Themenspecial: LOGI & Alkohol

Alkohol kann, wenn man ihn in Maßen genießt, beim Abnehmen helfen
0,4 Liter Wein oder 1 Liter Bier pro Tag haben für Männer mehr gesundheitliche Vor- als Nachteile

LOGI-Guru Dr. Nicolai Worm beantwortet Fragen zum Thema Alkohol und gibt Entwarnung: Alkohol steigert das "guten" HDL-Cholesterin

Worin besteht denn die schützende Wirkung des Alkohols?
Dr. Nikolai Worm: Gut belegt ist vor allem der Effekt auf die Blutfette, nämlich die Steigerung des „guten“ HDL-Cholesterins. Werden beim Alkoholgenuss weniger Kohlenhydrate gegessen, so dass insgesamt gleich viele Kalorien verzehrt werden, ist der Effekt sogar noch größer, da dann das „schlechte“ LDL-Cholesterin und die Triglyceride sinken. Ebenfalls gut untersucht sind die verringerte Gerinnungsneigung des Blutes durch Alkohol und seine entzündungshemmende Wirkung. All das wirkt sich positiv auf das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen aus. Darüber hinaus macht Alkohol die Zellen empfindlicher für Insulin und wirkt auf die Art Diabetes und seinen vielen Folgeerkrankungen entgegen.

Mit welcher Menge Alkohol kann man diese Wirkung erreichen?
Dr. Nikolai Worm: Nach neuesten Analysen haben Männer mit bis zu 40 Gramm Alkohol pro Tag mehr Nutzen als Risiken, Frauen bis 28 Gramm. Das entspricht bei Männern etwa 0,4 Liter Wein oder gut 1 Liter Bier oder 100 Milliliter Hochprozentigem. Wer mehr trinkt, erhöht sein Risiko vor allem für Krebserkrankungen des oberen Verdauungstraktes und für Leberschädigungen. Man darf dabei jedoch nicht vergessen: Das alles ist Statistik – individuell kann die Sache auch ganz anders aussehen.

Das heißt, man sollte sich nicht um der Gesundheit willen zwingen, diese Mengen zu trinken?
Dr. Nikolai Worm: Auf keinen Fall! Wer Alkohol gar nicht mag oder nicht jeden Tag, der sollte seinem Körper vertrauen. Sehr viel häufiger scheinen die Menschen allerdings besorgt zu sein, dass es sie süchtig machen würde, jeden Tag so viel Alkohol zu trinken. Diese Menschen kann man beruhigen. Übrigens: Sich die täglich erlaubte Menge aufzusparen und dafür dann samstags das Siebenfache zu kippen, bringt natürlich nichts für die Gesundheit, ganz im Gegenteil. Denn viel hilft nicht viel, sondern schadet Ihnen.

Schützt die entzündungshemmende Wirkung von Alkohol auch vor chronischen Erkrankungen wie Rheuma?
Dr. Nikolai Worm: Das ist bisher nicht bekannt. Es zeigt sich aber, dass moderater Alkoholgenuss davor schützt, an Alzheimer zu erkranken.

Und es ist wirklich egal, ob ein Mann seine 35 Gramm Alkohol täglich als Schnaps, Bier oder Wein trinkt?
Dr. Nikolai Worm: Nicht ganz. Je konzentrierter Alkohol ist – und übrigens auch: je heißer er getrunken wird –, desto größer ist die Gefahr von Schäden an den Schleimhäuten im oberen Verdauungstrakt, die langfristig zu Krebs führen können. Das spricht gegen Hochprozentiges wie Schnaps, jedenfalls puren.

Aber hat sich nicht in vielen Studien der Wein als überlegen gezeigt?
Dr. Nikolai Worm: Durchaus, allerdings liegt das wahrscheinlich daran, dass Wein am ehesten so getrunken wird, wie es am günstigsten zu sein scheint: regelmäßig, mäßig und zu den Mahlzeiten. Darüber hinaus ist es auch so, dass Weintrinker häufiger gebildet sind, ein höheres Einkommen haben, sich gut ernähren, Sport treiben und eher Nichtraucher sind als die Freunde anderer alkoholischer Getränke. Eliminiert man diese Verfälschung des Ergebnisses, verschwindet die Überlegenheit des Weines in einigen Studien, in anderen aber nicht. Die Datenlage ist uneinheitlich.

Alkohol hat einiges an Kalorien, er regt den Appetit an, hemmt die Fettverbrennung. Züchtet man sich nicht eine Wampe, wenn man täglich trinkt?
Dr. Nikolai Worm: Auch in diesem Punkt sind die Studien uneinheitlich. Manche kommen in der Tat zu dem Ergebnis, dass täglicher Alkoholkonsum dick macht. In anderen Untersuchungen kommt genau das Gegenteil heraus. Frauen, die moderate Mengen Alkohol trinken, sind eher schlank, bei Männern ist es umgekehrt.

Könnten die Weintrinker nicht auch schlanker sein, weil ein Roter ein langsames, genüssliches Essen fördert?
Dr. Nikolai Worm: Denkbar, aber das lässt sich in Ernährungsstudien nur schwer aufdecken und belegen. Und natürlich kann man ein kühles Bier genauso genussvoll in eine Mahlzeit einbauen. Fragt sich, ob man denn den Alkohol überhaupt noch braucht, wenn man sowieso schon sehr gesund lebt? Da gibt es eine ganz aktuelle Studie mit sehr interessantem Ergebnis. Die Autoren haben sich aus den Daten der großen Harvard-Ernährungsstudien die der fittesten Probanden herausgesucht – also von den Menschen, die schlank sind, die sich gut ernähren, nicht rauchen und regelmäßig Sport treiben. Und dabei stellte sich heraus, dass sogar bei diesen Personen moderater Alkoholgenuss dasHerzinfarktrisiko noch mal dramatisch senkt.

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