamente für Männer und Frauen

Medikamente fürs Gehirn
Geschlechts-Unterschiede beim menschlichen Gehirn

Viele Krankheiten treffen Männer und Frauen unterschiedlich oft – das könnte zu unterschiedlichen Medikamenten für sie und ihn führen

Der Unterschied beginnt im Kopf: Denn nicht nur physikalisch unterscheidet sich das männliche vom weiblichen Gehirn. Nun zeigt sich auch ein Unterschied in der Anfälligkeit für bestimmte Krankheiten an: So leidet die Frau häufiger unter Depressionen als der Mann. Außerdem haben Frauen ein erhöhtes Risiko, an Multipler Sklerose zu erkranken. Die Parkinson-Krankheit tritt hingegen bei Männern häufiger auf.

Dabei ist die geschlechtliche Prägung des Gehirns ausschlaggebend. Entschieden wird das im Mutterleib und hängt – neben weiteren Faktoren – vom Hormon-Level ab. Ein höheres Level an Testosteron ergibt ein männlich geprägtes, Östrogen ein weibliches Gehirn. Dabei können weibliche Strukturen auch bei einem Mann vorkommen – und umgekehrt. "Dieser Unterschied wurde bei Transsexuellen gefunden", so Dick Swaab vom niederländischen Institut für Gehirnforschung in Amsterdam.

Auswirkungen bei Krankheiten

"Bei Depressionen interagieren geschlechts-spezifische Hormone direkt mit der 'Stress-Achse' im Gehirn", erklärt Swaab. Da die Stress-Achse bei der Frau sensibler ist und Östrogen sich direkt auf die Entstehung von 'Stress' auswirkt, sind Frauen anfälliger für Depressionen.

Bei der Parkinson-Krankheit hingegen scheint Östrogen eine schützende Wirkung auf die sich degenerierenden Nervenzellen zu haben. In einem Versuch mit an Parkinson erkrankten Ratten stellte sich heraus, dass sich bei Weibchen die Senkung des Östrogen-Spiegels negativ auf den Schutz auswirkte. Bei Männchen erhöte sich der Schutz mit der Senkung des Testosteron-Spiegels. Überraschend: Als den männlichen Ratten Östrogen verabreicht wurde, verstärkte sich die Degeneration, obwohl Östrogen bei Weibchen eine schützende Wirkung erzielt.

Das zeigt, dass "Östrogen bei beiden Geschlechtern unterschiedliche Effekte erzielt. Ich glaube, wir sollten personalisierte Medikamente in Betracht ziehen, da ein Medikament nicht umittelbar die gleiche Wirkung bei jedem Menschen erzielen muss", so Versuchsleiterin Glenda Gillies vom 'Imperial College' in London.

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