Working Dads: Interview mit Teilzeitvater Jürgen

Working Dads
Jürgen Zehnder mit seinen Kindern

Jürgen Zehnder (41) ist aus Riedstadt-Crumstadt. Er ist verheiratet, Vater von Emily (9), Lucie (6), Philipp (3) und arbeitet als Steuerberater bei der Ernst & Young GmbH, in Teilzeit seit: 2007. Sein Teilzeitmodel: 32 Stunden/Woche. Jeweils 8 Stunden Mo-Do.

Welche Gründe sprachen für Sie dafür, sich für Teilzeit zu entscheiden?

Nachdem unsere erste Tochter (Emily) etwa ein Jahr alt war, entschied sich meine Frau die Elternzeit zu beenden und für 2 Tage die Woche wieder beim bisherigen Arbeitgeber zu arbeiten. Um die Betreuung unseres Kindes möglichst ohne Inanspruchnahme „fremder“ Hilfe zu bewältigen, kam die Überlegung, dass auch ich zukünftig in Teilzeit arbeiten könnte. Ich habe deshalb meine vertragliche Arbeitszeit von 5 auf 4 Tage reduziert. Damit konnten wir die außerfamiliären Betreuungszeiten auf einen Tag pro Woche begrenzen, gleichzeitig konnte ich wesentlich mehr Zeit mit Emily verbringen.

Inwiefern profitierten Ihre Kinder davon, dass Sie in Teilzeit arbeiten?
Förderung von Kindern benötigt Zeit. Hausaufgabenbetreuung von Emily, Klavierüben mit Lucie und parallel Philipp zu betreuen ist nahezu unmöglich. Insoweit müssen ständig Kompromisse gemacht werden, die an meinem zusätzlichen freien Tag deutlich abgefedert werden können.  Insbesondere ermöglicht mir der freie Tag, Aufgaben zu übernehmen, die sonst nicht möglich wären. Derzeit unterrichte ich die Schulklasse meiner Tochter zwei Stunden pro Woche, im Umgang mit Computern. Im vergangenen Jahr habe ich das Lauftraining der Grundschule zur Vorbereitung auf einen Sponsorenlauf übernommen. Auch bei anderen Aktivitäten der Schule, die an meinem freien Tag stattfinden, kann ich flexibel meine Unterstützung anbieten. Emily freut sich immer total, wenn wir Grundschulaktivitäten zusammen erleben. Es ist spannend und bereichernd, die Entwicklung der Kinder mitzuerleben und eine große Abwechslung zum Arbeitsalltag.

Gab es Schwierigkeiten bei der Umsetzung?
Da mein Umfang in der Mandatsbetreuung anfänglich unverändert war, gab es zwar Anpassungsschwierigkeiten durch dauerhaft hohe Arbeitsbelastung, nach Rücksprache mit meinem Vorgesetzten konnten jedoch Umverteilungen vorgenommen werden, so dass diese Probleme zeitnah beseitigt wurden. Die praktische Umsetzung war allerdings nur deshalb möglich, da mein Vorgesetzter das Arbeitsmodell voll unterstützte. Ohne diese Akzeptanz wäre die Teilzeitarbeit nur schwer dauerhaft durchführbar.

Merken Sie einen Unterschied im Alltag?
Ich habe das Gefühl, weiterhin als „vollwertige“ Arbeitskraft anerkannt zu sein. Anders war es z.B. bei meiner Frau, als sie nach ihrem Wiedereinstieg nur noch 2 Tage pro Woche arbeitete. Das Gefühl der Teamzugehörigkeit hatte darunter gelitten. Mit einer 4-Tage-Woche ist dies selbstverständlich anders.

Wie hat Ihr Umfeld reagiert? (Arbeitgeber, Kollegen, Freunde)
Die Äußerungen aus meinem Umfeld waren durchgehend positiv. Oftmals habe ich gesagt bekommen, es wäre toll, dass ich mich für diesen Weg entschieden habe und dadurch mehr Zeit mit der Familie verbringen kann. Trotz der Bewunderung für diesen Schritt habe ich den Eindruck, dass sich viele Männer noch nicht trauen einen solchen Schritt zu gehen, da sie Nachteile in der Karriere befürchten.

Hatten Sie Bedenken bezüglich der eigenen Karriere?
Meine Bedenken bezüglich der weiteren Karriere habe ich direkt angesprochen. Mir wurde ausdrücklich versichert, dass solche Arbeitsmodelle angeboten werden, damit Beruf und Familie vereinbart werden können und dass die Inanspruchnahme keine Nachteile hat. Nach gut 8 Jahren in Teilzeit kann ich dies bestätigen.

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