Sportverletzungen: Knorpel und Schleimbeutel

Knorpel- und Schleimbeutelverletzungen
Bei schwereren Gelenkverletzungen kann auch der knorpelige Anteil beschädigt werden

Ein verletzter Gelenkknorpel verhindert, dass sich die Knochenenden reibungslos aufeinander bewegen

Verletzung von Knorpel in Gelenken und Gelenkflächen
Wo mehrere Knochen in einem Gelenk aufeinander treffen, sind sie mit einer harten, glatten Gelenk-Knorpelschicht überzogen (hyaliner Knorpel). Diese hat die Funktion, die Belastung ideal zu verteilen und die „Gelenkpartner“ (Knochenenden) davor zu schützen, dass sie aufeinander reiben und dadurch zerstört werden. Sie sorgt vielmehr für reibungslose, fließende Bewegungen. Bei schwereren Gelenkverletzungen kann auch dieser knorpelige Anteil Schaden nehmen.

Eine Verletzung des Knorpels tritt häufig im Kniegelenk auf
Ohne Knorpel reiben die Knochen ungeschützt aufeinander

Symptome: Wiederkehrender Schmerz, insbesondere bei Bewegung, Gelenkblockade und Schwellung im betreffenden Gelenk.

Ursachen: Fast jede Sportart, bei der eine Sturz- oder Aufprallgefahr besteht, etwa Fußball, Radfahren oder Skilaufen, birgt das Risiko einer Knorpelverletzung. Diese kann isoliert, aber auch kombiniert mit anderen Verletzungen, am Knie etwa mit einer Seitenband- oder Kreuzbandverletzung oder einer Meniskusverletzung auftreten.

Die Knorpelschädigung kann von großflächig bis hin zu mikroskopisch klein variieren. Personen mit vorangegangenen Meniskusproblemen neigen häufiger zu Schädigungen des hyalinen Gelenkknorpels, weil bei ihnen die Stoßdämpferfunktion eingeschränkt ist.

Übergewicht vermeiden: Diagnose und Sofortmaßnahme bei Gelenkknorpelverletzungen

Übergewicht und harte Sportarten wie Fußball und Tennis sind Gift für die Gelenkknorpel

Sofortmaßnahme: Befolgen Sie die PECH-Regel und suchen Sie einen Facharzt auf.

Diagnose: "Mit der Kernspintomografie erstellte Bilder entsprechen dem so genannten golden standard", sagt Dr. Johannes Holz, Facharzt für Orthopädie und Sportmedizin in Hamburg.

Vorbeugung: Übergewicht gar nicht erst entstehen lassen oder stark reduzieren. Gelenkschonende Sportarten (Velofahren, Schwimmen, Walken) den "harten Sportarten" wie Joggen, Tennis, Fußballspiel oder Kampfsportarten vorziehen.

Operation oft arthroskopisch: Therapie und Vorbeugung bei Gelenkknorpelverletzungen

Die Behandlungsmethoden reichen von konservativen Maßnahmen (z.B. Physiotherapie) bis hin zu Operationen mit dem Ziel, Knorpel zu ersetzen (Knorpelersatztechniken)

Je ausgeprägter die Knorpelverletzung, desto wahrscheinlicher muss operiert werden. Meist ist eine arthroskopische Operation ausreichend, nur selten wird die Verletzung so groß sein, dass „offen“ operiert werden muss. Sind biologische Reparaturmöglichkeiten ausgeschöpft, kommen etwa in Hüft-, Knie- und Schultergelenk Teil- oder Ganzprothesen zum Einsatz. Eine Prothese hat eine durchschnittliche Lebensdauer von bis zu 20 Jahren.

In schwerwiegenden Fällen droht die Versteifung
Können auch Prothesen nicht eingesetzt werden z.B. am Sprunggelenk, Großzehengrundgelenk, Fußwurzelknochengelenken, Fingerendgelenken, Hand- und Daumengelenken, muss unter Umständen das betroffene Gelenk versteift werden (Arthrodese).

Bei leichteren, aber auch begleitend zur Behandlung schwerer Knorpelverletzungen, kann die gezielte Einnahme von Medikamenten und Nahrungsergänzungsmitteln sinnvoll sein. „Kortison kann die aktuelle Entzündungsreaktion des Gelenks lindern, trägt aber nicht zur Reparatur des Knorpels bei“, so Dr. Holz aus Hamburg.

Hyaluronsäure gegen Schmerzen
„Auch Hyaluronsäure, direkt in das Gelenk injiziert, reduziert Gelenkschmerzen deutlich und macht damit Gelenke beweglicher. Besonders bewährt hat sich die Hyaluronsäuretherapie bei Patienten nach arthroskopischen Operationen. Über 80% der Patienten profitieren davon“, so Holz.

Neuere Studien lassen vermuten, dass die lokale Zufuhr von Hyaluronsäure nicht nur bestehende Beschwerden lindert, sondern auch den verschleißbedingten Abbau von Knorpel verlangsamt. Auch Enzyme und Vitamine, sowie Glucosamine und Chondroitin kommen als zusätzliche Behandlungsmaßnahmen zum Einsatz.

Knorpelverletzung im Sprunggelenk
Häufigste Ursache für Knorpelverletzung im Sprunggelenk ist ein Umknicken im oberen Sprunggelenk nach außen

Symptome und Ursache bei Knorpelverletzungen: Knorpelverletzung im Sprunggelenk

Wer häufig umknickt, erleidet Mikrotraumen im Knorpel und lassen das Gelenk irgendwann instabil werden

Häufiges Umknicken im oberen Sprunggelenk führt zu so genannten Mikrotraumen im Knorpel, die ihrerseits zu einer bleibenden Gelenkinstabilität führen können

Symptome: Akut bestehen eine schmerzhafte Schwellung, Belastungsschmerzen sowie Druckschmerzen über den verletzten Kapsel- und Bandstrukturen.

Ursachen: Häufigste Ursache ist ein Umknicken im oberen Sprunggelenk nach außen, ein so genanntes Supinationstrauma, mit Schädigung der Außenbänder des oberen Sprunggelenks.

Tapeverbände und die PECH-Regel einhalten: Maßnahmen und Diagnose bei Knorpelverletzungen im Sprunggelenk

Frische Knorpelverletzungen sind im Röntgenbild nicht einfach zu erkennen und deshalb schwer zu diagnostizieren

Sofortmaßnahme / Selbsthilfe: Sorgen Sie für PECH und den Einsatz von stabilisierenden Tapeverbänden und funktionellen Orthesen bis zur stabilen Ausheilung der Bandverletzung.

Diagnose: Die Diagnose ist oft schwierig, da frische Knorpelverletzungen im Röntgenbild nicht deutlich sichtbar sind. Machen der Unfallmechanismus und die Beschwerden eine Knorpelverletzung möglich, können Ultraschall und Kernspintomographie eingesetzt werden. Bleibt die Diagnose immer noch unklar, kann Gelenkspiegelung (Arthroskopie) des oberen Sprunggelenkes durchgeführt werden. Kleinere Knorpelbruchstücke lassen sich dabei direkt entfernen oder wieder anfügen und das Gelenk kann saubergespült werden.

Mit Prothesen beweglich bleiben: Therapie und Vorbeugung bei Knorpelverletzungen im Sprunggelenk

Ein kaputter Knorpel war noch vor ein paar Jahren irreparabel. Heute trägt man Eigenknorpel auf die betroffenen Stellen auf

Therapie: Bis vor wenigen Jahren konnte ein schwerer Knorpeldefekt im Sprunggelenk nur durch Versteifung (Arthrodese) behandelt werden. Heute kann die Transplantation eines Knorpel-Knochen-Zylinders aus dem Kniegelenk in das Sprunggelenk die Beweglichkeit erhalten (OATS des Talus).

Ist der Knorpelschaden so groß, dass auch eine Knorpelzell-Transplantation nicht ausreicht, können Prothesen (z.B. die neuartigen 3-Komponenten-Prothesen) mit einer sogenannten „mobile-bearing-platform“, also einer beweglichen Polyäthylenkomponente, für eine schmerzfreie Beweglichkeit im oberen Sprunggelenk sorgen.

Vorbeugung: Schaftverstärkte Sportschuhe bei risikoreichen Sportarten wie z.B. Basketball oder auch funktionelle Orthesen bzw.Tapeverbände verringern das Risiko dieser Verletzungsart. Und: Bei bereits erfolgter Verletzung kann gewissenhaftes Ausheilen der Bandverletzung eine Gelenkinstabilität und damit eine erneute Verletzung verhindern helfen.

Meniskus: Stoßdämpfer im Knie
Meniskus: Stoßdämpfer im Knie

Meniskusriss

Der Meniskus dient als Stoßdämpfer der Ober- und Unterschenkelknochen und schmiert die Gelenkeknorpel

Der Meniskus ist eine halbmondförmige Scheibe aus faserigem Knorpel. In jedem Kniegelenk befindet sich jeweils ein Innen- und Außenmeniskus. Die Menisken wirken als Stoßdämpfer zwischen Ober- und Unterschenkelknochen, stabilisieren das Kniegelenk und schmieren und ernähren den Gelenkknorpel. Der Innenmeniskus ist von Verletzungen wesentlich häufiger betroffen als der Außenmeniskus.

Symptome: Bei einer Meniskusverletzung kann es zu starken Schmerzen und einer Schwellung (Gelenkerguss) im Kniegelenk kommen. Haben sich Teile des verletzten Meniskus verschoben, können bestimmte Bewegungen im Knie nicht mehr ausgeführt werden (Blockieren). Häufig lässt sich das Knie dann nicht mehr beugen. Unbehandelte Meniskusverletzungen schädigen langfristig den Gelenkknorpel. Langfristig kann das zu einer Arthrose, einem Gelenkverschleiß, führen.

Ursachen: Vor allem Sportarten wie Fußball und Skilaufen können akut zu einem Meniskusriss führen. Langjährige, einfache sportliche Betätigungen wie Joggen belasten das Knorpelgewebe dagegen chronisch und können auf diese Weise einen Meniskusschaden bewirken.

Meniskusverletzungen können in Folge einer indirekten Gewalteinwirkung auftreten, vor allem dann, wenn Kräfte schräg auf das Knie einwirken, etwa durch eine plötzliche Drehbewegung. Auch durch eine starke Beugung des Kniegelenks, meist verbunden mit einer Rotation, kann es zu einer Verletzung des Meniskus kommen. Dabei kann er sich aus seiner Verankerung lösen oder einreißen.

Diagnose beim Meniskusriss

Wichtig für den Arzt: Eine genaue Beschreibung des Unfallhergangs und der Beschwerden

Diagnose Die Schilderung der Symptome sowie gegebenenfalls des Unfallhergangs gibt dem Arzt erste wichtige Hinweise. Auch verschiedene Funktionstests können auf eine Verletzung hinweisen. Bei Gelenkblockaden z.B. kommt es beim Drehen und Beugen des Kniegelenks oft zu einem typischen "Schnappgeräusch".

Oft werden Röntgen- und Ultraschalluntersuchungen durchgeführt. Wo genau die Verletzung lokalisiert ist und welches Ausmaß sie hat, kann letztlich jedoch nur mit Hilfe einer Kernspintomographie dargestellt werden.

Heilung selten von alleine: Therapie und Selbsthilfe beim Meniskusriss

Ein verletzter Meniskus heilt nur ganz selten von alleine, und auch nur dann, wenn die Verletzung sehr klein ist und der Riss sich an der durchbluteten Meniskusbasis befindet

Therapie: In den meisten Fällen hilft bei einem verletzten Meniskus nur eine Operation. Der Eingriff wird heute standardmäßig per Kniespiegelung (Arthroskopie), meist ambulant und unter Voll- oder Teilnarkose durchgeführt. Durch zwei nur wenige Millimeter lange Schnitte seitlich am Knie werden eine kleine Kamera und feine Operationsinstrumente in das Gelenk eingeführt. Der verletzte Meniskus kann so schonend an seinen Platz gebracht und fixiert oder ein Riss genäht beziehungsweise geschraubt oder geklammert werden. Oft ist es nötig, lose Meniskusteile zu entfernen (Teilresektion).

Vollständig entfernt wird der Meniskus nur in besonders schweren Fällen. Da ohne Meniskus die Gefahr der Gelenkabnutzung steigt, kann er durch einen künstlichen Kollagen-Meniskus ersetzt werden. Langzeit-Erfahrungen hierzu gibt es allerdings noch keine.

Es wird an der Möglichkeit gearbeitet, zu entfernende Meniskusteile durch künstliches Gewebe zu ersetzen (Transplantation). Dieses Gewebe regt den Körper an, meniskusartiges Gewebe zu bilden.
Auch Spendermenisken werden mittlerweile als Ersatz eingesetzt. „Allerdings befinden sich diese Verfahren noch in einem experimentellen Stadium und sind in Deutschland teilweise noch nicht zugelassen“, sagt Orthopäde Holz.

Komplikationen wie Blutung, Gelenkinfektionen, Nerven- und Gefäßverletzungen sind bei einer Meniskusoperation selten. Meist kann das Kniegelenk relativ schnell nach dem Eingriff wieder belastet werden.

Physiotherapeutische Maßnahmen, etwa Massagen, beschleunigen den Heilungsprozess. Insbesondere können sie die Bildung von Narben an Bändern und Sehnen verhindern.

Selbsthilfe
Ist das Knie angeschwollen, wenden Sie die PECH-Regel (Pause, Eis, Kompression, Hochlagerung) an und schonen Sie das verletzte Knie. Suchen Sie möglichst bald einen Orthopäden, am besten einen mit sportmedizinischer Zusatzqualifikation (einen Sportmediziner) auf. Stärken Sie die Ober- und Unterschenkelmuskulatur, sobald Sie wieder trainieren dürfen. Und: Gelenkschonender sind Sportarten wie Fahrradfahren und Schwimmen.

jeder Sport, bei der stumpfe Stöße und Stürze dazgehören, kann eine Schleimbeutelentzündung auslösen
jeder Sport, bei der stumpfe Stöße und Stürze dazgehören, kann eine Schleimbeutelentzündung auslösen

Schleimbeutelentzündung

Die Schleimbeutelentzündung ist die entzündliche Reaktion auf eine Reizung eines Schleimbeutels

Schleimbeutel befinden sich über Knochenvorsprüngen, wo sie als Puffer das Weichteilgewebe (Sehnen, Muskeln, Haut) vor mechanischer Belastung, z.B. Reibung, schützen. Besonders wichtig sind die Schleimbeutel an großen Gelenken (Schulter-, Ellenbogen- und Kniegelenk).

Symptome: Typisch sind Rötung, Überwärmung, eine tastbare Schwellung (durch Flüssigkeitsansammlung) und Schmerzen im betroffenen Gelenk und eine damit verbundene Bewegungseinschränkung.

Ursachen: Jede Sportart, bei der stumpfe Stöße und Stürze (Traumata) zur Ausübung dazu gehören, also von Fußball bis Kampfsport, kann eine Schleimbeutelentzündung, die so genannte Bursitis, als chronische Reaktion auf eine Einblutung nach sich ziehen.

Gefahr der Ausbreitung: Diagnose und Sofortmaßnahme bei einer Schleimbeutentzündung

Gefahr bei einer Schleimbeutelentzündung: Sie kann auf umliegendes Gewebe übergreifen

Sofortmaßnahme / Selbsthilfe: Schonung und Kühlung, unter Umständen auch die Ruhigstellung des Gelenks für ein paar Tage können die Beschwerden lindern. Bleiben die Symptome bestehen, sollten Sie unbedingt einen Orthopäden aufsuchen, um mit einer zügigen Heilung auch Folgeschäden zu vermeiden.

Bei einer nicht behandelten Bursitis kann die Entzündung auf umliegende Gewebe übergreifen, insbesondere wenn sich zur mechanischen Entzündung auch noch eine bakterielle Infektion dazugesellt hat. Und: Es können auch benachbarte Gelenke in Form von Fehlbelastungen in Mitleidenschaft gezogen werden. Im schlimmsten Fall kann es zu einer Versteifung des betroffenen Gelenkes kommen.

Diagnose: Art und Ausmaß der ausgeübten Sportart sowie die Beschwerden liefern schon gute Hinweise. Zur Bestätigung der Diagnose können außerdem Röntgenkontrastaufnahmen und Röntgenweichteilaufnahmen, aber auch die Sonografie und die Magnetresonanzuntersuchung beitragen.

Gelenkschoner benutzen: Therapie und Vorbeugung bei einer Schleimbeutelentzündung

Bei einer Schleimbeutelentzündung muss das Gelenk zur Ruhe kommen

Therapie: Schonung und Kühlung des betroffenen Gelenkes bleibt auch nach dem akuten Auftreten ein Muss. Entzündungshemmende Medikamente (so genannte nicht-steroidale Antirheumatika) unterbrechen den Reizzustand, reduzieren die Schmerzen und die Schwellung.

Sind Bakterien an der Entzündung beteiligt, müssen Antibiotika eingenommen werden. Dauert die Schleimbeutelentzündung zu lange an oder kehrt sie im selben Gelenk immer wieder (chronische Bursitis), kann die operative Entfernung des Schleimbeutels eine Option sein. Dies ist meist unproblematisch, weil die über dem Gelenk liegenden Weichteile sich der neuen mechanischen Situation anpassen können.

Die OP kann in örtlicher Betäubung oder in Vollnarkose durchgeführt werden. Nach der Behandlung sollte das Gelenk weiter geschont und durch gezielte Krankengymnastik wieder langsam an Bewegung gewöhnt werden.

Vorbeugung: Gehen Sie einer sportlichen Betätigung nach, bei der Ihre großen Gelenke stark beansprucht werden, sollten Sie sich von einem Orthopäden beraten lassen, ob Sie Gelenkschoner benötigen.

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