Krebs: 5 Fragen an Doktor Susanne Weg-Remers

Die Medizin der Zukunft: High-Tech gegen Krankheiten
Hat die Menschheit in 20 Jahren den Krebs im Griff?

Wir haben 3 Experten 5 Fragen zu den Krankheiten Krebs, Diabetes und Herzinfarkt und deren Ausmaße in der Zukunft gestellt. Lesen Sie hier die Antworten

Dr. Susanne Weg-Remers ist seit September 2012 Leiterin des Krebsinformationsdienstes am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg.

1. Nimmt die Anzahl der Erkrankungsfälle tendenziell eher zu oder ab?

Krebserkrankungen nehmen tendenziell zu. Das Robert-Koch-Institut geht 2016 von 500.000 Neuerkrankungen in Deutschland aus. Ein Grund dafür liegt im demografischen Wandel: Wir werden immer älter und entsprechend steigt das Risiko, dass im Laufe der Jahre eine unserer Zellen entartet und zu einem Tumor wird. Seit Jahren steigt die Erkrankungshäufigkeit von Lungen- und Hautkrebs an. Erst in den letzten 5 bis 10 Jahren ist ins Bewusstsein vorgedrungen, wie gefährlich Nikotin und UV-Strahlung (zu viel Sonne) sind.

2. Welches sind die größten Risikofaktoren?

Neben Nikotin und UV-Strahlung steigert auch ein hoher Konsum von rotem Fleisch, wie Schwein, Rind und Lamm, das Krebsrisiko. Aber Krebs bleibt auch immer eine Zufallserkrankung. Auch die genetische Veranlagung spielt bei vielen Krebsarten eine wichtige Rolle. 

3. Wie kann ich mein persönliches Risiko senken?

Durch regelmäßige Bewegung und eine gesunde, pflanzenreiche Kost. Beides entscheidet über die Stoffwechsellage und das Gewicht. Ein Verzicht auf Zigaretten und Sonnenbank versteht sich von selbst. Und ich rate dazu, Kinder gegen Hepatitis B und Humane Papillomviren zu impfen, die später unter anderem durch ungeschützten Geschlechtsverkehr übertragen werden können, und ebenfalls das Krebsrisiko erhöhen. 

4. Warum kriegen Ärzte die Erkrankung trotz intensiver Forschung bisher nicht in den Griff?

Krebszellen sind flexibel. Sie können sich tarnen und so dem körpereigenen Immunsystem entgehen. Zudem sind sie in der Lage durch biochemische Mechanismen Resistenzen gegen die Chemotherapie zu entwickeln, und zum Beispiel für einen schnelleren Abbau der Medikamente zu sorgen. Chemotherapeutika zielen zudem auf wachsende Zellen ab. Manche Krebszellen gehen jedoch während der Behandlung in eine Art Ruhestand – und werden plötzlich nach Jahren wieder aktiv. Dann kommt es zu einem Rückfall. 

5. Wie hat sich die Therapie in den letzten 20 Jahren verändert?

Die Therapie- und Operations-Möglichkeiten sind immer präziser und zum Teil auch nebenwirkungsärmer geworden.  Einschneidend war die Anti-Hormon-Therapie, zum Beispiel mit so genannten GnRH-Analoga bei hormonabhängigen Tumoren. Aber auch die Immuntherapie brachte große Fortschritte. Dabei werden mit geeigneten Medikamenten die körpereigenen Immunzellen auf Tumorzellen angesetzt, um diese zu vernichten. Und dank Angiogenesehemmern kann bei anderen Tumorarten die Bildung von neuen Blutgefäße unterbrochen und somit die Nährstoff- und Sauerstoffzufuhr zum Tumor unterbunden werden. 

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