Berufliches Sprungbrett: Job, Coach und Sieg

Im Job geht es nicht voran? Ein Coach kann Sie weiterbringen

Was haben Fußballer und Top-Manager gemeinsam? Den Trainer, der das Beste aus ihnen herausholt. Auch Ihnen kann ein Coach beruflich auf die Sprünge helfen

Stillstand im Job und absolut keine Ahnung, wie’s weitergehen soll? Dann wird es höchste Zeit für ein klärendes Gespräch. Wer clever ist, setzt auch auf neutrale Ratgeber. Coaching heißt das Geheimnis Ihres künftigen Erfolgs. Denn die individuelle Karriereberatung, lange Zeit nur eine Zauberformel für Führungskräfte, ist mittlerweile zum bezahlbaren Erfolgsturbo für all diejenigen geworden, die sich verändern und weiterkommen wollen. Das ist so wie beim Fußball: Der Trainer erkennt und fördert das Talent eines Spielers, um ihn schließlich optimal einzusetzen. Aber Achtung: Nicht alle Karriereberater halten, was sie motivationsduselig versprechen.

Was ist ein Coach?
Ein Coach ist eine Person, die so wie Völler, Sammer, Hitzfeld und Co. Ihre Fähigkeiten analysiert, die Stärken stärkt und die Schwächen – so weit es irgendwie geht – ausmerzt. Seriöse Karriere-, Berufs- oder Laufbahnberater arbeiten weder marktschreierisch im Fernsehen noch in überfüllten Hallen (ganz im Gegensatz zu den auf billige Effekte zielenden, spektakulären Auftritten von Coaches wie Emil „Dschakka, du schaffst es“ Ratelband oder Jürgen Höller, der verspricht, jeden zum Millionär zu machen). Diese TV-Prediger verkünden lautstark ihre Erfolgsgarantien mit dem jeweils tagesaktuellen Rezept. Aber was, wenn das nun gerade nicht passt? Dann wären Sie nicht der Erste, der mit den Pauschalangeboten der prominenten Motivatoren nichts anfangen kann. Investieren Sie lieber in eine individuelle Beratung – Sie sind es wert.

Ein guter Coach brabbelt nicht euphorisch über Motivation, sondern erforscht sachlich Ihre aktuelle Situation. Er macht Ihnen Mut und spornt Sie an, hinterfragt jedoch auch kritisch, ob etwa die ausbleibende Beförderung tatsächlich Ihr Problem ist.

„In zahlreichen Fällen hat die notorische Unzufriedenheit vollkommen andere Ursachen“, sagt der Arbeitspsychologe und Coach Christopher Rauen aus Goldenstedt. Mit ehrlichem, manchmal unangenehmem Feedback leistet der Berater sozusagen Entwicklungshilfe. Oft wird dem Klienten dann schlagartig klar, wo eigentlich das Problem liegt.

Für wen lohnt sich Coaching?
Ob Bankangestellter, Vertreter oder Lehrstellensuchender – eine qualifizierte Strategieberatung erhöht die Chancen für das berufliche Vorankommen in fast jeder Branche und Position. Das bestätigt auch die Buxtehuder LaufbahnBeraterin Bärbel Löwe, die Klienten vom Manager bis zum Langzeitarbeitslosen betreut. Wichtigste Voraussetzung: ehrlicher Wunsch nach Veränderung.

Wann ist es an der Zeit für ein Coaching?
Wenn Ihr Job zur Qual wird. Es ist erstaunlich, wie lange Männer in einem unbefriedigenden Job ausharren, bevor sie sich Rat holen. „Leider kommen viele erst, wenn sie bereits vollkommen frustriert sind“, erzählt die Karriereberaterin Iris Baeuerle von der Hamburger Westerwelle Consulting und Media AG. „Oftmals kommen sie dann wegen eines akuten Problems – Reibereien mit den Vorgesetzten und Mitarbeitern oder weil sie dauernd Überstunden schieben und trotzdem niemals ihr Pensum schaffen“, sagt sie. Die meisten wissen zwar ganz genau, was sie nicht mehr wollen; was sie jedoch stattdessen wollen, wissen sie nicht. Immer größer wird, so Baeuerle, auch die Zahl derer, die sich wegen Dauerstress und Überlastung vollkommen ausgepowert fühlen, weil Sie sich mit Haut und Haaren der Karriere hingegeben haben.

Wie findet man den passenden Coach?
Keine einfache Aufgabe in einem Markt, der keinerlei Gesetzmäßigkeiten kennt. Denn wem es heute einfällt, der darf sich morgen Coach nennen – der Titel ist nicht geschützt, und eine Qualitätssicherung gibt es nicht. „Am verlässlichsten ist Mund-zu-Mund-Propaganda“, erklärt Job-Coach Christopher Rauen. Wer darauf nicht zurückgreifen kann, sollte nach Ausbildung und Referenzen des Beraters fragen.

Spezielle Branchenkentnisse sind nicht zwingend notwendig, schließlich plant nicht der Berater den weiteren Werdegang, sondern der Klient selbst, wie Rauen betont: „Ein Coach leistet Hilfe zur Selbsthilfe.“ Der Fußballer muss den Ball schließlich auch alleine reinkriegen. Lassen Sie sich in jedem Fall das Trainingskonzept erklären. Gelingt es dem Experten nicht, seine Methode überzeugend zu erklären, sind Sie bei ihm an der falschen Adresse.

Und fragen Sie in jedem Fall nach dem Zeitraum einer möglichen Zusammenarbeit. „Eindeutige Vereinbarungen sind unbedingt erforderlich, denn Ziel eines guten Coaches muss es sein, sich über kurz oder lang überflüssig zu machen“, sagt Rauen.

Wie erkennt man, ob es der richtige Coach ist?
Auch wenn der Schwerpunkt der Beratung auf dem Beruflichen liegt, werden natürlich auch immer persönliche Themen gestreift. Das setzt Vertrauen voraus – einer unsympathischen Person schüttet man schließlich nicht sein Herz aus, mag sie noch so sehr eine Kapazität ihres Faches sein. Fragen Sie sich also beizeiten: Liegt mir der Coach auch menschlich? Fühle ich mich verstanden? Spricht er meine Sprache oder hat er einen komplizierten Fachjargon drauf? Ein kostenloses Erstgespräch zum gegenseitigen Beschnuppern ist deshalb ebenso ein Muss wie eine anschließende Bedenkzeit, innerhalb derer beide Seiten prüfen, ob sie sich vertraglich für eine Zusammenarbeit entscheiden.

Und wie gestaltet sich die Zusammenarbeit?
Wenn Sie einen Vertrag unterzeichnet haben, geht es zunächst um die Ausgangslage. Der Berater macht sich ein Bild von der aktuellen Situation seines Klienten, von seinen Problemen und Wünschen. Vielleicht versucht er erst einmal, Ihren angestauten Frust abzubauen. Da genügen manchmal kleine Tricks, mit denen man versucht, Schwierigkeiten aus einer anderen Perspektive zu betrachten, ganz nach dem Motto: So werden Sie vom Opfer zum Macher.

Dann wird der Fachmann die Zusammenhänge analysieren. Viele Klienten wundern sich, wie viel sie noch über sich selbst erfahren können – beispielsweise, welche bislang nur privat ausgelebten Fähigkeiten auch im Joballtag brauchbar sein könnten. Viele Männer wissen gar nicht, welche Stärken sie haben. Und auf einmal entdeckt der Coach, dass Sie das Zeug zum Verkäufer haben, weil Sie in Ihrer Freizeit noch jede durchgerostete Schrottlaube an den Mann gebracht haben, oder Nerven wie Drahtseile besitzen, wenn Sie mit einer Engelsgeduld Ihre Rasselbande beim Minikick im Park trainieren.

Im Anschluss folgt der häufig schwierigste Teil des Coachings: die Suche nach einer handfesten Zukunftsperspektive. Coach und Klient vereinbaren, was das Optimum ist, und suchen danach Wege, um vom Ist- zum Ideal-Zustand zu gelangen. Ein guter Coach diktiert seinem Klienten dabei nichts in die Feder, indem er vorgibt, er müsste unbedingt Autoverkäufer werden. Er unterstützt den Selbstfindungsprozess, manchmal vielleicht mit einem sanften Schubser. Mehr ist selten nötig. „Ist das Ziel erst mal klar, fällt’s den meisten wie Schuppen von den Augen, und sie wissen genau, was zu tun ist“, weiß Christopher Rauen aus seiner Praxis.

Wie lange dauert es – und was kostet das?
Klassisches Coaching bedeutet professionelle Begleitung über einen längeren Zeitraum – in der Regel über sechs bis acht Monate mit bis zu zehn Sitzungen. „Die Veränderung erfordert eben ihre Zeit“, weiß Job-Coach Rauen.

Und die hat ihren Preis: Die Stundensätze der Berater variieren zwischen 200 und 800 Mark, die sich im Nachhinein allerdings als Weiterbildungskosten beim Finanzamt absetzen lassen. Die Zusammenarbeit muss jedoch nicht immer über Monate gehen. Viele Berater bieten auch Einzelsitzungen nur für eine Potenzialanalyse oder Bewerbungsberatung an.

Infos Zum Thema Coaching
Internet: www.coaching-report.de

Bücher: Britt A. Wrede: „So finden Sie den richtigen Coach“ (Campus-Verlag, 22,49 Euro); „Handbuch Coaching“ (Hogrefe, 44,99 Euro).

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