Nie mehr Angst?

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Dank Medikamenten fürchtete er weder Tod noch Teufel

Wissenschaftler haben einen molekularen Schalter im Gehirn gefunden, mit dem man vermutlich Angst abschalten kann. Jetzt suchen sie nach Medikamenten, um ihn zu steuern.

Keine Angst verspüren? Vielleicht ein Grund, sich endlich mal auf Bungee-Jumping oder Fallschirmspringen einzulassen. Ohne Angst mutig geworden würden sich aber viele in den Tod stürzen. Einen ganz anderen Stellenwert hat die Angstbekämpfung allerdings in der Medizin: Beispielsweise für Menschen, die unter Psychosen oder Panik-Attacken leiden.

Denen kann vielleicht bald geholfen werden: Denn Mark Barad und sein Team von der Universität von Kalifornien in Los Angeles behaupten, dass ein molekularer Schalter im Gehirn bei Angstzuständen eine wichtige Rolle spielt. Dieser Kalzium-Kanal, der von elektrischer Spannung beeinflusst wird, ist bereits seit einiger Zeit bekannt. Bisher hat man ihn aber nicht mit dem Mechanismus für Angstzustände in Verbindung gebracht.

Elektroschock
Die Wissenschaftler machten zum Beweis für ihre "Angstschalter-Theorie" folgenden Test: Sie brachten Versuchspersonen bei, einen bestimmten Ton zu fürchten, indem sie den Probanden gleichzeitig einen kleinen Elektroschock gaben. Damit konditionierten sie bei ihnen Angst. Diese bekamen die Getesteten auch, wenn sie nur den Ton hörten, aber keinen Schock bekamen.

Das Hirn aber ist lernfähig und baut die Angst wieder ab, wenn längere Zeit der Ton ohne die elektrische Stimulation auftritt. Nun gaben die Forscher den Testpersonen aber ein Medikament, das die Funktion des Angstschalters blockiert. Darauf hin lernten diese zwar noch, bei Ton und Elektroschock Angst zu bekommen, aber diese Angst vergaßen sie nicht mehr, auch wenn der Stromschlag ausblieb.

Damit erklärten die US-Wissenschaftler die Rolle des Kalziumkanals in der Angstverarbeitung: Sie vermuten nämlich, wenn der Kanal stimuliert anstatt blockiert würde, könnte das Gehirn von Menschen mit Angstzuständen leichter über die Furcht hinwegkommen.

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