Ein Orientierungsläufer im Gespräch: Interview mit Sören Lösch

Querfeldein ins Gelände – Orientierungslauf
Interview mit Sören Lösch – der Orientierungsläufer verrät, wie der Trendsport läuft

Joggen ist heute nichts Besonderes mehr, aber mit Karte und Kompass bekommt es einen neuen Reiz. Das Interview mit Sören Lösch verrät, wie der Trendsport läuft

Der kennt den richtigen Weg: Das Interview mit Sören Lösch aus Jena verrät, wieso beim Orientierungslauf nicht immer nur der Schnellste siegt:

Sie laufen mit Kompass –noch nie was von GPS gehört?

Doch, aber Orientierungslauf ist eine äußerst naturverbundene Sportart. Allein mit Kompass und Karte den Weg zu finden, dabei auf sich allein gestellt zu sein – das macht den Reiz aus.

Und wie funktioniert das im Detail? Was ist zu beachten? 

Bei jedem Orientierungslauf gibt es detaillierte Karten mit einem besonders großen Maßstab, in denen für den Lauf relevante Merkmale eingezeichnet sind, zum Beispiel Höhenlinien und Wege, markante Bäume, Felsen und jede Art von Bewuchs – ob es sich da nun um dichten Wald oder schwer belaufbares Gelände handelt. Hinzu kommt die zu absolvierende Strecke, die vom Start über verschiedene Posten bis ins Ziel führt. Und natürlich finden sich Linien, die Richtung Norden verlaufen. Die Kompassnadel zeigt auch nach Norden. Um die Karte einzunorden, muss ich sie drehen, bis die Linien auf der Karte und die Kompassnadel nach Norden zeigen. Auf diese Art kann ich festlegen, in welche Richtung ich dann laufen muss. 

Und Sie laufen dann nur der eingezeichneten Strecke nach?

Nein. Die Strecke zeigt nur die kürzeste Verbindung zwischen den Posten. Wenn ein Posten hinter einem hohen Berg liegt, dann ist niemand so blöd und läuft ganz nach oben, um auf der anderen Seite wieder runterzulaufen. Querfeldein brauchen Sie ungefähr 30 Prozent mehr Kraft als auf dem Weg, und das bei gleichem Tempo. Ich wähle dann eine Route, die am Hang entlangführt, wo es eventuell auch einen Weg gibt. Ich schaue dann noch, ob’s markante Stellen auf dem Weg gibt, so dass ich mich genau lokalisieren kann.

Nur schnell zu laufen ohne zu navigieren bringt also wenig?

Kommt auf den Wettbewerb an. Auf der Langdistanz mit bis zu 20 Kilometern ist es weniger arg, 2 Minuten durch Navigationsfehler zu verlieren, als auf der Mitteldistanz mit 5 Kilometern.

Wie trainieren Sie denn genau? Sie können doch schlecht selbst im Wald Posten verstecken.

Das ist durchaus schwierig. Ich habe das Glück, dass in meinem Verein regelmäßig Training mit der Karte stattfindet, das andere Vereinskollegen vorbereiten. Das beste Training sind kleinere Wettkämpfe, um immer wieder den Ablauf mit Karte, Kompass und das Laufen im Gelände zu trainieren. Selbst bei mir gibt es manchmal Wochen, in denen ich keinen Meter mit Karte gelaufen bin. Ich schätze, dass ich etwa 5 bis 10 Prozent meiner Kilometer mit Orientierung zurücklege. 

Und sonst laufen Sie immer querfeldein durch den Wald?

Nein, das Training ist vielfältig. Ich laufe in der Woche zwischen 80 und 150 Kilometer, verteilt auf diverse Einheiten, mache Dauerläufe, die profiliert sind und über Trails führen, schnelle Läufe und Intervalltraining auf der Bahn. Wer immer nur im Gelände läuft, wird mit der Zeit langsamer, da er aus Angst vor Verletzungen verhaltener läuft und aus diesem Grund nie das erforderliche Tempo trainiert.

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