Smartwatch im Test: Ist die Apple Watch 2 die ultimative Sportuhr?

Ist die Apple Watch 2 die ultimative Sportuhr?
Taugt die Apple Watch Series 2 als Alternative zu Fitness-Trackern und Sportuhren von etwa Polar, Garmin oder TomTom?

Die Apple Watch Series 2 will nicht nur als Smartwatch, sondern auch als ultimativer Sport- und Fitness-Tracker überzeugen. Wir haben den Sporttest gemacht – beim Schwimmen, Laufen, Rad fahren

Die neue Smartwatch von Apple hat einige Updates erhalten. Für Sportler besonders interessant: Die Apple Watch Series 2 ist jetzt wasserdicht und besitzt integriertes GPS. Heißt im Klartext, Sie können mit ihr schwimmen gehen oder ohne iPhone Laufstrecken aufzeichnen. Doch ist die Apple Watch Series 2 tatsächlich eine gelungene Sportuhr? Taugt sie als Alternative zu Fitness-Trackern und Sportuhren von etwa Polar, Garmin oder TomTom? Wir haben den Test gemacht.

Schneller Prozessor, superhelles Display

Klar, die 2. Generation Apple Watch gehört zur Oberklasse der Smartwatches, nicht nur beim Preis (ab 419 Euro). Die Bedienung ist intuitiv, Sprachbefehle und Spracherkennung funktionieren gut, das Display leuchtet angenehm hell und ist selbst bei direkter Sonneneinstrahlung gut ablesbar. Plus: Mit dem deutlich schnelleren Prozessor laufen alle Apps flüssig. Da aber immer mehr Nutzer ihre Smartwatch zum Tracken von Sportaktivitäten nutzen wollen, hat Apple nachgerüstet. Zusätzlich zum bereits beim Vorgängermodell eingeführten optischen Herzfrequenzmesser gibt’s jetzt ein wasserdichtes Gehäuse und eingebautes GPS. Plus: Zusammen mit Nike wurde eigens eine Sonderedition für Läufer entwickelt. Damit empfiehlt sich die Uhr als echte Alternative für Sportler. 

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Die Apple Watch Series 2 ist jetzt wasserdicht und besitzt integriertes GPS
Die Apple Watch Series 2 ist jetzt wasserdicht und hat einen eigenen GPS-Sensor. Auch der Akku hält länger durch

Laufen mit der Apple Watch 2

Die Apple Watch 2 hat einen eingebauten GPS-Chip, Sie können also ohne iPhone laufen gehen und trotzdem Ihre Joggingstrecke aufzeichnen. Momentan funktioniert das mit der Apple-eigenen Workout-App, der Nike+-Run Club-App und Runkeeper. Für Runtastic und andere Apps muss das iPhone noch mit (was die Hersteller sicherlich bald ändern werden). Mit Apples Workout-App können Sie Ziele festlegen (Strecke, Zeit) oder einfach loslaufen. Die Datenwerte auf dem Display sind leider nicht sehr flexibel: Die App zeigt Puls, Pace, Durchschnitts-Pace, Zeit, Kalorien, und Strecke – und davon maximal 5 Datenfelder gleichzeitig. Das war’s. Für die meisten Läufer wird das sicherlich ausreichen. Die Apple Watch sagt übrigens nicht, ob eine GPS-Verbindung besteht oder wie gut diese ist. Weiß die Uhr überhaupt, wo ich bin? Anscheinend schon. Die gelaufene Strecke in der Auswertung stimmt jedes Mal exakt. Bei ungenauem GPS-Signal rechnet die Uhr offenbar hoch. Denn in der Kartenauswertung meiner Läufe sehe ich Kurven (die auch mal mitten durch ein Gebäude gehen), wo ich eigentlich im 90-Grad-Winkel um die Ecke gelaufen bin.

Intervalltraining mit Bluetooth-Brustgurt 

Wir hatten die Uhr 4 Wochen Dauertest mit mehreren 5 bis 10-Kilometer-Läufen. Ergebnis: Wenn das Armband eng anliegt ist der Herzfrequenzsensor zuverlässig. Hin und wieder gab es allerdings unerklärliche Aussetzer, die meist einige Sekunden anhielten. Im Direktvergleich mit einer Pulsuhr plus Gurt (Polar V800) lag die Herzfrequenz etwa 2-4 Schläge höher, was völlig in Ordnung ist. Die Pulsmessung am Handgelenk hat aber Nachteile: Beim Intervalltraining oder schnellen Sprints ist sie nicht zuverlässig. Abhilfe: Sie können die Apple Watch 2 direkt mit einem Bluetooth-Brustgurt koppeln. Der optische Sensor unten am Gehäuse schaltet sich dann automatisch ab und die Uhr trackt die Herzfrequenz des Gurts. Das hat im Test hervorragend funktioniert.

Pace-Messung ungenau

Etwas ungenau ist die Messung der Pace. Diese schwankt beim Laufen teilweise sehr. Und das obwohl mein Lauftempo immer relativ gleichmäßig war. In der Auswertung weichen die Rundenzeiten (pro Kilometer) daher auch von den Daten anderer Geräte ab (Bei der Polar V800 war ich beim selben Lauf häufig etwas langsamer). Gut gelöst: Pro gelaufenem Kilometer gibt’s Vibrationshinweise ans Handgelenk. Manuelle Runden nehme ich, wenn ich 2 Mal aufs Display tippe. Der Akku hält im GPS-Betrieb zwischen 4 bis 5 Stunden durch. Das reicht sogar knapp für einen Marathon. Eine ausführliche Auswertung der Läufe finden Sie nur in der Aktivitäts-App auf dem iPhone. Nachteil: Diese Daten lassen sich nicht auf andere Plattformen exportieren.

Lauf-Fazit: Für Läufer ist die Apple Watch 2 eine gute Wahl, aber nicht die beste. Ambitionierte Läufer werden individuelle Einstellungen Daten wie Höhenmeter, Schrittfrequenz, oder maximale Herzfrequenz vermissen. Einsteiger und Freizeitläufer, die der hohe Preis nicht abschreckt, bekommen zu den Smartwatch-Features einen soliden Lauftracker.

Die Nike+-Apple Watch ist perfekt auf die Nike+-Run-Club-App abgestimmt
Die Apple Watch Nike+ ist perfekt auf die Nike+ Run Club-App abgestimmt

Die Apple Watch Nike+ beim Laufen

Die Nike-Sonderedition unterscheidet sich zur regulären Uhr nur durch ein leichtes Armband, das Schweiß besser durchlassen soll, einige auf die Nike+-Run-Club-App abgestimmte Watchfaces und ein paar exklusive Siri-Kommandos. Die Hardware ist die gleiche. Mit der Nike-App läuft es sich ähnlich komfortabel wie mit der Apple-Workout-App. Bonus: Mit dem Running Coach können Sie ein Lauftraining mit unterschiedlichen Zielen absolvieren. Die Uhr erinnert dann rechtzeitig an die Trainings. Auch hier sind Datenfelder und Auswertung auf die Standards beschränkt.

Radfahren mit der Apple Watch 2

Wer ohne iPhone seine Radstrecken aufzeichnen will, ist momentan noch auf die Apple Workout-App angewiesen. Damit werden zuverlässig Dauer, Tempo, Durchschnittstempo, Herzfrequenz, Strecke und Kalorien aufgezeichnet (maximal 5 werden angezeigt). Drittanbieter wie Strava bessern hier sicherlich bald nach. Minuspunkt: Die Uhr zeichnet keine Höhenmeter auf. Eine richtige Auswertung des Radtrainings bekomme ich nur über eine auf dem iPhone gestartete App (von beispielsweise Strava). Hier können Sie auch andere Messwerte (z.B. per Bluetooth verbundenem Trittfrequenzsensor etc.) tracken. Dann muss das Handy aber mit auf die Bike-Tour.

Radfahr-Fazit: Da die Uhr nur elementare Daten speichert und auswertet (keine Höhenmeter, Trittfrequenz, maximale Herzfrequenz), kann sie keineswegs Geräte von Garmin & Co. ersetzen. Für passionierte Rennrad- und Mountainbike-Fahrer ist die Uhr als Trainingscomputer eher ungeeignet. 

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Die Apple Watch funktioniert im Becken und im Freiwasser
Die Apple Watch funktioniert im Becken und im Freiwasser

Schwimmen mit der Apple Watch 2

Die Apple Watch ist wasserdicht (50 Meter), funktioniert im Becken und auch im Freiwasser. Fürs Bahnschwimmen gibt man nur die Bahnlänge ein, der Bewegungssensor erkennt dann automatisch die Wende. Im Test funktionierte das tatsächlich einigermaßen zuverlässig (+- 1 Bahnlänge) – vergleichbar mit der TomTom Multisport-Uhr. Das Tracking soll genauer werden, wenn man die Watch häufiger nutzt. Im Schwimmmodus ist übrigens der Touchscreen blockiert. Einsperrt man diesen wieder, bläst ein Ton automatisch das Wasser aus den Lautsprechern. Nachteil: Das Display leuchtet nur beim Anheben des Handgelenks oder wenn man an der Krone dreht. Beim Schwimmen kann ich also keinen kurzen Blick auf den Fortschritt der Trainingseinheit werfen. 

Schwimm-Fazit: Die Apple Watch 2 funktioniert im Wasser zuverlässig (selbst die Herzfrequenzmessung). Da sie aber (noch) keine Werte zum Trainingsfortschritt liefert (Armzüge pro Bahn, Swolf-Wert), ist sie fürs zielorientierte Schwimmtraining nicht ideal. Ach ja: Es gibt übrigens keinen Multisport-Modus. Triathleten müssen also jede Einheit speichern und dann zur nächsten wechseln.

Workout mit der Apple Watch 2

Die Apple Watch kann keine Krafttrainingssession tracken. Klar, ich kann die Trainingszeit und die Herzfrequenz aufzeichnen. Bewegungen, Wiederholungen und Pausen registriert die Uhr nicht. Einige Drittanbieter wie "Seven" und "Runtastic Six Pack"haben Apps entwickelt, mit denen Sie ein Workout nachturnen können (z.B. Rumpf oder Ganzkörper). Auf dem Display werden die zu absolvierenden Übungen als Animationen gezeigt und ein Countdown sagt Wiederholungen, Dauer und Pausenzeiten an.

Workout-Fazit: Die Workout-Apps sind hilfreich für Trainingseinsteiger und Menschen, die zu Hause trainieren. Sie ersetzen aber weder einen individuellen Trainingsplan noch das Feedback eines Trainers.

Musik beim Training

Wer mit Uhr und ohne iPhone läuft oder radelt, muss auf seine Trainingsmusik nicht verzichten. Die Apple Watch lässt sich direkt mit einem Bluetooth-Kopfhörer koppeln. Über die Watch-App auf dem iPhone können Sie eine Playlist (bis 1 GB) direkt auf die Uhr übertragen. Das ist zugegeben etwas umständlich (die Uhr muss auf der Ladestation liegen), funktioniert aber einwandfrei. Ohne Smartphone kann ich die Playlist leider nicht direkt in den Workout-Apps steuern, sondern nur über die separate Musik-App auf der Uhr.

Fazit

Ist die Apple Watch Series 2 die ultimative Sportuhr? Nicht ganz. Apples Smartwatch ist weder die perfekte Uhr für Läufer noch für Multi-Sportler. Aber sie ist auf einem guten Weg dahin. Denn momentan ist die Apple Watch 2 ein bemerkenswerter Alleskönner unter den Fitness-Trackern. Kein anderes Gadget deckt derzeit so viele Sportarten ab. Selbst der integrierte Aktivitätstracker geht etwas andere Wege als viele Fitness-Armbänder (Apple setzt nicht nur auf "Schritte zählen", sondern auch auf Steh-, Trainings- und Bewegungsziele). Zwar sind die gesammelten Daten und Fitness-Modi noch ausbaufähig, auch bei den Community-Features (Teilen und Export der Daten in anderen Portalen, sportlicher Vergleich mit anderen Nutzern). Lauf- bzw. Sporteinsteiger bekommen ein wertvolles Tool, um ihr Training zu planen, zu tracken und auszuwerten. Ambitionierte Sportler, die nach Pace, Herzfrequenz-Zonen oder Watt trainieren, brauchen ein anderes Gadget. 

Preis der Apple Watch Series 2: Ab 419 Euro
Voraussetzungen: iPhone 5 oder neuer mit iOS 10

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