Bewährungsprobe: Freundschaft auf dem Prüfstand

Selbst der Krebs brachte sie nicht auseinander
Jean-Paul und Christian in ihren alten Renntrikots von 1989

Fortsetzung...

Doch eines Tages ging es nicht weiter. „Von meinem Bruder hatte ich mir eine Mörderstrecke zusammenstellen lassen, und schon sehr früh merkte ich, dass Jean-Paul nicht mehr mitkam. Das war sehr ungewöhnlich, weil er immer so ein harter Hund war. Irgendwann lag er einen Kilometer hinter mir zurück. Als wir an einer Tankstelle Rast machten, setzte er sich auf den Boden und sagte, ich solle das Auto holen. Er war völlig entkräftet und saß noch so da, als ich die 60 Kilometer zum Auto geradelt und mit dem Wagen zurückgekommen war.“

Jean-Paul fasst sich gedankenverloren an die Halsbeuge. So, als zwicke ihn da die Erinnerung. Damals begann eine schwere Zeit. „Ich bin sofort zum Arzt, der konnte aber nichts feststellen. Ich hatte seit einem halben Jahr so kleine, geschwollene Lymphknötchen am Hals, aber alle sagten: Das ist die Folge einer Erkältung. Erst der fünfte Arzt überwies mich an einen Kollegen im Krankenhaus, der sofort eine Biopsie anordnete.“ Die Gewebeentnahme brachte die Diagnose: Morbus Hodgkin, Lymphdrüsenkrebs. Jean-Paul war 19.

Er bekam Termine für Chemotherapie und Bestrahlung. Eine schlimme Zeit, aber sie hatte ihr Gutes. „Seit damals weiß ich, wer meine wahren Freunde sind. Es waren die, die den Kontakt gehalten und sich informiert haben. In dieser Zeit haben sich viele Freunde nicht bei mir gemeldet. Sie wollten nicht stören, oder die Situation war ihnen peinlich. Da sitzt dann so ein Typ ohne Haare. Mir wäre das früher wohl auch so gegangen. Heute sehe ich das anders.

Heute gehe ich auf Leute zu, wenn sie krank sind.“ Christian gehörte zu den wenigen, die den Kontakt hielten, und er bewunderte Jean-Paul für den Durchhaltewillen, mit dem er auch diese schwere Bergetappe anging: „Es war sehr bald klar, dass Jean-Paul die Flucht nach vorne antreten würde. Er sagte: Ich werde gesund, ich studiere Sport, ich fahre wieder Rad. Und dann war es nur eine Frage der Zeit. Es war natürlich eine schwere Zeit.“

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