Sind Extrovertierte unzuverlässig?

Strategien gegen Ärger im Job
Während sein Chef sich über seine Leistung ausließ, war er mal wieder richtig produktiv.

Der kontaktfreudige Kollege vom Büro nebenan muss nicht automatisch der bessere Mitarbeiter sein, selbst wenn er viel mit anderen Menschen zu tun hat.

Wer immer gleich die Klappe aufreißt, muss deshalb nicht mehr drauf haben als der schweigsame Kollege nebenan. Im Gegenteil: Extrovertierte Mitarbeiter sind häufiger kontraproduktiv für die Entwicklung ihres Unternehmens, als bisher angenommen. Das fand Psychologe Alan Witt von der New-Orleans-Universität im US-Staat Lousiana heraus.

Kontaktfreudige werden normalerweise als energisch und durchsetzungsfähig angesehen. Sie gelten als Angestellte, die sich in ihrem Job besonders behaupten – gerade, wenn es um den Austausch mit anderen geht. Aber Witt fand heraus, dass gerade diese Extrovertiertheit nichts damit zu tun hat, wie gut jemand seine Arbeit wirklich macht.

Der Psychologe stellte dafür 105 Angestellten einer Firma Fragen, mit denen er ihre Kontaktfähigkeit und ihre Zuverlässigkeit testen wollte. Er fragte zum Beispiel, ob sie ein Problem gründlich durchdachten, bevor sie dazu Stellung nahmen und ob sie die Regeln in der Firma einhielten oder nicht. Danach befragte er deren Vorgesetzte zum Verhalten der Befragten: zu ihrer Produktivität, Anwesenheit und Streitereien in der Firma.

Bloß den Ball flach halten
Wie nicht anders zu erwarten, zeigte sich, dass zuverlässige Mitarbeiter am besten im Sinne der Firma arbeiteten, auch wenn sie sehr extrovertiert waren. Den meisten Ärger verursachten dagegen die Kontaktfreudigen, die nicht zuverlässig ihren Job machten. Diese Angestellten galten laut Witt häufig als schamlos oder rücksichtslos, unverantwortlich und am wenigsten effektiv.

Bei introvertierten Mitarbeitern dagegen hat die Einschätzung der Zuverlässigkeit nichts mit der wahren Job-Performance zu tun: "Introvertierte bekommen normalerweise wenig Ärger," sagt Witt. Denn wenn sie Probleme haben, bemerkt das der Chef meist gar nicht. Ihr Bemühen, nicht aufzufallen, lässt meist den Verdacht gar nicht aufkommen, dass sie kontraproduktiv arbeiten.

Diese Untersuchung soll Anlass für Unternehmen geben, schon beim Einstellungsgespräch besser darauf zu achten, was der neue Mitarbeiter wirklich wert ist: Wer immer auf alles eine Antwort hat, kann sich trotzdem zu einem Problemfall innerhalb der Firma entwickeln, weil er die anderen gleich wissen lässt, wenn es irgendwo Schwierigkeiten gibt.

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