Working Dads: Interview mit Teilzeitvater Sebastian

Working Dads
Sebastian Siebzehnrübl mit seinen Kindern Max und Theo

Sebastian Wolf Siebzehnrübl (46) ist Diplomkaufmann aus Berlin. Er ist verheiratet, Vater von Max (6) und Teo (5) und seit 2015 bei der PLEXGROUP. Sein Teilzeitmodell: er hat eine 60 Prozent-Stelle, arbeitet an drei Tagen in der Woche für je 8 Stunden

Welche Gründe sprachen für Sie dafür, sich für Teilzeit zu entscheiden?
Ausschlaggebend waren zunächst die Selbständigkeit meiner Frau und die damit verbundenen Herausforderungen für den Familienalltag. Wenn ihr Laden bis um 20 Uhr geöffnet bleiben muss und die Großmutter, tausende Kilometer entfernt, in Kolumbien lebt. Da macht auch kein Hort mehr mit, sondern es ist Eigeninitiative gefragt. Natürlich ergeben sich auch für einen selbst Freiräume und sicher nicht zuletzt, besonders auch mehr Zeit für die Kinder.

Inwiefern profitiert Ihr Kind/die Familie davon, dass Sie in Teilzeit arbeiten? Wie erleben Sie die gemeinsame Zeit?
Quality Time. Diese Zeit, 1:1, die man eigentlich im Familienalltag kaum findet, um den ganz individuellen Interessen der Kinder nachzugehen, beziehungsweise diese erst zu erforschen. Der Nachmittag in der Ausstellung oder auf dem Bolzplatz. Es ist sicher ein Privileg. Besonders, wenn die Kinder noch klein sind.

Gab es Schwierigkeiten bei der Umsetzung? 
Naja, ich habe in der Geschäftsentwicklung keinen 9-to-5-Job und ich liebe zudem diese Schnittstelle zwischen Architektur/Design und Markenkommunikation an der ich arbeiten darf. Da muss man besonders gut abschalten können: eben nicht zwischendrin auf das Handy oder Tablet schauen, sondern den Moment bewusst erleben. Jetzt klappt das ganz gut, auch wenn die Jungs manchmal, beim Brainstorming über einer Tasse Kakao, einfach mit eingebunden werden.

Merken Sie einen Unterschied im Alltag? Was klappt ganz besonders gut, was eher weniger?
Ja, wesentlich! Es ist eigentlich eine Win-Win-Win-Situation für alle Beteiligte. Die bewusste Zeit mit den Kindern, Gestaltungsfreiräume für einen selbst und letztlich profitiert auch der Arbeitgeber: die besten Ideen kommen mir meist nicht am Schreibtisch und die interessantesten Kontakte mache ich nicht am Telefon. Und sonst? Irgendwas hakt immer. Irgendwo. Da übernehme ich, mehr und mehr, die karibische Leichtigkeit meiner Frau.

Wie hat Ihr Umfeld reagiert? (Arbeitgeber, Kollegen, Freunde)
Mein Arbeitgeber hatte keine Wahl. Ich bin bewusst mit der PLEXGROUP in Kontakt getreten, weil diese für ihre Flexibilität bekannt ist; folglich ist meine Situation auch im Kreis der Kollegen keine unbekannte, vielmehr gibt es bei uns eine ganze Reihe Teilzeit-Väter - bis hin zu den Geschäftsführern. Im Freundeskreis diskutieren wir, bei uns am Prenzlauer Berg gefühlt manchmal zu oft darüber, warum ein besonders in skandinavischen Ländern so erfolgreiches Modell hierzulande nicht noch mehr gefördert wird.

Hatten Sie Bedenken bezüglich der eigenen Karriere?
Wir leben in einer modernen Gesellschaft, in der das Arbeitsergebnis mehr zählen sollte als die Anwesenheitszeit. Unternehmen, die das individuell anders sehen, interessieren mich nicht. Somit, kurze Antwort: Nein.

Ihr schönstes Teilzeit-Erlebnis?
Was für uns als Familie, das schönste Teilzeit-Erlebnis sein wird, ist sicher die Geburt unseres dritten Sohnes im Juni diesen Jahres.

Zusatztipp für potentielle Teilzeit-Väter?
Ich sprach ja eingangs vom empfundenen Privileg, Teilzeit-Vater zu sein. Sicher muss so eine Entscheidung auch wohl überlegt sein, besonders aus finanzieller Sicht. Es nützt dem Kind sicher kein Teilzeit-Vater, der ständig über das Erreichen des Monatsendes grübeln muss.

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