Working Dads: Interview mit Teilzeitvater Christian

Working Dads
Christian Löhrer mit seinen Kindern und bei der Arbeit

Christian Löhrer (41) kommt aus Speicher, Appenzell-Ausserhoden (Schweiz). Er ist Vater von Tochter Arwen (5) und Sohn Ilias (7), und arbeitet seit 6 Jahren als Geschäftsführer beim ILB (schweizerisches Institut für Laufbahn und Bildungsentwicklung AG). Sein Teilzeitmodell: abhängig davon, welche Termine/Projekte seine Partnerin und er haben (manchen Wochen liegt das Pensum bei 80 - 100%, in anderen bei 40 - 60%. Dasselbe gilt für seine Frau.)

Welche Gründe sprachen für Sie dafür, sich für Teilzeit zu entscheiden?

Ich habe berufsbegleitend ein zweites Studium begonnen und parallel dazu das berufliche Pensum reduziert. Mein Sohn wurde 2008 und meine Tochter 2010 geboren. In dieser Zeit haben wir uns entschlossen, dass meine Frau die Kinder zwei Tage betreut und ich einen Tag übernehme. Die restlichen zwei Tage übernahm eine Kinderkrippe. Das Studium habe ich im Jahr 2010 beendet und habe dann entschieden, den einen Tag in der Woche weiterhin bei meinen Kindern zu verbringen.

Inwiefern profitiert Ihr Kind davon, dass Sie in Teilzeit arbeiten?
-Wie erleben Sie die gemeinsame Zeit?

Ich denke, die Beziehungsqualität zum Kind ist einfach anders. Beispiel: wenn sich das Kind stößt, ist es egal zu wem es rennt. Es lässt sich sowohl von mir als Vater, als auch von der Mama trösten. Das ist bei anderen Familien oft anders. Ich denke, dass das Kind langfristig auch davon profitiert differenzierte Rollenbilder mitzubekommen. Die gemeinsame Zeit erlebe ich als sehr vielfältig und bereichernd. Es ist ein unglaublich wichtiger Ausgleich für mich, gleichzeitig ist mir auch bewusst, dass diese Zeit so nie wieder kommen wird und daher sehr wertvoll ist.

Gab es Schwierigkeiten bei der Umsetzung?

Heute als Selbständige können wir vieles selber in die Hand nehmen, das hilft enorm.  Als jedoch das Studium vorbei war, adressierte der CEO meines damaligen Arbeitgebers sich in etwa so an mich: Entweder wir können wieder zu 100% auf  dich zählen, oder es sind dann halt etwas andere Jobs, die du in Zukunft machen kannst.

Merken Sie einen Unterschied im Alltag? (Was klappt gut, was weniger?)

Die größte Herausforderung ist alles das, was nicht vorhersehbar ist und sich schlecht planen lässt. Es ist sehr anstrengend diese Koordination aufrecht zu erhalten.  Da kann man schönreden hinsichtlich Fremdbetreuung, was man will. Es hilft letztlich enorm, wenn die (Groß-)Familie in der Nähe ist um solche Flexibilität zu zeigen, wie Sie das Schulsystem oder unsere Kunden beanspruchen.

Wie hat Ihr Umfeld reagiert? (Arbeitgeber, Freunde, Kollegen)

Von der Generation unserer Eltern kamen vereinzelt Bemerkungen, ob sich das nicht negativ auf die Kundenbeziehung auswirke, wenn wir nicht voll – also zu 100% - zur Verfügung ständen. Im Kollegenumfeld war eher Interesse vorhanden, wie wir uns organisieren. Da kam eher die Lust zum Ausdruck, unser Model ebenfalls auszuprobieren. Man gratulierte uns auch. Schlussendlich gibt es aber wenige Familien in unserem Umfeld, die tatsächlich gleich unterwegs sind.

Hatten Sie Bedenken bezüglich der eigenen Karriere?

Wir sind gegen Ende unseres zweiten Studiums schrittweise in die Selbständigkeit gestartet und mussten uns dieser Frage kaum stellen. Meine Frau hatte während der familiären Startphase jedoch viel Unterstützung in ihrem Job, in einer der größten Banken der Schweiz. Wir bemerken immer wieder in unseren Laufbahnberatungen und Coachings, dass es nach wie vor ein großes Thema in vielen Unternehmen ist, welches enormen Druck auf die Lebensgestaltung ausübt.


Seite 17 von 46

Sponsored SectionAnzeige