Forendiskussionen: Internet-Trolle sind Alltags-Sadisten

Anonym hinter dem Bildschirm pöbelt es sich am besten.
Wer Spaß daran hat, andere User in Online-Communities mit fiesen Kommentaren runterzuziehen, hat laut kanadischer Studie im realen Leben häufig sadistische Züge

Negative Kommentare schreiben, Diskussionen stören und andere angreifen – wer sind Internet-Trolle? Alltags-Sadisten, meinen kanadische Wissenschaftler

Sie pöbeln, provozieren und quälen andere mit ihren Beiträgen. Und das machen sie gerne, denn: Internet-Trolle haben sadistische Charakterzüge. Das wollen kanadische Wissenschaftler* in zwei Onlinestudien herausgefunden haben. Unter dem Titel "Trolls just want to have fun" veröffentlichten sie ihre Ergebnisse in der amerikanischen Zeitschrift Personality and Individual Differences. Sie befragten insgesamt über 1200 Nutzer zu ihrer Persönlichkeit und ihrem Kommentarverhalten im Internet. Ihr Fazit: Wer in Foren oder Kommentarspalten von Webseiten gerne andere provoziert, habe häufig sadistische Charakterzüge.

Auch andere dunkle Eigenschaften stellten sie bei Trollen fest. Während Sadisten durch negative Kommentare andere verletzen wollen, verhalten sich sogenannte Machiavellisten heuchlerisch und manipulativ. Auch unterschwellige psychopathische Züge entdeckten die Forscher bei den Probanden. Auch Narzissten vermuteten sie unter den Trollen, bemerkten jedoch, dass selbstverliebte Nutzer lieber über Themen diskutieren, die ihnen wichtig sind.

Andere Studien stellten bei Internet-Trollen Langeweile, den Wunsch, der Community zu schaden und Streben nach Aufmerksamkeit fest. In Foren gilt deshalb: Bitte nicht füttern. Schenkt man den Störfrieden Aufmerksamkeit und kommt ihnen mit sachlichen Argumenten, nährt man ihren Drang zu provozieren.

*Erin E. Buckels (University of Manitoba, Winnipeg), Paul D. Trapnell (University of Winnipeg, Winnipeg), Delroy L. Paulhus (University of British Columbia, Vancouver)

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