Timbersports als Profisport: Interview mit Robert Ebner

Beim Timbersports werden Bäume zerhackt
Interview mit Robert Ebner. Er ist einer der Besten seines Sports

Was unter Waldarbeitern lange Tradition hat, könnte Ihr neues Trainingsprogramm werden. Im Interview mit Robert Ebner erklärt der Profi umseitig, warum Timbersports kein stumpfes Holzhacken ist

Timbersport – Im Interview mit Robert Ebner erfahren Sie, wie anstrengend und spannend Holz hacken sein kann

Herr Ebner, Sie sind doch sicherlich ein Kerl wie ...

... ein Baum? Jaja, der Vergleich bietet sich natürlich an. Aber so ganz trifft diese Redewendung bei mir dann doch nicht zu. Mit meinen 1,90 Meter bin ich zwar ganz zufrieden. Aber in meinem Sport wären zwei Meter oder mehr noch etwas besser.

Also ist Größe im Sportholzfällen wichtiger als Kraft? 

Nein. Aber je größer man ist, desto länger ist der Hebel und dadurch auch der Weg für das Schwungholen. Also hat man mehr Zeit, seine Kraft in Tempo umzusetzen. Es fließen jedoch noch mehr Faktoren ein – ohne Technik und Präzision geht da gar nichts. Für einen sauberen Schlag muss man sehr viel und lange direkt am Holz trainieren.   

Sie arbeiten als Forstwirt. Wie kamen Sie dazu, das Ganze auch als Sport zu betreiben?

Während meiner Ausbildung hat sich unser Meister jedes Mal darüber lustig gemacht, dass wir so rasch aus der Puste waren. Dem wollte ich es dann zeigen und habe angefangen, auch in meiner Freizeit auf Holz herumzuhauen. Auf einmal sagten die Leute in meinem Umfeld, dass ich ein gewisses Talent hätte. So nahm ich an ersten Wettkämpfen teil. Viele machen ihr Hobby zum Beruf, bei mir war’s umgekehrt.

Sportholzfällen ist also nur was für echte Forstarbeiter?

Nein. Natürlich schadet’s nicht, wenn man gewisse körperliche Voraussetzungen mitbringt: Wer groß ist, hat einen größeren Hebel, wenn er die Axt schwingt. Auch ein gewisses Maß an Kraft ist nicht verkehrt. Im Grunde kann es aber jeder ausprobieren. 

Haben Sie zu Hause Äxte an der Wand statt Bilder?

Ganz so schlimm ist’s dann doch noch nicht. Aber natürlich, mit der Zeit sammelt sich so einiges  Werkzeug an. Mittlerweile dürfte ich an die 30 Äxte und 10 Sägen zu Hause haben.

Puh, klingt nach einem Kerl, der gerne mal richtig Dampf ablässt.

Das nicht direkt, aber: Wenn man mal Ärger oder schlechte Laune hat, kann man sich mit der Axt am Holz richtig schön austoben. Eine wirklich gute Methode, um Aggressionen abzubauen. Und ganz nebenbei hält man sich dadurch fit, kriegt ordentlich Muskeln. Kraft und Ausdauer sind wichtig bei uns.

Und eine Portion Mut, oder? Ganz ungefährlich scheint die Nummer ja nicht zu sein.  

Wer Angst hat, macht den Sport sicher nicht. Mit Schutzkleidung und der gebotenen Vorsicht kann aber eigentlich nicht viel passieren. Allerdings sollte man den richtig großen Motorsägen mit 80 PS und 240 km/h Kettentempo schon mit Respekt begegnen.

Kann man eine Motorsäge eigentlich tunen?  

Schon, aber an den 80-PS-Sägen sollte man nichts mehr machen, die haben so schon genügend Dampf. Bei den herkömmlichen Sägen schraubt man schon mal die Drehzahl hoch, damit sie etwas flotter laufen. 

Wenn man keine 80-PS-Motor- säge hat: Geht’s auch mit der Axt aus dem Geräteschuppen? 

Na ja, Holz hacken kann jeder. Auch das ist ja eine körperliche Betätigung: Scheite holen, dann spalten, ins Haus schleppen und den Ofen anzünden – so macht einen das Holz insgesamt 4-mal warm. Aber mal ernsthaft: Wer sich für diesen Sport interessiert, der sollte unbedingt ein Probetraining besuchen. Unsere Wettkampfäxte sind auch um einiges schärfer als die normale Axt aus der Garage. So scharf, dass man sich damit sogar rasieren kann!

Sie rasieren sich mit der Axt? 

Natürlich nicht am Morgen im Badezimmer! Die Rasur mit der Axt ist nur ein Test, der zeigt, dass die Klinge scharf ist. Dazu säbeln wir uns vor Wettkämpfen Haare an Arm oder Bein ab.

Scharfe Äxte, Turbo-Sägen – ganz schön gefährlich, was? 

Bei Weitem nicht so gefährlich, wie es möglicherweise aussieht. Verletzt habe ich mich bislang nur beim Schärfen. Wir kloppen eben nicht mal so auf den Holz- klotz ein. Bevor überhaupt eine Axt auf einen Stamm trifft, wird  Schritt für Schritt genau geplant. Technisch bewegt sich unser Sport auf sehr hohem Niveau. 

Planen Sie denn auch, was Sie mit dem ganzen Holz machen, das Sie da klein hacken? 

Na klar! Im Jahr kommt bei mir etwa so viel Holz zusammen, dass man damit einen Lkw mit Anhänger beladen könnte. Ein Teil davon wandert in den Ofen, der Rest wird zu Schnitzen verarbeitet. Unser Sport produziert also gleichzeitig Brennstoff.

Sind Sportholzfäller als solche eigentlich aus einem speziellem... 

...Holz geschnitzt? Noch so eine Redewendung, aber die trifft wirklich zu. Man muss ausgesprochen zäh sein und gewisse körperliche Voraussetzungen mitbringen: starke Beine für einen festen Stand, kräftige Arme für ordentlich Dampf, und ohne gute Rumpfmuskeln kriegt man schnelle Drehungen nicht hin.

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