Der Profi über BMX-Rennen: Interview mit Luis Brethauer

Wettrennen mit dem BMX-Rad
Nicht nur tricksen, sondern auch Schnelligkeit messen – Interview mit Luis Brethauer

Das BMX ist wieder da – und hat sich weiter entwickelt. Statt Kunststückchen zu vollbringen, fährt man damit jetzt Rennen. Profi Luis Brethauer erklärt im Interview seinen Trendsport

BMX-Racer springen mit 65km/h von 8-Meter-Rampen. Im Interview mit Luis Brethauer aus Reutlingen erzählt der Deutsche BMX-Meister Ihnen, wie’s richtig geht:

BMX war erstmals in den 80ern in. Sie sind ein Kind der 90er. Wie kamen Sie dazu?

Als kleiner Junge hatte ich mit Radfahren nicht viel zu tun – wie fast alle spielte ich Fußball. Mit 7 war ich dann mit meiner Familie in einem Freizeitpark und habe einen BMX-Parcours entdeckt. Wieder zu Hause, habe ich mir ein BMX-Rad besorgt. Und zum Glück gab’s ganz in der Nähe auch noch eine gute Bahn.

Die meisten Leute machen mit einem BMX Kunststückchen, Sie fahren Rennen. Weshalb?

Freestyle-BMX hat sich seinerzeit durchgesetzt, weil man dafür keine Strecke braucht und keinen geordneten Trainings- und Tagesablauf hat. Der Spaß steht dabei im Vordergrund. Wir Racer müssen öfter beißen und sind auch schon mal 5 Stunden im Gym – das kann ätzend sein. Aber eigentlich sind Racer und Freestyler ganz ähnliche Typen: Wir alle fahren BMX und wollen Spaß haben. Im Grunde bin ich Racer geworden, weil ich dabei Spaß, Erfolgswillen und mein Rennfahrer-Gen in idealer Weise miteinander verbinden kann.

Wie sieht denn ein typischer Trainingstag bei Ihnen aus?

Das Training ist auf Grund der vielfältigen Anforderungen sehr abwechslungsreich. Ich schätze mal, dass ich im Training einen Kraftanteil von 35 Prozent habe. Besonders wichtig sind bei mir Übungen für die Beine und den Rumpf, also Kniebeugen und Kreuzheben. 50 Prozent meiner Zeit verbringe ich auf dem Rad. Dabei übe ich zum Beispiel den Start immer und immer wieder. Oder ich lasse mich vom Trainer per Auto auf 70 km/h ziehen, um so eine sehr hohe Trittfrequenz zu erzeugen, mit der ich dann auch die Rennen fahren muss.

Aber ein Rennen geht nur über eine Strecke von 400 Metern. Muss man denn da so fit sein?

Ich vergleiche es gerne mit dem 400-Meter-Hürdenrennen: ein Mix aus Kraft und Schnelligkeit. Wir treten vom Start weg etwa 40 Sekunden mit einer extrem hohen Frequenz in die Pedalen, sind dabei über der anaeroben Schwelle. Dazu kommt noch der mentale Faktor: 7 andere Fahrer, 3 enge Kurven, 14 Meter weite Sprünge – da bleibt keine Zeit nachzudenken. Sonst kommt es garantiert zum Crash, dann ist das Rennen für mich gelaufen. 

In den Kurven geht’s sehr eng zu. Geben Sie anderen Fahrern da auch schon mal einen mit?

Aber klar doch! Körperkontakt ist ja sogar gewollt. Jeder Fahrer muss seine Linie verteidigen – oder in die Linie eines anderen hineinfahren. Solange dabei die Hände oder Füße nicht im Spiel sind, ist das alles im Rahmen. Ich bin kein Draufgänger, aber auch kein Angsthase. Man muss das Risiko kontrollieren können.

Bei Olympia 2012 belegten Sie den 20. Rang. Wird die WM besser?

Ja, weil Olympia ein Jahr her ist. Ich habe jetzt mehr Erfahrung und bin mir sicherer bei dem, was ich tue. Außerdem bin ich in London beim Start aus dem Pedalen-Klicksystem gerutscht, musste einige Tritte aussetzen. Mit meinem jetzigen System ist mir so etwas noch nie passiert.

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