Working Dads: Interview mit Teilzeitvater Kenneth

Working Dads
Kenneth Steffen mit seinen Kindern und in seinem Büro

Kenneth Steffen (35) kommt aus Hamburg und ist verheiratet. Er ist Papa von Tilda (4,5) und Jonne (1,5) und seit 2011 bei der XING AG als Business Owner Premium Membership. Sein Teilzeitmodell: 80% (2 Tage die Woche Halbtags)

 

Welche Gründe sprachen für Sie dafür, sich für Teilzeit zu entscheiden?

Meine Frau möchte auch gerne arbeiten und nicht nur die obligatorischen 50 Prozent. Das war für uns quasi Part-of-the-Deal. Ich wollte natürlich auch mehr Zeit für meine Kids haben.  

Inwiefern profitiert Ihre Familie davon, dass Sie in Teilzeit arbeiten?

Meine Frau ist happy, dass sie mehr und weiterhin auch ambitioniert arbeiten kann. Wir haben durch die Teilzeit eine gleichberechtigte Erziehungsfunktion, davon profitieren die Kinder. Sie sehen ihren Papa nicht nur am Abend im Schnelldurchlauf oder zentriert am Wochenende, sondern können ihren Alltag mit mir teilen.  

Gab es Schwierigkeiten bei der Umsetzung?

Wir müssen viel mehr organisieren. Der Spagat zwischen Job und Familienalltag, lässt sich nur mit einer ordentlichen Portion Organisationstalent meistern. Wenn die Kinder krank werden, kann das extrem stressig werden. Beispielsweise, wenn man nachts wach liegt und sich streitet, wer nun am nächsten Morgen den wichtigeren Termin hat geht das einfach an die Substanz.

Merken Sie einen Unterschied im Alltag?

Teilzeit ist weniger Ponyhof, als sich das so mancher vorzustellen vermag. Es ist nicht so, dass man zuhause im Strandkorb sitzt, die Beine hochlegt und sich des Lebens freut.  Man holt die Kinder aus der Kita ab, hetzt zum Einkaufen, bereitet das Essen vor und am Abend muss man die Kinder ins Bett “kämpfen“. Ich finde das schön, genieße es und mach’s auch gerne, aber manchmal ist es im Alltag einfach sehr stressig. Es gibt durchaus Tage, an denen ich es als weniger anstrengend empfinde im Büro zu sitzen, als zuhause den Laden zu schmeißen. Ich glaube nicht, dass ich 20 Prozent meiner Aufgaben abgegeben habe, sondern das Gegenteil ist der Fall. Ich denke, durch die verkürzte Arbeitszeit arbeite ich noch effektiver.

Wie hat Ihr Umfeld reagiert? (Arbeitgeber, Kollegen, Freunde)

Mein Arbeitgeber ist natürlich nicht laut in Jubel ausgebrochen, als ich von meinen Plänen erzählt habe. Am nächsten Tag gab’s trotzdem die Zusage. Bei den Kollegen gab es überhaupt keine Schwierigkeiten oder blöde Sprüche, sondern eher Verständnis für meine Situation.

Hatten Sie Bedenken bezüglich der eigenen Karriere?

Klar und die habe ich nach wie vor. Man kann nicht so viel Gas geben, wie andere. Es gibt immer wieder Termine, die sich leider nicht verschieben lassen und die man somit nicht wahrnehmen kann. Manchmal habe ich das Gefühl, ein wenig mit angezogener Handbremse unterwegs zu sein. Ich blicke dennoch zuversichtlich in die Zukunft.


Zusatztipp von Kenneth Steffen: Einfach fragen. Ich glaube, viele trauen sich nicht, aber mehr als eine Abfuhr kann man ja eigentlich nicht kriegen. Ein bisschen mehr Mut, würde uns Männern in diesem Zusammenhang sicher gut tun. Als meine Frau zu ihrem Chef gesagt hat, dass sie mit 75 Prozent wieder kommt und nicht nur mit 50, ist der wahrscheinlich vor Freude in die Luft gesprungen. Wenn man als Mann hingeht und  sagt, dass man mit 80 Prozent wieder kommt, wird die Stirn in Falten gelegt. Das liegt womöglich auch daran, dass es noch nicht so viele Väter in Teilzeit gibt. Wenn "wir" mehr werden, wird Teilzeit auch für Männer hoffentlich bald zur Selbstverständlichkeit und keine Ausnahme mehr darstellen.



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