Working Dads: Interview mit Teilzeitvater Björn

Working Dads
Björn Krause mit seiner Tochter und bei der Arbeit

Björn Krause (38) ist aus Hamburg, seit Oktober 2015 Textchef bei BARBARA und gleichzeitig in Teilzeit. Er ist verheiratet und Vater von Tochter Ava (1 ½). Sein Modell: Eine 30-Stunden-Woche (75-%-Stelle)

Welche Gründe sprachen für Sie dafür, sich für Teilzeit zu entscheiden?

Ich möchte im Leben meiner Tochter so präsent wie möglich sein. Mir ist es wichtig, dass ich Ava nicht nur am Wochenende sehe – das wäre aber der Fall, wenn ich Vollzeit arbeiten würde. Außerdem hatte meine Frau auf diese Weise die Möglichkeit, ihrem Arbeitgeber ein attraktiveres Teilzeitmodell anzubieten. Ein guter Kompromiss, von dem wir alle etwas haben.

Inwiefern profitiert Ihr Kind davon, dass Sie in Teilzeit arbeiten? (Wie erleben Sie die gemeinsame Zeit?)
Ich denke, dass für Kinder der Einfluss beider Elternteile gleich wichtig ist. Ich verbringe die Zeit mit Ava anders als meine Frau das tut. Wir machen zum Beispiel mehr Quatsch zusammen: ich werfe sie in die Luft, lasse sie im Einkaufswagen Kreise drehen, wir turnen auf dem Sofa rum und spielen fangen. Meiner Frau bleibt dabei manchmal das Herz stehen. Aber die Nachmittage mit Ava gehören nur ihr und mir. Genauso hat meine Frau ihre Zeit mit ihr – dazu kommt die Zeit am Wochenende, die wir zu dritt verbringen. 

Gab (bzw. gibt) es Schwierigkeiten bei der Umsetzung?
Ja, schon. Wenn Ava krank ist, was gerade anfangs in der Kita sehr oft passiert ist, haben wir ein Problem. Wer von uns bleibt zuhause? Ihre Großeltern wohnen nicht in Hamburg, können nur in absoluten Notfällen aushelfen. Irgendwie haben wir beide ein schlechtes Gewissen gegenüber unseren Arbeitgebern, wenn wir zuhause bleiben müssen.

Merken Sie einen Unterschied im Alltag?
Bei uns ist jeder Tag durchgetaktet, dazu gehört beispielsweise wer unsere Tochter zur Kita bringt und abholt. Da sind viele Leute involviert, wir als Paar, die Kita, der Arbeitgeber. Die Planung stresst mich irgendwie. Die Teilzeit wirkt sich natürlich auch auf den Job aus, die halben Arbeitstage gehen sehr schnell rum. Es ist eine effiziente Planung wichtig, damit nichts liegen bleibt. Die Freizeit mit Kind ist anders als ohne – es ist schon auch Arbeit. An Tagen, an denen ich im Büro bin und anschließend Ava betreue, bin ich am Abend oft richtig erledigt.

Wie hat Ihr Umfeld reagiert? (Arbeitgeber, Kollegen, Freunde)
Positiv. Ich habe ein Jobangebot bekommen und der neue Arbeitgeber hat meinem Wunsch nach Teilzeit gern entsprochen. Die Menschen um mich herum finden es eigentlich alle toll, dass ich Teilzeit arbeite, um mehr für meine Familie da zu sein.

Hatten Sie Bedenken bezüglich der eigenen Karriere?
Ja, ich hatte Bedenken. Und die habe ich auch immer noch. Ich glaube, dass es in Teilzeit schwieriger ist aufzusteigen. Je höher, desto unwahrscheinlicher. In bestimmten Positionen ist es sicherlich unmöglich, Teilzeit zu arbeiten.





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