Stress oder Burn-out?: Eine Expertin im Interview

Lassen Sie es nicht soweit kommen
Auch wenn Sie schon ausgepowert sind, kann man Ihnen helfen

Die Übergänge sind fliessend. An diesen Warnzeichen erkennen Sie, ob sie schon glühen

Dr. Dagmar Ruhwandl (37), Ärztin für Psychiatrie und Psychotherapie in München, ist Burn-out-Expertin.

Wie unterscheidet sich einfacher Stress vom Burn-out?
Von normalem Stress erholen Sie sich wieder, vom Burn-out ohne Hilfe nicht, denn eines der wichtigsten Symptome ist der Verlust der Regenerations- fähigkeit.

Gibt es weitere Anzeichen dafür?
Das eindeutigste ist Gleichgültigkeit. Wenn man vom Kopf her weiß, dass man sich freuen oder ärgern müsste, aber innerlich leer ist, ist man mitten im letzten Burn-out-Stadium.

Gibt es frühere Warnzeichen?
Man sollte es ernst nehmen, wenn man gereizt ist, sich vor Kollegen und Kunden zurückzieht, Gespräche vermeidet oder sich in Meetings kaum noch beteiligt . Das Maß setzt dabei die Persönlichkeit.

Sehr kommunikative Menschen mit Burn-out können also immer noch mehr sagen als stille Typen?
Genau. Weitere Warnzeichen sind starke Zweifel am eigenen Können und dass man grundsätzlich die Liebe für seinen Beruf verliert.

Wer ist besonders gefährdet?
Menschen mit nur wenig sozialem Rückhalt, wobei der Rückzug von Freunden und Familie auch der Beginn eines Burn-out sein kann. Ein Teufelskreis. Besonders gefährdet ist auch, wer ungern Hilfe annimmt. Damit ist das Delegieren in Job und Alltag gemeint, aber auch das Akzeptieren von Unterstützung bei Problemen. Die Erfahrung zeigt, dass Burn-out häufig die besonders Engagierten trifft.

Sind die dann weg vom Fenster?
Keineswegs. Burn-out lässt sich gut behandeln, je früher, desto einfacher. 90 Prozent der Betroffenen kehren nach einer Therapie wieder leistungsfähig in den Job zurück.

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