Ohne Vorwarnung: Plötzlich krank – was nun?

Männer leiden mehr als Frauen – Schuld ist das Immunsystem
Wenn Sie Kopfschmerzen bekommen, kurz bevor Sie kommen, müssen Sie schnellstens einen Neurologen aufsuchen oder den Notarzt rufen

Es geht Ihnen gut, Sie sind gesund. Das kann sich aber blitzschnell ändern. Lebensrettende Strategien für zwölf Krankheiten, die meist ganz plötzlich und ohne Vorwarnung zuschlagen.

Topfit war Gerald Asamoah, als er im September 1998 nach der Partie Hannover 96 gegen FC St. Pauli im VIP-Raum des Stadions zusammenbrach. Ein Schwindelanfall streckte den Fußballstar nieder. Als Ursache diagnostizierten die Ärzte eine angeborene Verdickung der Herzwände. Vorboten solch plötzlicher Erkrankungen gibt es kaum. Es kann jeden treffen, jederzeit. Trotzdem können Sie schneller und besser reagieren, wenn Sie Ihren Körper und mögliche Risiken kennen.

LUNGENKOLLAPS
Wahrscheinlichkeit, dass es Sie erwischt: 1:53
Typisches Alter: 15–35
Todesfälle pro Jahr*: 33

Von einem Augenblick zum nächsten macht ein stechender Schmerz jeden Atemzug zur Qual, trockener Husten das Luftholen zur Tortur. Der Grund: Lungenbläschen sind geplatzt, haben Luft in den Spalt zwischen Lunge und Brustkorb entweichen lassen. Teile Ihres Lungenflügels schnurren zusammen – Sie haben quasi einen Platten. Ganz besonders anfällig für den so genannten spontanen Pneumothorax sind Raucher.

Gefährlich wird es, wenn nicht nur die Lunge, sondern auch die Brustwand, zum Beispiel durch einen Messerstich, verletzt ist. Eingesogene Luft lässt den Lungenflügel binnen Sekunden auf Birnengröße zusammenschrumpfen. Der Luftdruck im Brustkorb steigt, es besteht die Gefahr eines Herzstillstandes – Zeit, den Notarzt rufen. Mittels einer Drainage saugt der die Luft aus dem Spalt zwischen der Lunge und dem Brustkorb. In schweren Fällen wird das Loch operativ geschlossen.

HERZRASEN
Wahrscheinlichkeit: 1:24
Typisches Alter: jedes
Todesfälle pro Jahr: 50

Sie liegen in der Badewanne, sitzen im Meeting oder stehen in der Westkurve des Stadions. Plötzlich, aus vollem Wohlbefinden heraus, wird Ihr Körper von einem Trommelwirbel erfüllt. Innerhalb weniger Sekunden schnellt Ihr Puls von 70 auf 220. Hinzu kommen Kopfschmerzen, Atemnot und Angst. Nach wenigen Minuten ist der Spuk wieder vorbei.

Paroxysmale Tachykardie nennen Ärzte dieses Phänomen. Gemeint sind Phasen plötzlicher Pulsbeschleunigung, die in jeder Situation und in jedem Alter auftreten können. Trotzdem ist Ihr Herz in Ordnung, negative Folgen sind nicht zu befürchten. Die Ursache ist eine vorübergehende Störung der Reizleitung.

Diese Verbindung bringt das Herz normalerweise koordiniert zum Schlagen. Tickt es aus, stoppen gezielte Reize auf den Vagus-Nerv das Herzrasen. Beispielsweise durch schnelles Trinken kalten Wassers oder gezielten Druck auf die Augäpfel. Tritt das Herzrasen häufiger auf, kann ein Eingriff per Herzkatheter erforderlich werden.

HIRNBLUTUNG
Wahrscheinlichkeit: 1:38
Typisches Alter: jedes
Todesfälle pro Jahr: 71

Sie kennen keinen Grund, warum Sie Ihre Partnerin mitten im Liebesspiel links liegen lassen sollten? Wir schon. Wenn Sie Kopfschmerzen bekommen, kurz bevor Sie kommen, müssen Sie schnellstens einen Neurologen aufsuchen oder den Notarzt rufen. Auch beim Heben schwerer Lasten oder beim Pressen auf dem WC treten in seltenen Fällen Hirnblutungen auf.

„Typisch dafür ist ein Kopfschmerz von noch niemals da gewesener Intensität“, erklärt Professor Helmuth Steinmetz, Direktor der Neurologischen Klinik der Universität Frankfurt. Ursache ist eine geplatzte, sackartige Ausstülpung der Wand einer Hirnarterie, von Medizinern Aneurysma genannt.

Diese Gefäßschwäche ist angeboren, eine Blutung kann in jedem Alter auftreten. Vorbeugung ist hier kaum möglich, da ein noch intaktes Hirnarterien-Aneurysma selten Symptome zeigt. „Schwere Folgeschäden lassen sich nur durch eine schnell eingeleitete Operation verhindern“, sagt der Experte. Dabei wird nicht nur die Blutung gestoppt, sondern darüber hinaus unter Druck geratenes Gehirngewebe entlastet.

ALLERGISCHER SCHOCK
Wahrscheinlichkeit: k. A.
Typisches Alter: jedes
Todesfälle pro Jahr: 4

Sie dachten, das Schlimmste was Ihnen beim Zahnarzt passieren könnte, sei eine Wurzelbehandlung? Falsch gedacht! Kurz nach einer Betäubungsspritze brennen Handteller und Fußsohlen, Hitze steigt in den Kopf, Sie ringen nach Luft, sehen, wie sich die Haut fleckig rötet. Weil der Zahnklempner hektisch nach einem Notarzt schreit, ahnen Sie, was passiert ist: Ihr Körper hat auf dieses Betäubungsmittel mit einem allergischen Schock reagiert.

Ihr Blutdruck sinkt dramatisch, der Kreislauf steht gleich still – akute Lebensgefahr. Auch auf andere Stoffe, beispielsweise Medikamente, Nahrungsmittel oder Insektengifte, kann der Körper so drastisch reagieren. Im Notfall helfen Wirkstoffe wie Adrenalin und Cortison. Wer weiß, dass er auf bestimmte Dinge so extrem reagiert, sollte für den Notfall immer ein (vom Arzt verordnetes) Spritzen-Set bei sich führen.

HÖRSTURZ
Wahrscheinlichkeit: 1:197
Typisches Alter: 15–40
Todesfälle pro Jahr: 0

Gerade waren Sie noch ganz Ohr, und auf einmal verstehen Sie nur noch die Hälfte? Dann hören Sie besser auf diesen Rat: Bei plötzlicher Schwerhörigkeit oder Ohrgeräuschen sollten Sie umgehend zum Arzt oder in eine Klinik gehen. Denn beides sind Zeichen für einen Hörsturz, eine Störung der Innenohrdurchblutung. Ursache: entweder Stress oder eine Virusinfektion.

Die Zellen im Innenohr können kritische Situationen für kurze Zeit unbeschadet überstehen. Zu den ersten medizinischen Maßnahmen gehören deshalb Infusionen mit Medikamenten, die die Blutversorgung im Innenohr verbessern. So weit muss es allerdings nicht kommen: Setzen Sie Ihr Gehör nicht übermäßigem Lärm aus. Vermeiden Sie Dauerstress und relaxen Sie durch Entspannungsübungen.

SCHWINDELANFALL
Wahrscheinlichkeit: 1:3
Typisches Alter: ab 25
Todesfälle pro Jahr: 0

Sie möchten gratis Karussell fahren? Das können Sie mit einer Drehschwindelattacke. Mitunter löst sich schon bei normalen Kopfbewegungen eines der winzigen Kristalle, die sich an den Gleichgewichtssensoren im Labyrinth des Innenohrs befinden – Ursache unbekannt. Das Gehirn erhält falsche Signale über die Körperlage, Sie fallen wie betrunken zu Boden, sind hilflos wie ein Baby und übergeben sich minutenlang immer wieder.

Durch eine gezielte Therapie verschwinden die Symptome allerdings in 95 Prozent der Fälle langfristig. Lagerungsübungen verschieben die losen Kristalle in Winkel des Gleichgewichtsorgans, wo sie keine Verwirrung stiften können. Da sich hinter Schwindelanfällen Herz-Kreislauf-Erkrankungen (siehe Gerald Asamoah) oder Durchblutungsstörungen des Gehirns verbergen können, ist ein Besuch beim Arzt Pflicht.

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