Working Dads: Interview mit Teilzeitvater Sven

Working Dads
Sven Eyrich mit seiner Tochter und bei der Arbeit

Sven Eyrich (41) kommt aus Iphofen und ist verheiratet. Er ist Vater von Ina (20 Monate) und arbeitet als Hauptfeldwebel bei der Bundeswehr. Sein Teilzeitmodell: 33,5std/ Woche

Welche Gründe sprachen für Sie dafür, sich für Teilzeit zu entscheiden?

Um eine möglichst reibungslose Organisation des Alltages zu ermöglichen, war für uns kaum eine Alternative zur Teilzeit vorhanden. Wir, meine Frau und ich, haben uns bewusst für ein Kind entschieden und somit auch für die Zeit mit dem Kind und für die Erziehung.

Inwiefern profitiert Ihr Kind davon, dass Sie in Teilzeit arbeiten?

Die zwei größten Vorteile sind zum einen, dass wir uns beide um unsere Tochter kümmern können. Zum anderen hat unser Kind so ein geregeltes Umfeld, in dem es aufwachsen kann. Wir möchten Ina die Möglichkeit geben, in einer „gesunden“ Familie aufzuwachsen.

Gab es Schwierigkeiten bei der Umsetzung?

Ich war über 14 Jahre Wochenendpendler – für Soldaten nicht selten und nichts Ungewöhnliches. In der Phase der Schwangerschaft wurde ich dann heimatnah versetzt. So hörte das nervige Pendeln auf. Die Umsetzung verlief absolut problemlos. Zusatzpunkt: Ich war schon über 1.000 Tage im Auslandseinsatz, dank der Teilzeit ist damit Schluss.

Merken Sie einen Unterschied im Alltag?

Der Unterschied ist nach einer kurzen Eingewöhnungsphase sehr gering. Da ich einen späteren Dienstbeginn habe, hat sich nur der morgendliche Ablauf etwas geändert. Meine Tochter zeigt noch sehr wenig Interesse an Papas Zeitplanung.

Wie hat Ihr Umfeld reagiert? (Arbeitgeber, Kollegen, Freunde)

Familie und Freunde haben es alle sehr gut aufgenommen. Dumme Sprüche und blöde Kommentare gab es nicht. Im Gegenteil, es ging von Zuspruch bis Anerkennung, dass ich es tatsächlich durchziehe. Bei meinen Kameraden musste ich teilweise  „Überzeugungsarbeit“ leisten. Danach war auch hier das Feedback durchweg positiv. Ein paar ältere Kameraden waren höchstens etwas neidisch, dass es so etwas, zu ihrer Zeit nicht gegeben hat. Bei den Vorgesetzten sah die Lage nicht so toll aus. Natürlich wurden alle Anträge bearbeitet und auch befürwortet. Es war gerade für die Dienstälteren eine große Umstellung: „Teilzeit, so ein Blödsinn für Soldaten und dann auch noch ein Mann.“ Diese Einstellung hat sich aber schnell geändert. Ich beharre nicht auf meine Rechte, die ich durch die Elternteilzeit habe und bin bereit auch mal  „länger zu machen“. Dafür kommt man mir so gut es geht, in meinen privaten Belangen entgegen.

Hatten Sie Bedenken bezüglich der eigenen Karriere?

Was meine Karriere betrifft, habe ich schon jetzt viel erreicht. Ich bin Hauptfeldwebel, 41 Jahre alt, habe eine Familie, ein Haus und bin Berufssoldat. Was soll mir passieren? Es gibt nicht sehr viele Menschen, die so gute Vorrausetzungen haben wie ich.

Ihr schönstes Teilzeit-Erlebnis?

Das Privileg meine Tochter aufwachsen sehen zu dürfen, ihre Entwicklung selbst miterleben zu können, ist schon ein echtes Geschenk. Das ist nicht für jeden selbstverständlich. Gerade in den ersten Jahren, in denen sich Kinder so schnell verändern, macht es Spaß, der Logik eines Kindes zu folgen. Nachdem ich bei meiner Tochter die „Aua‘s“ immer weg puste und sie einen Kuss auf die entsprechende Stelle bekommt (für die schnelle Heilung), besteht sie jeden Tag darauf, dasselbe bei mir zu machen – auch nach meiner Wurzelbehandlung. Immer mit den Worten: „Papa, komm mal pusten, Bussi“. Als ich sie mal wieder in den Kindergarten gefahren habe und gerade gehen wollte, kam sie mit den gleichen Worten noch einmal hinter mir her gelaufen und ich durfte erst gehen, nachdem ich mir mein „Pusten Bussi“ abgeholt habe. Das sind sehr erhabene Momente im Leben eines Mannes.

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