Working Dads: Interview mit Teilzeitvater Carsten

Money Teilzeit
Carsten Klutzeweit mit seinen Kindern und bei der Arbeit

Carsten Klutzeweit (43) kommt aus Düsseldorf. Er ist verheiratet, hat einen Sohn (7) und eine Tochter (4). Seit 2001 arbeitet er bei ERGO, seit 2009 in Teilzeit. Sein Teilzeitmodell: 24 Stunden/5 Tage

Welche Gründe sprachen für Sie dafür, sich für Teilzeit zu entscheiden?

Das waren relativ pragmatische Gründe. Meine Frau hatte bei ihrem damaligen Arbeitgeber keinerlei Möglichkeiten, beruflich kürzer zu treten. Bei meinem Arbeitgeber war das kein Problem, also habe ich mich für die Teilzeit entschieden, um noch mehr für meine Kinder da sein zu können. Wichtig war uns, dass entweder Vater oder Mutter erster Ansprechpartner für unsere Kinder bleibt, und nicht irgendeine externe Hilfskraft. Ich möchte meine Kinder aufwachsen sehen, und sie aktiv unterstützen. Das funktioniert nur mit reduzierter Arbeitszeit.

Inwiefern profitiert Ihre Familie davon, dass Sie in Teilzeit arbeiten?
Insgesamt profitiert meine Familie natürlich sehr von der Teilzeit. Meiner Frau kann ich nach wie vor  den Rücken freihalten, sie kann sich voll auf den Job konzentrieren. Ich habe mir für beide Kinder jeweils ein Jahr Elternzeit genommen. Schon in dieser Zeit habe ich eine intensive Bindung aufgebaut. Danach kam dann der direkte Sprung in die Teilzeit. Meine Erfahrung aus diversen Gruppenangeboten wie Pekip & Co. hat mir gezeigt, dass Papas in vielerlei Hinsicht entspannter an erzieherische Dinge rangehen. Davon profitieren wiederum die Kinder. Die gemeinsame Zeit mit meinen Kindern erlebe ich als sehr intensiv und abwechslungsreich. Gerade bei meiner kleinen Tochter, die noch intensive Betreuung benötigt und zulässt, sind die Beziehung und die gemeinsame Zeit fernab vom Kindergarten sehr intensiv. Natürlich auch bei meinem siebenjährigen Sohn, aber der koppelt sich altersbedingt nach und nach ab. Hier hat dann die Vaterrolle schnell eine Art Dienstleisterfunktion. 

Gab es Schwierigkeiten bei der Umsetzung?
Ich habe mich rechtzeitig und umfassend über meine Möglichkeiten informiert. Ich hatte schon gemischte Gefühle, aber es gab keinerlei ernsthafte Schwierigkeiten.

Merken Sie einen Unterschied im Alltag?
Sowohl im Privaten als auch im beruflichen Umfeld ist es mit Kindern anders als vorher. Man pendelt in der Freizeit nicht mehr zwischen Kino und Restaurants hin und her, sondern richtet sich nach den Bedürfnissen der Kinder. Der berufliche Alltag hat sich auch radikal verändert. Das Aufgabenspektrum hat sich nur minimal geändert und die Aufgaben bleiben äußerst anspruchsvoll. Die Zeit muss noch effizienter als vorher genutzt werden. Hier den Spagat zu schaffen ist zwar nicht unmöglich, aber definitiv nicht immer einfach. Aufgaben lassen sich eben nicht mehr in die Abendstunden verlegen, sondern müssen priorisiert werden. 

Wie hat Ihr Umfeld reagiert? (Arbeitgeber, Kollegen, Freunde)
Kollegen und Freunde haben "überrascht" positiv reagiert. Bei einigen war vielleicht auch so etwas wie positiver Neid im Spiel. Viele trauen sich halt doch nicht, den nötigen Schritt in die Teilzeit zu machen und entscheiden sich dann dagegen. Bei vielen Unternehmen bleibt die Familienfreundlichkeit eine schöne Fassade, die sich öffentlichkeitswirksam aufpolieren lässt. Das ist bei meinem Arbeitgeber anders, das kann ich aus meiner eigenen Erfahrung versichern. Bei mir kommt der Vorteil hinzu, dass mein Vorgesetzter selbst zwei Kinder hat. Da habe ich quasi den Doppeljoker gezogen.

Hatten Sie Bedenken bezüglich der eigenen Karriere?
Eigentlich nicht. Natürlich ist mir bewusst, dass ich mit zwei Jahren genommener Elternzeit und der momentanen Teilzeit karrieretechnisch nicht mehr auf der Überholspur bin. Das ist halt einfach so und stellt für mich kein Problem dar.

Ihr schönstes Teilzeit-Erlebnis?
Gerade wenn die Kinder klein sind und die ganzen ersten Schritte machen, ist es ein unheimliches Privileg, diese miterleben zu können.

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