Über die Welt des Wildewassers: Interview mit Wildwasser-Kajak-Crack Olaf Obsommer

Wildwasser-Kajak fahren im Godafoss, einem der bekanntesten Wasserfälle Islands
Wildwasser-Kajak fahren im Godafoss, einem der bekanntesten Wasserfälle Islands

Wann ist der Wildwasser-Ausflug machbar und was noch wichtig ist, erklärt Ihnen der Wildwasser-Crack Olaf Obsommer aus Kiefersfelden. Er kennt als Kajakfahrer und Filmemacher fast alle Flüsse der Welt

Kajak-Crack Olaf Obsommer verrät, wieso sein Sport im Frühjahr am spannendsten ist:

Sobald der Schnee schmilzt, machen Kajakfahrer die Flüsse der Alpen unsicher. Warum?
Na ja, im Winter ist es nun mal schwierig, Wildwasser zu finden, die Flüsse sind zugefroren oder führen kaum Wasser. Mit der Schneeschmelze beginnt quasi die Saison – obwohl das Wasser noch sehr kalt, sehr wild und eher was für Hartgesottene ist.

Gibt’s keine Winterbekleidung?
Selbst damit ist es ungemütlich. Sobald ich mit Handschuhen fahre, ist der Kontakt zu meinem Paddel schlechter, und dadurch lässt sich das Kajak insgesamt schwerer steuern. So ein Paddel muss ganz fein geführt werden.

Echt? Dabei wirkt Kajakfahren eher kraftvoll und brachial.
Das täuscht. Die Mischung aus Gefühl und Kraft muss passen. Die leichteren Männer mit 70 bis 80 Kilo fahren meistens besser als kräftige – sie müssen ja auch nicht so viel Masse bewegen. 

Worauf kommt es sonst noch an beim Wildwasserfahren?
Es geht darum, Schwierigkeiten im Wildwasser perfekt zu fahren, also elegant, flüssig und ohne Korrekturschlag. Fährt das Boot dabei wie auf Schienen, nennen wir das die Sickline. Das größte Problem ist, die Übersicht zu behalten, während ich im Boot durchgerüttelt werde. Ich muss da blitzschnell Entscheidungen treffen. Immerhin: In Flüssen gibt’s auch Kehrwässer, die sich hinter Steinen und innen in den Kurven bilden. Da ist es dann möglich, eine Zeit lang auf der Stelle zu verweilen und erst einmal zu sehen, wie’s weitergeht. Kann ich von meinem Boot aus nicht genug sehen, steige ich aus, laufe am Ufer entlang und schau mir die Stelle genau an. 

Sie stürzen sich also nicht blind die Stromschnellen hinunter?
Natürlich nicht – das wäre ja russisches Roulette mit voller Trommel! Voraussetzung ist, dass ich Infos über einen Fluss habe. Sehe ich im Flussführer, dass er die Schwierigkeitsstufe 4 bis 5 hat, ich aber maximal bis Stufe 4 klarkomme, kann ich diesen Fluss zwar fahren, muss mich jedoch darauf einstellen, schwierige Stellen zu umtragen.

Es gibt einen Maßstab für die Schwierigkeit eines Flusses?
Ja, die Skala reicht von 1 bis 6. Stufe 1 ist leicht, und bei 6 liegt die Grenze des Fahrbaren.

Und was passiert, wenn Sie eine Stelle fahren, die über dem eigenen Können liegt?
Dicke Eier können schon helfen, irgendwo runterzufahren, wo ich nicht die ganze Zeit über die Kontrolle habe. Ob’s gutgeht, kommt auf den Fluss an: Sind da viele Felsen? Ein Wasserfall?

Also gehört auch Glück dazu?
Wildwasser bewegt sich ständig. Also weiß ich nie genau, wie es sich auf das Boot auswirkt. Es ist kein 100-prozentiger Kontrollsport, man muss stets agieren.

Apropos Wasserfall: Bis zu welcher Höhe fahren Sie die?
Meine beiden höchsten waren je 18 Meter hoch. Der Weltrekord liegt bei knapp 57 Metern. Solche Höhen sind in meinen Augen aber eher Mutproben – da sagt keiner: Das war eine Sickline.

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