Konzertkritik: Raul Paz in Geberlaune

Raul Paz
Seine weiblichen Fans greifen ihm gerne auch mal in die Haare: Der 1969 geborene Kubaner Raul Paz

Raul Paz stellt im Hamburger Club Mandarin sein neues Album vor und erweist sich als vorzüglicher Gastgeber

Für die Gäste gab's zunächst einen Schluck Rum, belegte Brötchen und zum Nachtisch Obst. Häh? Das dachten bestimmt die meisten Fans von Raul Paz im Hamburger Club Mandarin, als sie von der Band und ihrem líder vor dem Konzert persönlich verpflegt wurden. Auflösung: Die kubanisch anmutende Brotzeit war wohl für die Band gedacht, die aber anscheinend keinen Hunger hatte.

So ungezwungen ging es auch auf der Bühne weiter; der Kubaner witzelte zwischen seinen melodiösen Liedern mit der Band und dem Publikum. Der seit Jahren in Paris lebende Paz spielte fast sein gesamtes neues Album En Casa, wobei er sich musikalisch eng an die Studio-Versionen anlehnte. Obwohl nur etwa 60 Zuhörer umfassend, gelang es dem hüftschwingenden Publikum am Ende sogar, die fünfköpfige Band noch zwei Male für Zugaben auf die Bühne zurückzuholen. Dabei hatte das weitgehend deutsche Publikum ziemlich steif begonnen und wurde erst von Paz selbst näher an den Bühnenrand zum Tanzen gerufen.

Fazit: Klein, aber fein. Paz hat in Deutschland zwar bisher nur eine relativ geringe Anhängerschaft, aber da ist für ihn mehr drin – sein Stil, eine Mischung aus verträumtem Latino-Pop und traditionellem kubanischen Rhythmen, kommt in Deutschland an. Ein bisschen irritierend waren allerdings die Auswirkungen eines Exklusivertrags des Konzertveranstalters mit Tiger, eine asiatischen Biermarke. Wer ein Bier trinken wollte, musste ein Tiger bestellen – eine andere Marke gab es nicht. Aber wer trinkt auf einem Latino-Konzert schon Bier?

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