Verhütungs-Know-how: Kondome richtig überziehen

Damit es sicher schützt, müssen Sie einiges beachten
Manchmal ganz schön knifflig, aber mit Übung läuft auch im Eifer des Gefechts alles glatt

Aufreißen, rausholen, drüber. Oder? Was Sie beim Überziehen eines Kondoms beachten sollten

  1. Der richtige Zeitpunkt „Das Kondom sollte unmittelbar vor dem Geschlechtsverkehr über den erigierten Penis gestreift werden“, sagt Andreas Gloël, Diplom-Sozialpädagoge und Sexualpädagoge von Pro Familia in Hamburg. Und zwar bevor Sie zum ersten Mal in die Nähe der Schleimhäute Ihrer Partnerin kommen, denn: „Der Lusttropfen, der bereits vor dem Samenerguss austritt, kann schon mehrere Millionen Spermien enthalten.“ Auch beim Analsex sollten Sie ein Kondom verwenden. „Wenn das Sperma aus dem Darm herausläuft, hat es keinen weiten Weg bis zur Vagina“, erklärt der Experte. Und dann passiert womöglich im Nachhinein das, was sie vorher mit reichlich Latex verhindern wollten: Die Dame wird schwanger.
  2. Auspacken „Achten Sie darauf, dass beim Auspacken keine Spermien an Ihren Händen sind“, empfiehlt Gloël. „Sie können an der Luft mehrere Minuten überleben“. Außerdem wichtig: Schneiden Sie die Verpackung nicht mit der Schere auf, sondern reißen Sie einen schmalen Streifen am Rand ab. Auch andere spitze und scharfe Gegenstände wie Zähne, Schmuck, Piercings und raue Fingernägel können das Kondom beschädigen.
  3. Aufsetzen Greifen Sie das Kondom mit der richtigen Seite nach oben. „Der Zipfel des Kondoms muss nach oben zeigen und dabei die Rolle außen liegen“, sagt Gloël. Wenn die Rolle innen liegt: „Das Kondom nicht mit dem Finger umstülpen, sondern leicht hineinpusten, um es nicht zu beschädigen“. Davon, das Kondom schon vorher richtig herum bereit zu legen, rät der Experte ab: „In der Hülle ist es sicherer verwahrt und kann nicht austrocknen“. Beim Aufsetzen auf die Penisspitze muss der Zipfel nach oben zeigen. Wenn Sie es falsch herum aufgesetzt haben, rät Gloël: „Nehmen Sie ein neues, denn auf der Außenseite können dann schon Spermien vom Lusttropfen sein“. Deshalb: Immer mehrere Kondome dabei haben.
  4. Reservoir zusammendrücken Drücken Sie mit zwei Fingern den Zipfel zusammen. Denn im sogenannten Reservoir sollte Platz für das Sperma sein. „Wenn dort Luft ist, entsteht beim Samenerguss Druck und es besteht die Gefahr, dass es reißt“, sagt Gloël. „Außerdem läuft das Sperma dann den Schaft herunter und kann, wenn der Penis nach dem Samenerguss wieder schlaff wird, leicht herauslaufen.“
  5. Vorhaut zurückziehen Wenn Sie eine Vorhaut haben, sollten Sie diese zurückziehen. „Sonst lässt sich das Kondom oftmals nicht überziehen oder es spannt an der Spitze, wodurch ein höheres Risiko für Verhütungspannen entsteht“, erklärt Gloël. „Die Eichel ist außerdem bei vielen Männern eine der empfindlichsten Stellen.“ Ist sie von der Vorhaut bedeckt, empfinden Sie weniger Lust.
  6. Abrollen „Sobald das Kondom über die Eichel gerollt ist, ist das Reservoir luftdicht verschlossen und Sie können es loslassen“, sagt der Sexualpädagoge. Wenn Sie erst jetzt feststellen, dass Sie die Luft nicht herausgedrückt haben, nehmen Sie ein neues Kondom. Rollen Sie es bis zum Ende ab. „Es sollte sich relativ leicht abrollen lassen. Wenn nicht, können Sie sanft etwas mehr Druck auf den Ring anwenden“, rät Gloël. „Aber ziehen und zerren Sie nicht, sonst riskieren Sie, es zu beschädigen.“ Wenn es sich nicht leicht überstreifen lässt, haben Sie vielleicht nicht die richtige Größe oder Form.
  7. Gleitmittel„Um das Gleiten des Penis zu erleichtern, können Sie Gleitmittel verwenden“, sagt Gloël. Vor allem beim Analverkehr empfiehlt sich die Anwendung. „Aber auch beim Vaginalverkehr kann es helfen, denn manchmal bleibt die Scheide trocken, obwohl die Frau Lust empfindet“, so der Experte. Gleitmittel beugt auch dem Reißen des Kondoms vor, weil weniger Reibung entsteht. Achten Sie aber darauf, ein Gleitmittel auf Wasser- oder Silikonbasis zu verwenden. „Ölhaltige Gleitmittel beschädigen den Latex“, erklärt Gloël. „Es sollte ausdrücklich auf dem Gleitmittel stehen, dass es für Kondome geeignet ist“. Auch spermizide Cremes und Zäpfchen für die Vagina können dem Latex schaden. „Wenn nicht ausdrücklich in der Verpackungsbeilage steht, dass sie für Kondome geeignet sind, sollten Sie besser darauf verzichten“, empfiehlt der Experte.
  8. Nach dem Sex „Nach dem Samenerguss sollten Sie den Penis zügig herausziehen und dabei das Kondom am Ring festhalten“, so Gloël. Grund: Wenn der Penis wieder schlaff wird, kann das Kondom leicht abrutschen und Sperma herauslaufen. Nach dem Abziehen können Sie es prüfen: „Wenn Sie Wasser hineinlaufen lassen, sehen Sie ob es dicht gehalten hat“, so der Experte. Um es diskret zu entsorgen, können Sie es verknoten, sodass es nicht ausläuft und dann in Taschentücher oder Toilettenpapier einwickeln. Das Kondom gehört in den Hausmüll, nicht in die Toilette, da es sonst zu Verstopfungen kommen kann. „Danach sollten Sie sich am Penis und an den Händen gründlich waschen, vor allem, wenn Sie danach wieder zusammen sind“, rät Gloël.
  9. Das sollten Sie vermeiden Verwenden Sie Kondome nur ein Mal. „Wenn der Penis nach dem Samenerguss schlaff wird, verrutscht das Kondom. Wird er wieder steif, bilden sich Luftblasen“, erklärt Gloël. Der Druck, der dadurch entsteht, kann das Kondom beschädigen. Deshalb: Vor der zweiten Runde ein neues überstreifen. Aber auch, wenn der Geschlechtsverkehr länger dauert, empfiehlt der Experte: „Wenn Sie von Anal- zu Vaginalverkehr wechseln oder mehrfach die Stellung ändern, sollen Sie zwischendurch das Kondom tauschen“. Zwei Kondome übereinander jedoch bieten keinen erhöhten Schutz – im Gegenteil. Durch die Reibung aneinander werden sie beschädigt.

 

Damit es sicher schützt, müssen Sie einiges beachten
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Ein sicheres Kondom

Prüfzeichen „Achten Sie darauf, dass das Kondom auf der Verpackung das CE-Prüfzeichen trägt“, rät Gloël. Solche Kondome sind auf Dichte und Aufblasbarkeit getestet. Kondome ohne Prüfzeichen (wie z.B. Spaßkondome) sind keine sichere Verhütung.

Luftpolster Jedes Kondom wird mit einem Luftpolster in der Verpackung eingeschlossen. „Prüfen Sie, ob es noch da ist. Wenn nicht, ist ein Loch in der Verpackung und Sie sollten ein anderes nehmen“, so Gloël. Denn auch das Kondom kann dann beschädigt sein.

Haltbarkeitsdatum Ist das Haltbarkeitsdatum überschritten, sollten Sie das Kondom nicht mehr verwenden.

Beschädigung Wenn das Kondom zu heiß oder zu kalt geworden ist, kann das Material beschädigt sein. „Das lässt sich von außen leider nicht erkennen“, so Gloël. Daher: Fragen Sie sich, ob das Kondom zum Beispiel im Auto kälter als null oder in der Sonne heißer als 35 Grad geworden ist.

Übrigens: Wenn Sie das Kondom ausrollen, zum Beispiel zum Prüfen, können Sie es nicht mehr verwenden. „Sonst wird beim Überstreifen zu viel Luft eingeschlossen“, sagt der Experte.

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