Working Dads: Interview mit Teilzeitvater Mario

Working Dads
Mario Emmeluth mit seinen Töchtern Miriam und Marlene

Mario Emmeluth (40) aus Bensheim ist verheiratet, Vater von Miriam (5) und Marlene(1) und arbeitet seit 2006 als Chemiker bei BASF. Sein Teilzeitmodell: Seit 2011. Er arbeitet 5 Tage á 6 Stunden

Welche Gründe sprachen für Sie dafür, sich für Teilzeit zu entscheiden?
Schon während der gemeinsamen Familienplanung haben meine Frau und ich überlegt, wie sich die Familienorganisation möglichst gut planen lässt. So sind wir schnell zum Thema Teilzeit gekommen. Ich habe mich bewusst für eine Familie entschieden und brauche ausreichend Zeit für diese. Ich möchte meine Kinder aktiv mitbegleiten und an ihrer Entwicklung teilhaben. Dazu kommt, dass wir es uns finanziell leisten können, in Teilzeit zu arbeiten.

Inwiefern profitiert Ihr Kind davon, dass Sie in Teilzeit arbeiten?
Ich denke, durch die zusätzliche Zeit habe ich mehr Verständnis für die Belange meiner Kinder, beispielsweise im Kindergarten oder beim Arzt. Das Schöne ist, dass ich die Zeit mit ihnen optimal nutzen kann, also nicht nur am Wochenende oder nach einem langen Arbeitstag. Es haben sich zudem viele nette Kontakte zu anderen Eltern und den Erzieherinnen im Kindergarten ergeben. Ich genieße die gemeinsame  Zeit sehr, weil sie mich auch an meine eigene Kindheit erinnert. Das sind schöne und bereichernde Momente.

Gab es Schwierigkeiten bei der Umsetzung?
Meine Frau und ich mussten uns sehr genau überlegen, wie viele Stunden wir jeweils arbeiten wollen und dabei sowohl berufliche als auch private Rahmenbedingungen berücksichtigen. Die Arbeitgeber wünschen sich natürlich eine gewisse Planungssicherheit, während die Kinderbetreuung häufig Flexibilität verlangt.

Merken Sie einen Unterschied im Alltag?
Durch die Teilzeit ist der Tag nicht mehr ausschließlich Arbeitstag, sondern lässt sich besser entlang beruflicher und privater Verpflichtungen einteilen. Morgens ist es am stressigsten, denn da müssen die Kinder pünktlich in den Kindergarten gebracht werden und wir fahren im Anschluss zur Arbeit. Manchmal ist der Arbeitsbeginn durch einen Termin festgelegt. Ich muss im Job sehr stark priorisieren, das ist gerade in der Teilzeit enorm wichtig. Oft habe ich Hemmungen meine Kollegen ‘im Stich zu lassen‘, weil ich Aufgaben erst am nächsten Tag erledigen kann. Es ist manchmal schwierig, wichtige Meetings und familiäre Verpflichtungen aufeinander abzustimmen, aber mit ein bisschen Kreativität ist vieles möglich.

Wie hat Ihr Arbeitgeber reagiert, Kollegen, Freunde?
Sehr gut. Es gibt von BASF sogar ein eigenes Handbuch für werdende Eltern, mit allen wissenswerten Informationen. Meine Chefs hatten immer vollstes Verständnis. Ich hatte auch mal eine Vorgesetzte, die selbst in Teilzeit gearbeitet hat und von daher meine Situation gut nachvollziehen konnte. Auffallend ist, dass es viele Frauen aus dem Freundes- und Bekanntenkreis sehr gut finden, wahrscheinlich weil Väter in Teilzeit klassische Rollenbilder aufbrechen. Es gibt aber auch Leute, die sagen dann: „Warum das denn? Magst du nicht gerne arbeiten?“ Ich wurde auch schon gefragt, warum ich mir das alles antue und die Kinderbetreuung nicht meiner Frau überlasse. 

Hatten Sie Angst vorm Karriereknick?
Das ist sicherlich für viele Männer ein wichtiges Thema. Natürlich mache ich mir auch Gedanken, aber es ist schwierig, eine Einschränkung der beruflichen Entwicklung vorauszusehen. Ich glaube nicht, dass mein Berufsleben durch die Teilzeit negativ beeinflusst wird, schließlich habe ich noch fast dreißig Berufsjahre vor mir. Ich hoffe, dass die Unternehmen in Zukunft noch stärker wahrnehmen, dass sich viele Männer gerne mehr um ihre Familien kümmern würden und die daraus resultierenden Erfahrungen auch für die Arbeitswelt wertvoll sind. Väter in Teilzeit sollten zum Normalfall werden.

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