Rückenschmerzen: Kreuzschmerz loswerden

Im Kampf gegen die Rückenschmerzen

Seit acht Jahren plagen Thomas starke Schmerzen im oberen Rücken. Frustriert wandte er sich an Men’s Help

Thomas Strumpf, Alter: 31, Beruf: Elektrotechniker-Meister
Vieles hat er ausprobiert: Er hat Orthopäden abgeklappert, ist endlos massiert und akupunktiert worden, hat Schwefelbäder und Spritzen erhalten. Nichts davon half ihm auf Dauer.

Vor der Therapie
Keine wirksame Therapie ohne eine gründliche Diagnose. Bevor also das Men’s-Help-Team bei Thomas auflaufen und die Rückenfreundlichkeit seines Alltags unter die Lupe nehmen kann, muss festgestellt werden: Was genau fehlt dem Mann?

Eineinhalb Tage nehmen sich unterschiedliche Experten der Rheumaklinik in Bad Füssing Zeit, um das herauszufinden. Das Haus ist darauf spezialisiert, Rückenprobleme mit Hilfe klassischer Methoden ebenso zu behandeln wie mit Chirotherapie, Osteopathie und Naturheilverfahren, auf die Schulmediziner erst in jüngster Zeit aufmerksam geworden sind.

Ihn plagen die Rückenschmerzen
Thomas hat uns den Hilferuf gesendet

Blockaden beseitigen
Um neun Uhr geht es los. Röntgenbilder werden ausgewertet, neurologische Ursachen für Thomas’ Beschwerden durch diverse Tests ausgeschlossen, blockierte oder überbewegliche Wirbel sowie verspannte Muskeln chirotherapeutisch aufgespürt. „Dieser Teil der Diagnose ist ganz entscheidend“, erklärt Oberarzt Dr. Peter Weber. „Mangelnde Beweglichkeit oder zu viel Spiel in den vielen Elementen der Wirbelsäule kann man mit keinem Apparat erkennen.“

Bei Thomas findet Weber unter anderem eine Blockade des Gelenks zwischen der ersten Rippe und dem dazugehörigen Wirbel. Mit der so genannten Manipulation (besser bekannt als Einrenken, obwohl diese Bezeichnung die Behandlung eigentlich nicht trifft) kann er das Gelenk wieder beweglich machen. Aber die Prozedur hat Thomas schon mehrfach erlebt: Wird die eigentliche Ursache nicht gefunden, klemmt das Gelenk früher oder später wieder.

Leiden, um die Schmerzen beseitigen zu können
Chirotherapie löst die Blockade im betroffenen Gelenk

Ursachen für Schmerzen: Auch der Kopf spielt eine Rolle

Im nächsten Schritt ermitteln die Therapeutinnen die Folgen für Thomas’ Schmerzen. Auch Stress ist ein Grund für seine Rückenprobleme

Angriff von zwei Seiten
Der Diagnose-Marathon ist noch längst nicht zu Ende. Nun ermitteln die leitende Physiotherapeutin Ulrike Roesch-Löhr und Sporttherapeutin Brigitte Prokaska mit mehreren zum Teil computergesteuerten Tests Kraft und Koordinationsfähigkeit der Rücken- und Bauchmuskulatur. „Wie bei vielen Menschen sind die großen Muskeln, Beweger genannt, bei Thomas nicht das Problem“, so Roesch-Löhr. „Aber die kleinen Muskeln, die Stabilisatoren, sind kraftlos.“ Dadurch sind die großen Muskeln ständig überlastet. „Irgendwer muss den Kopf ja halten“, erklärt Roesch-Löhr. „Eigentlich sollten dies die Stabilisatoren in den Schulterblättern leisten, doch die sind bei Thomas so schlapp, dass die Nacken- und Schultermuskulatur einspringen muss.“

Folge: Sie verspannt und verursacht Schmerzen. Verstärkt werden die Beschwerden durch nächtliches Zähneknirschen, das Thomas nie als ernstes Problem eingeschätzt hatte. „Meine Frau hat sich zwar beschwert, wenn es mal stärker war, aber sonst habe ich mich nicht damit beschäftigt“, sagt er.

Was er nicht wusste: Die Kiefermuskeln gehören zu den stärksten im Körper. Pressen sie stundenlang die Zähne aufeinander, kann sich die Spannung durch den Körper bis zu einer persönlichen Schwachstelle fortsetzen – bei Thomas der obere Rücken. Kieferorthopäden wissen von Fällen, in denen Hüftprobleme erst verschwanden, nachdem das Knirschen beseitigt wurde. Manchmal geht das mit dünnen Plastikschienen, die Patienten nachts auf ihre Zähne stecken. Doch meist ist es wichtiger, die Ursache für das Knirschen zu beseitigen: Stress.

Stress als Auslöser
Da psychische Probleme bei Rückenbeschwerden fast immer eine Rolle spielen, gehört zur Untersuchung auch ein Gespräch mit einem Psychologen. Bei Thomas zeigt sich, dass der Beginn seiner Probleme nicht rein zufällig mit der aufreibenden Zeit zusammenfällt, in der er seinen Meister gemacht hat. Der Stress von damals ist längst Geschichte, das Problem ist geblieben. Dennoch: Es gibt immer wieder anstrengende Zeiten, vor allem wenn demnächst sein zweites Kind auf der Welt ist. An Thomas ergeht darum der gleiche Rat, den man pauschal allen Männern geben kann: Finde eine für dich funktionierende Entspannungsmethode und trainiere sie, damit sie auch unter Druck praktizierbar ist.

Klettern gegen die Schmerzen
Mit Klettern die schwachen Rückenmuskeln aufbauen

Leicht vermeidbar: Schmerzen durch Fehler im Alltag

Nachdem die Ursachen gefunden sind, geht es jetzt an’s Werk. Thomas bekommt Übungen und Tipps für den Alltag

rong>Training für die Muskeln
Der folgende Morgen ist der Therapie gewidmet. Thomas erlernt Übungen mit und ohne Geräten, mit denen er die schwachen Muskeln trainiert. Besonders begeistert ist er von der Kletterwand. „Ich habe notiert, welche Griffe ich brauche – die werde ich mir zu Hause an die Garagenwand schrauben.“ Außerdem ist Nordic Walking für ihn ideal – solange er die Stöcke auch kräftig einsetzt.

Einen Tag später im 400 Kilometer entfernten Hesselbach, Thomas’ Heimat: Physiotherapeutin Roesch-Löhr trifft ein, um sich Thomas’ Alltag ganz genau anzuschauen. Zwar hat die Rheumaklinik extra einen Raum eingerichtet, in dem man die wichtigsten Tätigkeiten nachstellen und die korrekten Bewegungen üben kann. Aber zu Hause fallen Patienten oft wieder in alte Gewohnheiten. Dies bestätigt Thomas sofort.

Alltag unter der Lupe
Kaum sitzt er am Schreibtisch, sackt er leicht zusammen. Die Fachfrau wundert das nicht: „Für einen aufrechten Sitz hat er noch nicht genug Kraft.“ Doch gerade im Alltag muss einem die richtige Haltung in Fleisch und Blut übergehen – Krankengymnastik allein kann es nicht richten. Roesch-Löhr greift in die Trickkiste: Sie korrigiert Thomas’ Haltung (siehe unten) und klebt ihm ein großes Kreuz aus Tapeband auf den nackten Rücken. Wenn er jetzt unbewusst einsackt, erinnert ihn das Ziepen der Haut daran, sich wieder aufzurichten. Natürlich soll man nicht stundenlang steif auf dem Bürostuhl sitzen. Im Gegenteil, es ist wichtig, sich viel zu bewegen.

Sitzhilfe für’s Büro
Dabei hilft ein Dynair-Kissen (im Sanitätshaus), das wie ein wabbeliges Frisbee aussieht und auf die Sitzfläche gelegt wird. Das wackelige Luftpolster unterm Po sorgt konstant für Bewegung in der Wirbelsäule und zwingt die umliegenden Muskeln zur Ausgleichsarbeit. „Soll übrigens auch das Denken anregen“, sagt die Physiotherapeutin. Zudem empfiehlt sie Thomas, die Unterarme aufzustützen, um den Nacken von dem Gewicht zu entlasten. Danach muss Thomas in seinen Wagen steigen, mit dem er jeden Tag etwa 1,5 Stunden fährt. „Oje!“, kommentiert Roesch-Löhr die Liegestuhlposition, die Thomas sich eingestellt hat. „Das war die einzig bequeme Stellung für mich“, verteidigt er sich. „Klar, alles andere ist anstrengend“, sagt sie und zeigt, wie er künftig sitzen sollte.

Alltagsfehler
Beim Tragen seiner Tochter Amelie sieht sie dagegen keine Probleme, nur das Bugsieren der Kleinen ins Auto ist knifflig, weil Thomas dafür gleichzeitig die Last des Kindes heben, sich beugen und drehen muss. Im Schlafzimmer geht die Prüfung weiter. Thomas muss sich mit nacktem Oberkörper in seiner bevorzugten Position ins Bett legen. Auf der Seite liegend sollte seine Wirbelsäule waagerecht sein, doch sie hängt im unteren Rippenbereich durch. Am Lattenrost liegt es nicht, stellt die Expertin fest. Es ist ein hochwertiges Modell und perfekt eingestellt, um Becken und Schultern einsinken zu lassen und die Körpermitte zu stützen. Doch das funktioniert nur, wenn die Matratze nicht so weich ist wie die von Thomas.

„Ursache für seine Probleme ist das jedoch nicht“, sagt sie. Thomas bestätigt: „Morgens habe ich nie Schmerzen.“ Dennoch sollte er mal über eine neue Matratze nachdenken, um seinen Rücken nicht unnötig zu plagen. Roesch-Löhr rät, nur in einem Geschäft zu kaufen, das mindestens drei Wochen Probeschlafen zulässt.

Fehler schleichen sich schnell und überall ein
Thomas lernt von der Therauptin beim Sitzen die richtige Haltung zu haben

Thomas kämpft schon: So können auch Sie aktiv werden

Die Therapeutin fast nach drei Tagen mit Thomas seine Probleme zusammen. Außerdem bekommen Sie Tipps für die schnelle Hilfe bei Rückenschmerzen

Jetzt geht’s erst los
Beim Kaffee fasst die Physiotherapeutin zusammen, was die vergangenen drei Tage ergeben haben: „Bei Thomas kommen drei Probleme zusammen, die sich alle im oberen Rücken bemerkbar machen: die schlappe Muskulatur, das Knirschen und das blockierte Rippen-Wirbel-Gelenk.“ Wenn er sowohl das Muskel- und Entspannungs-Training durchzieht als auch bei den Alltagsbewegungen auf richtige Haltung achtet, wird er die ersten beiden Punkte sicher los. Ob dann auch die Gelenkblockaden dauerhaft ausbleiben, muss sich zeigen. Roesch-Löhr: „Die Ursache für diese Störungen könnte auch bei einem inneren Organ liegen, aber erst mal kümmern wir uns um die nahe liegenden Dinge.“ Sollte Thomas trotz aller Anstrengungen weiter Schmerzen haben, sind die Experten der Klinik also noch nicht mit ihrem Latein am Ende.

Fehler schleichen sich schnell und überall ein
Auch im Privatleben lernt er Fehler mit kleinen Tricks zu vermeiden

Einsatz mit Sofortwirkung
Und so können Sie ihren Rückenschmerzen entgegenwirken
1. Sitzen: Füße hüftbreit auseinander auf den Boden stellen, Zehen leicht ausgedreht. Die Knie befinden sich über den Fußgelenken und zeigen in Richtung Fußspitzen. Rücken nicht anlehnen, sondern aufrecht halten, Schultern zurücknehmen und nach unten bringen
2. Autofahren: Rückenlehne aufrecht einstellen. Ein über dem Hosenbund platziertes Lordosekissen (gibt es im Sanitätshaus) ermöglicht es, sich anzulehnen, ohne einzusacken. Ellenbogen nicht durchstrecken
3. Heben: Lasten zu bewegen, wie ein Kind, erfordert einen festen Stand (Füße etwas weiter als hüftbreit). Knie beugen, so bleibt der Rücken gerade (gelingt Thomas hier nicht ganz)
4. Lümmeln: So wie Thomas liegen viele Männer auf dem Sofa, obwohl es den Nacken arg belastet. Roesch-Löhr: „Nur wer sonst auf seine Haltung achtet, kann sich das erlauben“

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