Basejumping als Profisport: Interview mit Basejumper Marco Waltenspiel

Basejumping im Wingsuit
Wenn es um Wingsuit-Flüge geht, ist Marco Waltenspiel ein echter Profi-Basejumper

Seit der Jugend verbringt Basejumper Marco Waltenspiel seine Freizeit am liebsten in der Luft. Hier verrät er, welcher atemberaubende Kick sich hinter dem Trendsport verbirgt

Der Basejumper Marco Waltenspiel im Interview:

Felix Baumgartner sprang aus knapp 39 000 Metern, Ihnen reichen schon wenige hundert. Haben Sie etwa Höhenangst?

Nein, habe ich nicht. Es hat halt alles seinen Reiz – ob man nun vom Rand des Weltalls oder aus weniger als 100 Metern springt.

Wie niedrig darf ein Basejump denn überhaupt sein?

Mein niedrigster Sprung war einer von der Skisprungschanze in Garmisch-Partenkirchen. Da lag der Exit, also der Absprung-ort, ungefähr 55 Meter über dem Boden. Alles was niedriger ist, finde ich nicht ästhetisch, weil man da nicht fliegt, sondern im Grunde gleich in der Landung ist.

Basejumper springen ohne Ersatzschirm. Warum das?

Der bringt nichts, weil man den zweiten Schirm in der kurzen Zeit eh nicht mehr öffnen kann.

Macht es Ihnen keine Angst, ohne Sicherung zu springen?

Höchstens positive Angst. Ich bin beim Packen ein Pedant und schaue mir alles lieber zehnmal an, ehe ich irgendwo raufgehe. Wenn ich da oben stehe, möchte ich mir ums Equipment nämlich wenig Gedanken machen.

Und noch nie ist was passiert?

Na ja, ich habe mir beim Sprung von einem Gebäude mal den Fuß gebrochen, weil ich dabei blöd aufgekommen und umgeknickt bin. Aber sonst habe ich noch nie gedacht: Oh, das war knapp! Aber klar, es ist ein Risikosport.

Wie sieht es aus, wenn Sie sich auf einen Sprung vorbereiten?

Meistens springe ich von Felsen. Dann beginnt die Vorbereitung schon beim Aufstieg. Wir hiken ja 2 bis 3 Stunden bis zum Exit. Dabei achte ich besonders auf den Wind. Oben checke ich noch grob die Ausrüstung. Meistens habe ich dann einen Plan, wo ich langfliegen und landen will. Wenn ich irgendwo zum ersten Mal springe, achte ich da genau auf den Höhenunterschied und schaue, wie lange die Fallzeit ist.

2 bis 3 Stunden Aufstieg für einige Sekunden freien Fall – lohnt sich das überhaupt?

Das lohnt sich auf alle Fälle! Da ich sehr naturverbunden bin, macht mir auch das Hochhiken Spaß. Ich würde mal sagen, der Sprung macht 70 Prozent aus, das Drumherum 30 Prozent. Und wenn man mit einem Wingsuit springt, ist man ja auch deutlich länger in der Luft unterwegs.

In Videos sieht man, wie Sie mit Wingsuit ganz nah am Felsen fliegen. Kann es dazu kommen, dass Sie da hängen bleiben?

Nicht solange der Wind stimmt und man keine unkontrollierten Bewegungen macht. Man ist da ja selbst der Flügel und steuert mit dem gesamten Körper. Es geht aber sowieso nicht darum, 5 Zentimeter über dem Boden oder möglichst nah am Felsen zu fliegen – die Line und der Flow müssen einfach passen.

Und wenn alles passt, fühlt es sich an, als würde man fliegen?

Auf jeden Fall ist dieses Gefühl ein einziger Sinnescocktail.

Wie entdecken Sie neue Spots?

Wenn ich unterwegs bin, halte ich die Augen offen. Deswegen ist Autofahren für mich auch so gefährlich: Wenn ich dabei etwas entdecke, hike ich hoch und schaue mir alles genau an. Und wenn ich mal keine Zeit habe hochzuklettern, hilft mir Google Earth beim ersten Check.

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