Im Wettlauf zum Südpol: Interview mit Arved Fuchs

Wettrennen zum Südpol

Die Entdeckung des Südpols war ein Meilenstein der Wissenschaft. Abenteurer Arved Fuchs über Hintergründe und Gefahren der Polarforschung

Die Entdeckung des Südpols ist zwei Abenteurern zu verdanken: dem Briten Robert Falcon Scott und dem Norweger Roald Amundsen. Beide Männer erreichten den Südpol: Amundsen am 14. Dezember 1911, Scott 35 Tage später, im Januar 1912. Amundsen kehrte in seine Heimat zurück. Scott und sein Forscherteam verloren jedoch in der antarktischen Kälte ihr Leben. Auch Amundsen wurden die Pole später zum Schicksal: 1928 starb er bei einer Rettungsexpedition in der Arktis.

Der Forscher und Abenteurer Arved Fuchs bereiste Ende der 80er Jahre zusammen mit Reinhold Messner den Südpol und ist auf diesem Gebiet ein echter Experte.

Frage: Worin liegen die grundsätzlichen Unterschiede zwischen heutigen Polarexpeditionen und denen zurzeit von Scott und Amundsen?
Fuchs: Der Unterschied besteht zum großen Teil in der Aufgabenstellung. Damals ging es um Entdeckungen, um territoriale Ansprüche, um nationales Prestige für König und Vaterland. Heutige Expeditionen müssen sich damit zum Glück nicht mehr belasten. Hier geht es primär um die Wiederentdeckung von Naturlandschaften und darum, die weißen Flecken auf der ganz persönlichen Landkarte zu tilgen. Die moderne Technik hat Expeditionen sicherer und kalkulierbarer gemacht, aber -40° C fühlen sich heute noch genauso kalt an wie zur Zeit Scotts und Amundsens.

Abenteurer Arved Fuchs
Fuchs bereiste mit Reinhold Messner den Südpol

Wie sehen die Vorbereitungen zu einer Polarexpedition konkret aus? Allein das Problem der Energiegewinnung und Nahrungsbeschaffung in der weit ab jeglicher Zivilisation gelegenen Antarktis scheint für einen Laien unlösbar. Sind solche Forschungsreisen nicht auch mit einem ungeheuren Aufwand an Kosten und Personal verbunden?
Polarexpeditionen waren und sind vom finanziellen Aufwand wie auch von der Logistik her sehr aufwendig und teuer. Und hier trennt sich auch die Spreu vom Weizen. Nur wer das Handwerk des polaren Reisens beherrscht, sich keinen Illusionen hingibt und genau weiß, worauf es ankommt, hat eine Chance durchzukommen. Scott hat Fehler gemacht, die ihm und seinem Team letztlich das Leben gekostet haben. Die Polarregionen verzeihen keine Fehler – auch daran hat sich bis heute nichts geändert.

Wettrennen zum Südpol
"Polarexpeditionen waren und sind sehr aufwendig und teuer"

Scott und seine Begleiter wurden bei ihrer Rückkehr zum Basislager von einem Kälteeinbruch überrascht und sind erfroren. Sind solch starke klimatische Schwankungen heutzutage besser kalkulierbar?
Scott wurde nicht wirklich überrascht. Schließlich war er nicht zum ersten Mal in der Antarktis und musste daher sehr wohl wissen, was auf ihn und seine Männer zukommen würde. Stürme und Kälteeinbrüche gehören einfach dazu. Wer sie nicht einplant, macht einen fatalen Fehler. Scotts Expedition war von Anfang an zu behäbig und es mangelte ihm an Lernfähigkeit. Dass Ponys als Transporttiere in der Antarktis ungeeignet sind, hatten schon andere Expeditionen erfahren müssen. Trotzdem setzte er sie erneut ein. Statt sich rechtzeitig von den schweren Gesteinsproben zu trennen, zogen die erschöpften Männer stoisch ihre Last und brachten sich damit um die lebensrettende Geschwindigkeit. Und es gab noch andere Versäumnisse. So tragisch das alles war – es war vermeidbar!

Bedingt durch den Klimawandel gibt es am Nordpol starke Abschmelzungen. Sind diese auch am Südpol zu beklagen? Wie hat sich dessen geografische Beschaffenheit seit der Zeit von Scott und Amundsen verändert?
Am Nordpol oder besser im gesamten arktischen Raum lassen sich die Klimaveränderungen nahezu überall ablesen. Das wirklich Beunruhigende für mich ist die geradezu atemberaubende Geschwindigkeit, mit der sich der Wandel im Norden vollzieht. In der Antarktis scheint dieser Prozess etwas komplizierter zu sein bzw. ist derzeit nicht überall nachweisbar. Es gibt aber auch hier Regionen, in denen man einen Wandel feststellt.

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