Männer auf Sinnsuche: Dem Leben einen Sinn geben

Männer auf Sinnsuche
Es gibt (fast) kein Entkommen: Das Leben eines jeden Mannes ist in Phasen eingeteilt

Wir werden immer älter und streben nach Eigenkompetenz und persönlicher Integrität

5. Wir werden alle wie Sokrates. Um die erweiterte Lebensspanne bewusst zu gestalten und zu genießen, brauchen wir andere Werte und kognitive Fähigkeiten für unsere Lebenssinn-Gestaltung. Nach dem kosmopolitischen Weisheitsforscher Paul Bates bestehen die Tools für eine andere Kultur des Alterns im so genannten SOKrates-Prinzip: Selektion, Optimierung, Kompensation.

Selektion: In zunehmendem Alter ist "Alles" keine gute Option mehr. Man muss auswählen, Wichtiges von Unwichtigem unterscheiden.

Optimierung: Ein Genuss ist nur ein Genuss, wenn wir uns auf ihn konzentrieren. Die moderne Konsumgesellschaft ist aber eine überladene Gesellschaft – wir tun zu viel auf einmal, und was wir tun, tun wir nicht richtig. Wenn man älter wird, kann man wieder in die Tiefe gehen. Dazu gehört die Sorgfalt der Langsamkeit, die Verschwendung vermeidet.

Kompensation: Wie wir es auch drehen und wenden – das Alter geht mit Einschränkungen einher, wir sind weniger flexibel. Kunst und Kultur können dies kompensieren, weil sich in ihnen Reife ausdrückt und sie als Brücken in die Zukunft dienen können. Dieses SOKrates-Prinzip kann man auch als "Entschleunigung – Auswahlkompetenz – Konzentration auf das Wesentliche" lesen.

6. Wir können alle bessere Menschen werden
Nach dem Wellness-Begriff, der von unserem Bedürfnis nach Selbstverwöhnung kündete, entwickelt sich nun Selfness – das Streben nach mehr Eigenkompetenz und persönlicher Integrität. War Wellness von passivem Verwöhnen geprägt, so steht Selfness für Selbstveränderung, für Verbesserung unserer kognitiven Fähigkeiten, für Reife und die Mobilisierung jener Kräfte, mit denen das Neue, der Wandel, das Wachstum entsteht.

Edward de Bono plädiert in seinem Buch How to Have a Beautiful Mind dafür, dass nicht nur körperliche Attraktivität zählt, sondern auch ein schöner Geist: "Wenn wir unseren Geist schöner machen wollen, dann sind wir durchaus dazu in der Lage ... indem wir unseren Geist öffnen und in Konversation treten."

Eine Perspektive, die sich nicht ganz mit der Idee von Donald Sutherland deckt: "Das Leben sollte mit dem Tod beginnen, nicht andersherum. Zuerst gehst du ins Altersheim, wirst dort herausgeworfen, spielst ein paar Jahre Golf, kriegst eine goldene Uhr und beginnst zu arbeiten. Anschließend gehst du auf die Uni und genießt das Studentenleben mit einem Haufen Lebenserfahrung. Nach der Schule spielst du fünf, sechs Jahre, dümpelst neun Monate in einer Gebärmutter und beendest dein Leben als Orgasmus."

Unser Leben im Wissenszeitalter
Während unsere Eltern im Industriezeitalter oft nur drei große Lebenszyklen hatten – Jugend und Ausbildung, Beruf und Familie, Ruhestand und Rente – durchleben wir heute im Wissenszeitalter meist mehrere Phasen: In der Jugend wird gelernt und werden erste, oft romantische Beziehungen geknüpft, die nicht automatisch zu einer Ehe führen.

In der zweiten Phase ab 30 Jahren wird eine Familie aufgebaut und ein erster Beruf ausgeübt. Dann kann es mit 40 oder 45 Jahren zu einer Neuorientierung kommen, sowohl in der Liebesbeziehung als auch im Beruf.

In der dritten Partner-Phase treffen wir verstärkt auf Patchwork-Familien, die Partner und Kinder aus verschiedenen Beziehungen umfassen. Ab 60 setzt ein dritter Lernzyklus ein, zum Beispiel ein spätes Studium oder die Hinwendung zu Kunst und Kultur. Daraus kann sogar ein dritter Beruf entstehen, als Mentor, Berater oder sogar im Einsatz für karitative Zwecke. Der Lebenszenit verschiebt sich von früher 35 Jahren jetzt auf 50 Jahre.

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